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Hofft auf Alaba: Franco Foda

Alaba bekommt neuen Coach

Wiener Melange mit saurer Milch

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Franco Foda ist der erste deutsche Nationaltrainer in Österreichs 113-jähriger Verbandsgeschichte - David Alaba vom FC Bayern zählt zu Austrias Stützen

München – Die Beziehung zwischen Deutschland und Österreich gibt seit jeher Rätsel auf: Eigentlich ist man sich so nah – und dann doch wieder so entsetzlich fremd. Es kann also schon als Wagnis angesehen werden, dass Austrias Fußballverband in dem Ehrgeiz, sich für die EM 2020 zu qualifizieren, nun sogar vor einem Tabubruch nicht zurückschreckt ist. In Franco Foda, 51, präsentierte man den ersten Deutschen als Nationaltrainer in der stolzen 113-jährigen Historie. Das ist für manche etwa so, als würde man eine Wiener Melange mit saurer Milch anrühren.

Hans Krankl hat einst mit seinem Tor in Cordoba viel dazu beigetragen, dass sich die Nachbarländer fußballerisch so fremd sind. Entsprechend hilfreich war daher der Flankenschutz des Idols im Rahmen von Fodas Vorstellung. Ein Deutscher, na und, sagte Krankl sinngemäß, da könne man schon gnädig sein in dem Fall: Foda arbeitet mit Unterbrechungen seit 20 Jahren in Österreich, „in seinen Adern fließt ja schon fast Steirerblut“. Da brauche man also nicht fremdeln. Tatsächlich verbrachte der zweifache Nationalspieler den Großteil seiner Karriere als Aktiver und Coach in der Alpenrepublik. Sturm Graz, das er letzte Saison auf den dritten Platz führte und aktuell als Tabellenführer befehligt, sei „neben meiner Frau meine ganz große Liebe“, sagte er – für solche charmante Aussagen sind sie in den Kaffeehäusern der Hauptstadt immer zu haben. Schon schmeckt die Melange nicht mehr so sauer.

Foda hat auch so genug zu tun, um sich nicht auch noch mit den Hintergründen seiner Herkunft – aktuell in Österreich ohnehin ein hochpolitisches Thema – zu belasten. Er sei „ein Zwischending“, sagte er bei seiner Präsentation, „österreichisch-deutsch, würde ich sagen“. Foda strahlte Souveränität aus, die braucht er auch, denn schon sein Einstand hätte besser laufen können. Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Verband auf eine Entlassung von Peter Stöger beim 1. FC Köln spekuliert hatte. Zudem standen Thorsten Fink, Andreas Herzog, Niko Kovac und Markus Weinzierl zur Debatte. Letzterer erklärte, der Job hätte ihn gereizt, nur weil sein Ex-Klub Schalke keine Gespräche über die Auflösung seines ruhenden Vertrags aufnahm, habe er absagen müssen.

 Foda muss also mit Schattenmännern konkurrieren – und zudem diese talentierteste Generation seit Krankl und Co. wieder in Schwung bringen. Unter Vorgänger Marcel Koller nahm man erstmals seit 18 Jahren an einem großen Turnier teil, doch die EM 2016 war dann ein ebensogroßes Fiasko wie die krachend in den Sand gesetzte Qualifikation zur WM 2018. Zum Gesicht der Krise wurde David Alaba, der sich lieber in der Zentrale sah als links hinten, dabei aber den Ansprüchen nicht gerecht wurde. „Er wird dort spielen, wo ich glaube, dass er am wichtigsten ist“, sagte Foda. Womöglich wird die Personalie gar nicht so heikel; beim FC Bayern blüht Alaba seit der Rückkehr von Jupp Heynckes auf. Hält der Trend an, bekäme der Coach einen verloren geglaubten Führungsspieler als Einstandsgeschenk.

Foda kündigte an, anders als Koller mehr auf Spieler in der österreichischen Liga zurückzugreifen; sie werde zu Unrecht schlechtgeredet. Bis zu Jahresende bleibt er noch bei Sturm Graz, dann darf er für 350 000 Euro Ablöse gehen. Nächste Woche wird er aber schon freigestellt, um das Testspiel gegen Uruguay zu betreuen. Angesetzt ist die Partie für den 14. November, der Anlass ist ein historischer: Zum 25. Mal jährt sich das Todesdatum von Ernst Happel. Und Franco Foda, das Zwischending aus dem rätselhaften Nachbarland, ist inzwischen Österreicher genug, um zu wissen, für was für ein Erbe dieser Name steht.

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