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Letzte WM-Party: Vor 40.000 Fans in Düsseldorf hielten die deutschen Weltmeister um Bundestrainer Löw eine öffentliche Einheit ab.

Nachfolge als DFB-Kapitän

Hiller, Beckenbauer, Lahm – wer kommt nun?

München - Hiller, Beckenbauer, Lahm – und nun? Die Fußball-Nation wartet gespannt auf den neuen DFB-Kapitän – Schweinsteiger/Neuer wären eine gute Kombination.

Alles begann mit Arthur Hiller. Der Name ist den deutschen Fußball-Fans nicht sonderlich geläufig, und man tut dem Mann nicht Unrecht, wenn man sagt, er habe die Geschicke der Nationalelf kaum nachhaltig geprägt. Hiller stammt aus einer fernen Zeit, wie fern, wird ersichtlich, wenn man zwei Eckdaten seiner Vita verknüpft, um sie dann in Relation zu 2014 zu setzen: Hiller kickte einst für den 1. FC Pforzheim. Und Hiller war der erste Kapitän einer deutschen Nationalelf. 1908 war das.

1908 wurde Toblerone erfunden, zudem hat Maggi den Brühwürfel auf den Markt gebracht. Inzwischen ist der 1. FC Pforzheim zum 1. CfR Pforzheim fusioniert und hält sich in der Verbandsliga Baden auf. Arthur Hiller spielte vier Mal in den deutschen Farben, die Binde trug er nur dieses eine Mal, beim 3:5 in Basel gegen die Schweiz. Seine Erben wurden zu Ikonen wie Franz Beckenbauer, Fritz Walter und Uwe Seeler, sie stiegen auf zu Weltstars wie Lothar Matthäus, Michael Ballack und Oliver Kahn – alles sehr fern von Pforzheim.  Vor 50 Tagen feierte man in Rio den WM-Sieg, DFB-Manager Oliver Bierhoff, der selbst mal Kapitän war, sagte gestern mit einigem Pathos, dieser vierte WM-Titel gehöre „ganz Deutschland“. Seitdem Hiller die Fußballstiefel ausgezogen hat, hat sich viel verändert. Toblerone und Brühwürfel sind heute keine Weltsensation mehr, wohl aber, dass Philipp Lahm das Amt des DFB-Kapitäns freiwillig abgetreten hat. Der Münchner beendete seine Karriere in der deutschen Auswahl, nun wartet die Nation gespannt, wen Bundestrainer Joachim Löw zum Nachfolger erwählt.

Hiller, Beckenbauer, Lahm – und jetzt? Bis gestern gab es vier Kandidaten, dann brachte Kandidat Manuel Neuer in Thomas Müller noch einen fünften ins Spiel. Im Großen und Ganzen besteht landesweit Konsens in der Meinung, der neue Chef rekrutiere sich aus dem Kreis Neuer, Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira und Mats Hummels.

„Wenn mir der Bundestrainer das zutraut, würde ich es machen“, sagte Neuer, dem oben auf dem Podium bei der ersten Pressekonferenz vor dem Showspiel gegen Argentinien (Anpfiff morgen in Düsseldorf um 20.45 Uhr/ZDF live) etwas unwohl war. Natürlich wurde er gelöchert zur Kapitänsfrage, aber natürlich wusste er nicht viel Sinnvolles beizutragen – Löw hatte sich erbeten, zunächst mit allen Kandidaten und später auch mit der ganzen Mannschaft zu reden. Und die Akteure trudelten erst im Laufe des Tages allmählich ein.

Die logischste Variante ist eine Doppelspitze Schweinsteiger und Neuer. Der bisherige Vize wäre aufgrund seiner langen Zugehörigkeit die erste Option, und weil der Münchner in den letzten Monaten wegen vieler Blessuren nur gelegentlich vorbeischaute (auch gegen Argentinien fehlt er verletzt), böte sich eine Lösung mit Neuer als Stellvertreter an. Neuer gilt als Persönlichkeit, sein Problem ist: er ist Torwart. Als Löw mit Jürgen Klinsmann bei der Nationalelf einstieg, war eine der ersten Maßnahmen, Kahn die Binde zu entwenden. Ballack erhielt sie, man war der Meinung, ein Keeper sei nicht ideal. Khedira hat unterdessen auch oft mit Verletzungen zu kämpfen, der vorwitzige Hummels stand bei Löw lange Zeit nicht hoch im Kurs.

Ein neuer Co-Trainer wird diese Woche auf keinen Fall präsentiert. Man sei laut Bierhoff in guten Gesprächen, „es reist aber keiner nach“. Über den neuen Kapitän sagte er, die Position sei „überbewertet“, zählte aber dann doch eine lange Litanei an Aufgaben auf. Das erste Aushängeschild der Nationalelf sei der Mann, brauche Autorität, extern wie intern. „Er muss dafür sorgen, dass Dinge nicht immer am Trainer oder Manager hängen bleiben.“ 1908 war alles sicher etwas überschaubarer.

Andreas Werner

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