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FCA: Gott, Geld und Genetik

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Augsburg - Gott, Geld und Genetik: Der FCA erklärt seine erste Saison-Niederlage.

War ein netter Witz, den die Augsburger vor dem 3. Spieltag anlässlich ihrer Bilanz (zwei Unentschieden) gerissen hatten: Da Neuling, seien sie die einzige unbesiegte Mannschaft in der Bundesliga-Geschichte. Dieser Nimbus ist nach dem 3. Spieltag jedoch dahin, durch das 0:2 (0:1) gegen die TSG Hoffenheim – und der FC Augsburg der einzige Verein der Bundesliga-Geschichte, der noch nie ein Spiel gewonnen hat. Vom Über-FC-Bayern zu Noch-nicht-mal-Tasmania-Berlin (zwei Siege, Saison 1965/66) an einem Samstagnachmittag. . .

Erste Niederlage statt erster Sieg, zwei Punkte aus drei Spielen, darunter zwei Partien in der eigenen Arena – das Zahlenwerk ist ernüchternd, wenn man bedenkt, dass der FC Augsburg derzeit ein euphorisches Umfeld genießt und das Startprogramm (Freiburg, Kaiserslautern, Hoffenheim) als dankbar galt. Schlecht hat der FCA in seiner Wahrnehmung nicht gespielt, „jeder Spieler ist an seine Grenze gegangen“, bilanzierte Trainer Jos Luhukay, und Manager Andreas Rettig sah sich gar veranlasst, „eine Gratulation an unsere Mannschaft“ auszusprechen. „Viel mehr geht nicht, was wir leisten können. Wir haben alles auf den Platz gebracht, was machbar ist, wir sind zufrieden mit der Leistung.“

Natürlich nicht mit dem Ergebnis, das die Augsburger schon anders hätten gestalten können. Doch Sascha Mölders scheiterte mit einem Foulelfmeter (versehentlich verursacht von Beck an Bellinghausen) an TSG-Tormann Tom Starke (58. Minute), und der eingewechselte Tobias Werner setzte bei seiner ersten Aktion den Ball an den Hoffenheimer Pfosten (70.).

„Der liebe Gott“, sagte Luhukay und richtete den Blick nach oben, „hat uns zwei, drei Zentimeter nicht gegeben; vielleicht gibt er sie uns nächste Woche in Nürnberg.“ Der liebe Gott hat auch noch anderweitig mitgemischt – bei der TSG 1899 Hoffenheim. „Dort haben sie Spieler“, erklärte Luhukay, „die genetisch vom lieben Gott so zusammengestellt wurden, dass sie was extra bringen können, wie Obasi, Babel, Firmino. Was diese Mannschaft an Qualität hat, das können wir nie erreichen – auch nicht, wenn wir hundert Mal die Woche trainieren.“

Und Augsburg wird sich diese Klasse auch nicht kaufen können. „Der Junge, der für Hoffenheim das 1:0 gemacht hat, der hat -zig Millionen gekostet“, so Luhukay, „und der Junge, der unseren Elfmeter verschossen hat, ein Hundertstel“. Ryan Babel war Hoffenheim sieben Millionen wert (beim Wechsel zuvor, von Ajax Amsterdam zum FC Liverpool, hatte er noch über 17 Millionen gekostet), Sascha Mölders kam für 175 000 Euro vom FSV Frankfurt nach Augsburg. Mit bisher drei Treffern war er bester und einziger Torschütze des FCA. Am Samstagabend war er ins ZDF-Sportstudio eingeladen, doch der Verein unterband den Auftritt des neuen Publikumsliebling, den die Fans am Schluss trotz seines Fehlschusses feierten.

Hoffenheim zeigte, so Trainer Holger Stanislawski, in der ersten Halbzeit „eine richtig richtig starke Partie“. Einschränkung: „Zu verspielt, nicht zielstrebig genug.“ Zwischen der 55. und 70. Minute „haben wir aber den Spielbetrieb eingestellt“, bemängelte TSG-Manager Ernst Tanner. Erst Salihovic per Foulelfmeter (75.) brachte das Team zurück in die Spur und zum ersten Auswärtssieg nach einem Jahr – ausgerechnet nach der Hoffenheimer Beschallungs-Affäre. Mit hämischen Reaktionen darauf „werden wir im einen oder anderen Stadion leben müssen“, erwartet Tanner.

Die Augsburger müssen vorerst ohne ihren Rechtsverteidiger Paul Verhaegh leben. Der Holländer schied mit schwer anmutender Knieverletzung aus. „Es schmerzt so, dass der Arzt das Knie nicht berühren darf“, sagt Luhukay.

Günter Klein

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