Kosten für Rahmenprogramm

Fußball-EM 2020: München plant Spar-Meisterschaft

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München - Vier Spiele der Fußball-EM 2020 finden in München statt. Aber wohl ohne großes Rahmenprogramm. Die Stadt will kräftig sparen.

Im Jahr 2020 wird München vier Spiele der Fußball-Europameisterschaft ausrichten. Die Kosten für die Stadt belaufen sich auf etliche Millionen Euro. Angesichts der angespannten Haushaltslage soll nun am Rahmenprogramm gespart werden. Die Verwaltung räumt ein, dass München damit hinter anderen Ausrichter-Städten zurückbleiben wird.

Die Entscheidung der UEFA im Herbst 2014 löste Begeisterung im Rathaus aus: München darf bei der Europameisterschaft 2020 vier Begegnungen ausrichten, drei Gruppenspiele und ein Viertelfinale. Von einer Neuauflage des Sommermärchens 2006 war die Rede, München werde sich erneut als weltoffene und bunte Großstadt präsentieren, versprach die Politik. Zwei Jahre und etliche Skandale später ist die Euphorie merklich gedämpft. Das Sommermärchen im eigenen Land war mutmaßlich gekauft, UEFA-Präsident Platini sitzt eine Sperre wegen Bestechung ab, immer wieder gibt es neue Korruptionsvorwürfe in Zusammenhang mit dem Weltfußballverband FIFA. „Wäre das damals schon bekannt gewesen, wer weiß, ob wir für die Bewerbung gestimmt hätten“, sagte Florian Roth, Fraktionschef der Grünen, vorigen Herbst. Doch ein Zurück, wie von der Linken vor Monaten ins Spiel gebracht, ist nicht möglich, die so genannten „Host City“-Verträge zwischen Stadt und UEFA sind unterzeichnet.

Anders als bei der WM 2006, als es zahlreiche Fanfeste, Public Viewings und eine kostspielige Werbekampagne gab, will sich die Stadt beim Rahmen- und Marketing-Programm für die Euro auf ein Mindestmaß beschränken. Nur 200 000 Euro soll das Rahmenprogramm nach derzeitigem Planungsstand kosten, für Marketing und Kommunikation kommen nochmal 350 000 Euro dazu. Noch im Herbst hatte das Sportamt insgesamt 2,8 Millionen Euro angemeldet, außerdem 6,5 zusätzliche Stellen für die Jahre 2016 bis 2020. Doch angesichts der desolaten Haushaltslage musste das Referat seinen Wunschkatalog auf Geheiß des Rathauses radikal abspecken. München werde deshalb aller Voraussicht nach hinter den Gestaltungspaketen anderer „Host Cities“ zurückbleiben, schreibt das Sportamt in einer Vorlage, die der Stadtrat morgen berät.

Heißt im Klartext: In München wird es eine Spar-Ausgabe der Euro mit schmalem Rahmenprogramm geben, die meisten übrigen Städte werden stattdessen mit hohem Aufwand Eigenwerbung vor internationalem Publikum betreiben. Für Verena Dietl, sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, kein Drama. „München hat bereits ein gutes Image, da müssen wir nicht zusätzlich investieren.“

Günstig wird das Großereignis für München dennoch nicht, denn die UEFA hat die Teilnahme an etliche kostspielige Bedingungen geknüpft, festgehalten im „Host-City“-Vertrag. Darin verpflichtet sich die Stadt, ein offizielles Fanfest mit „Public Viewing“ für die UEFA auszurichten. Allein dieses kostet die Stadt 2,5 Millionen Euro. Weiterhin hat sich München verpflichtet, allen Stadionbesuchern die kostenlose Nutzung des ÖPNV zuzusichern, was für die vier Spieltage 1,4 Millionen Euro ausmacht. Darüber hinaus muss die Stadt Werbe- und Promotionsflächen bereitstellen, darunter prominente Werbetafeln in der Innenstadt. Dort dürfen dann die Partner der UEFA ihre Werbung präsentieren – auf Kosten der Kommune, die selbst keine Werbeflächen besitzt und diese daher extra anmieten muss. Das schlägt mit weiteren 0,9 Millionen Euro zu Buche. IIn Summe belaufen sich die Ausgaben auf 5,8 Millionen Euro. Hinzu kommen insgesamt 950 000 Euro, die München freiwillig für Rahmenprogramm, Marketing und Tourismus beisteuern will.

Der größte Kostenfaktor während der Euro ist allerdings die Sicherheit. Nach einer aktuellen Schätzung des Kreisverwaltungsreferates, basierend auf den Erfahrungen bei der WM und dem Papstbesuch 2006, ist ein Betrag in Höhe von 3,5 Millionen Euro realistisch. Trotz des massiv abgespeckten freiwilligen Rahmenprogramms kostet die Teilnahme an der Euro 2020 die Stadt demnach mindestens 12 Millionen Euro.

Die Grünen könnten sich deshalb weitere Kürzungen beim freiwilligen Programm vorstellen. „Es ist gut, dass wir kleinere Brötchen backen“, sagt deren sportpolitische Sprecherin Jutta Koller. Bei der CSU sieht man das ähnlich, will aber nicht zu weit gehen beim Sparen. „Ein ordentliches Rahmenprogramm ist wichtig für die Bürger“, so Stadträtin Kristina Frank.

Ulrich Lobinger

Rubriklistenbild: © Foto: dpa

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