Wenn Fußballer wie Toni Kroos zur Ordnung rufen

Medienamateure

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Bei Toni Kroos geht es mal in diese Richtung, mal in jene. Wie am Samstag: Verursacher des Gegentores und der Mann, der die Kollegen zum Abgrund führte – dann superabgezockter Schütze des Siegtors unter schwierigsten Bedingungen (Druck, Zeit läuft davon, eigenes Team einer weniger).

Auch zum Themenkomplex Medien erlebt man Kroos mal so, mal so. Nach dem 2:1 gegen Schweden moserte er in Richtung der kritischen Medien, was schon deswegen ein Unsinn war, weil weite Teile der Mannschaft mit sich selbst ins Gericht gegangen waren. „Wir sind unsere schärfsten Kritiker“, sagte Manuel Neuer. „Externe und interne Bewertung der Leistung gegen Mexiko stimmen überein“, war von Mario Gomez zu hören gewesen.

Am Montag schließlich überraschte Kroos, der Medienkritiker. Mit einem Medienbündnis. „Toni Kroos schreibt in Bild.“ Da schau an. In der Zeitung, die nach dem Mexiko-Spiel sich auf Kroos’ Kollegen Julian Brandt stürzte, weil der im Stadion nicht angemessen betreten war und arglos ein Selfie mit einem Kind gemacht hatte, und die sich sonst an Mesut Özil abarbeitete. Offensichtlich war Toni Kroos die Pflege der eigenen Marke doch wichtiger als die Loyalität zu Mannschaftskameraden.

Medienschelte ist dumm. Weil es „die Medien“ nicht gibt. Weil die Ansätze der in Russland vertretenen Sender, Plattformen, Magazine, Zeitungen viel zu unterschiedlich sind, um sie in einen Topf zu werfen. Es gibt ausgeprägt sportfachliche Berichterstattung, es gibt boulevardeske (die mal böse, mal leicht und amüsant ist), manche Medien sind tendenziell kritisch-distanziert, andere fühlen sich dazu aufgerufen, die Ware zu verkaufen.

Eine Bilanz der ersten beiden Medienwochen rund ums DFB-Team in Russland ist auch: Die meisten Medien haben Julian Brandt in der Selfie-Sache verteidigt und die Talkshow-Wortwahl eines Mario Basler, Mesut Özil betreffend („Körpersprache eines toten Froschs“), verurteilt. Wenn Spieler der Meinung sind, es finde Verunglimpfung statt, sollen sie den Verursacher benennen. Das kann einer der Experten sein wie Basler, Effenberg, Matthäus, die halt wirklich viel Unfug reden. Oder das konkrete Blatt, das etwas in den Raum stellt, was die Mannschaft nicht für belegt hält.

Man müsste halt dann ein paar Minuten mehr investieren als fürs beiläufige Scrollen durch die Social-Media-Kanäle. Mal was nachlesen vielleicht. Aber klingt halt so cool, wenn man sagt: „Ich lese nicht oder selten was über Fußball.“

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