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Federica Mauro kommt aus Italien und studiert Sportjournalismus in München.

Gastbeitrag einer Italienerin

Darum tut es mir so weh, dass Italien nicht mit zur WM fährt

Die Fußball WM naht und alle freuen sich. Naja, fast alle. Studentin Federica Mauro kommt aus Italien und erzählt, wie es sich anfühlt, wenn das eigene Land nicht bei der WM ist.

Die Fußball-WM in Russland geht am 14. Juni los! Hurra! ...aber eigentlich doch nicht. Leider können sich dieses Jahr nicht alle darüber freuen. Eine besondere Kategorie, zu der ich auch gehöre, wird die nächsten Wochen eher mit Schmerz und Enttäuschung überstehen müssen: die Italiener.

Seitdem wir am Abend des 13. November 2017 überraschenderweise ausgeschieden sind, gibt es für uns keine WM mehr. Zwar haben wir eine Woche getrauert - okay, vielleicht zwei oder drei (#prayforitaly machte sogar sein Debüt in der Welt der Twitter-Hashtags), dann haben wir aber einfach so getan, als wäre nichts passiert.

Plötzlich ist das größte Fußball-Event der Welt aus unseren Nachrichten, Zeitungen, sogar Gedanken verschwunden. Verdrängt, verleugnet. In der Psychologie spricht man von einem Abwehrmechanismus der Seele, wenn etwas sehr Schlimmes passiert. Und das ist der Fall. Die WM existierte für uns einfach nicht mehr. Bis jetzt.

Italien ist nicht perfekt, die aktuelle politische Lage könnte kein besserer Beweis sein. Doch was Fußball angeht, sind wir gut. Klingt selbstverliebt, ist aber so. Wir sind eine der besten Nationalmannschaften der Welt,  hatten den absolut besten Keeper und Legende Gigi Buffon, 2006 haben wir die vorletzte WM in Deutschland gewonnen. Was ist jetzt nur mit uns los? 

Als Italienerin in Deutschland werden die nächsten Wochen schwer. Anders als für meine Landsleute in Italien ist die Vorfreude auf die WM hier in Deutschland nämlich fühlbar. Permanent. Ein Blick in die Nachrichten, ein Besuch im Supermarkt reichen: überall WM, Russland 2018, schwarz-rot-gelbe Produkte und Trikots. Und bald werden wir die ersten Public-Viewings und Menschen auf der Straße erleben, die die Hymne ihres Landes singen.

Denn bei der WM geht es nicht nur um Fußball. Dabei geht es auch um das wunderschöne Gefühl, Teil eines Landes zu sein. Wir Italiener streiten ständig: in der Politik, in den Institutionen, Nord- gegen Süditalien. Und doch, wenn unsere Nationalmannschaft spielt, dann sind wir endlich eins. Und dieses Gefühl brauchen wir, besonders in schwierigen Phasen wie dieser, in denen die Zukunft unseres Landes in Frage gestellt wird

Ich persönlich finde es schade, dass viele Italiener, die gerade eine harte Zeit erleben, sei es wegen der finanziellen Krise oder wegen der verzweifelten Suche nach einem Job, diesen Sommer auf den WM-Traum verzichten müssen. Klar, es ist auch nur Fußball. Aber er bringt uns zusammen. 

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich gönne es Deutschland auf jeden Fall, in Russland dabei zu sein. Und auch wenn ich nicht hier geboren bin, werde ich meine Wahl-Heimat mit Sicherheit unterstützen. Aber mein Herz schlägt für Italien. Und in diesem Sinne: Forza Azzurri, auf eine neue WM in vier Jahren!

Diesen Gastbeitrag schrieb die 23-jährige Italienerin Federica Mauro, die in München Sportjournalismus studiert, und im April und Mai 2018 Praktikantin unserer Online-Redaktion war. 

Weitere Gastbeiträge finden Sie gesammelt auf unserer Themenseite

Hier gelangen Sie zum WM-Spielplan 2018.

Video-Quelle: Glomex

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