Nach Erdogan-Treffen

Cacau über Özil und Gündogan: „Das war eine sehr naive Aktion“

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Einst war Cacau einer der besten deutschen Stürmer. Jetzt vertritt er den DFB als Integrationsbeauftragten. Im Interview spricht er über die Fehltritte von Mesut Özil und Ilkay Gündogan.

Claudemir Jerônimo Barreto kennen alle nur als Cacau. Der gebürtige Brasilianer (Spitzname: Helmut) machte gut 300 Bundesliga-Spiele für Stuttgart und Nürnberg – und erzielte für die deutsche Nationalmannschaft in 23 Spielen sechs Tore. Heute ist er für den DFB als Integrationsbeauftragter unterwegs. Was er über die Aufregung um Mesut Özil und Ilkay Gündogan sagt.

Herr Cacau, war es eine gute Idee von Mesut Özil und Ilkay Gündogan, mit dem türkischen Staatschef Erdogan zu posieren?

Cacau: Es war auf jeden Fall sehr naiv. Sie sind ihrer Vorbildfunktion nicht gerecht geworden. Und sie hätten die Botschaft eines solchen Fotos erkennen müssen. Also: Diese Aktion hätten sie lieber gelassen.

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Welche Botschaft meinen Sie genau?

Cacau: Das politische Symbol. Klar: Fußballspieler sind keine Politiker. Aber ich muss mir als Profi trotzdem bewusst werden, welche Folgen so ein Bild hat. Das deutsch-türkische Verhältnis ist nun mal zugespitzt. Und was unter Erdogan in der Türkei mit der Meinungsfreiheit passiert, passt nicht zu den Werten des DFB.

Man könnte entgegnen: Es ist sehr anstrengend, stets ein Vorbild zu sein. Wie haben Sie das erlebt?

Cacau: Das war mir von Anfang an bewusst, ich habe das nicht als anstrengend empfunden. Und auch wenn ein Bild heute ganz schnell um die Welt geht: Man muss in dieser herausgehobenen Position einfach vorsichtig sein.

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Ist es schwerer, für Deutschland zu spielen, wenn man in einem anderen Land geboren ist?

Cacau: 

Das ist mit Sicherheit ein innerliches Ringen. Aber das ist aus meiner Sicht auch gar nicht verkehrt. Einerseits muss man sich integrieren, sich mit Deutschland identifizieren. Aber man darf auch seine Wurzeln nicht vergessen. Nur: Im aktuell diskutierten Fall geht es um mehr. Es geht um Werte, die auf der einen Seite gelebt und auf der anderen Seite nicht vertreten werden.

Damit zum Sportlichen. Wie bewerten Sie den vorläufigen WM-Kader?

Cacau: 

Für mich ist das ein nachvollziehbarer, guter Kader. Am ehesten überrascht mich, dass Nils Petersen dabei ist. Aber eigentlich gibt es keine Sensation. Das gilt auch für die Nicht-Nominierung von Mario Götze, die mir für ihn persönlich sehr leidtut.

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Welchen Platz wird die deutsche Mannschaft in Russland erreichen?

Cacau: 

Schaut man sich die vergangenen Turniere an, würde ich sagen: das Halbfinale mindestens.

Interview: Maximilian Heim

Rubriklistenbild: © dpa / Andreas Gebert

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