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Ein Versuch auf der Problemposition: Jonas Hector löste beim EM-Quali-Spiel gegen Gibraltar Erik Durm ab.

Neues Gesicht im DFB-Team

Jonas Hector: Die andere Karriere

Nürnberg - Jonas Hector, BWL-Student aus Köln, ist jetzt Nationalspieler. Beim FC Bayern hat er vor vier Jahren ein Probetraining absolviert. Karrieren wie seine gibt es immer seltener.

Am Samstagmittag ließ Joachim Löw seine Spieler von der Leine. In Nürnberg war Schluss, Treffpunkt erst wieder am Sonntag um 22 Uhr im Flughafenhotel in München, von wo aus man sich am Montag nach Vigo in Spanien begibt. Jonas Hector, der neue Nationalspieler, ist im Gegensatz zu den meisten anderen aber umgehend nach München gefahren: „Da treffe ich mich mit unserem Torhüter Timo Horn.“ Der war in Ingolstadt bei der U 21 gewesen und hatte es nicht weit. Das Programm der beiden Kölner in Bayern: „Ein bisschen entspannen, den Tag genießen.“

Jonas Hector, 24, könnte München als Lebensmittelpunkt führen, denn der FC Bayern hat sich schon mal interessiert für ihn, als er noch in der Oberliga Südwest beim SV Auersmacher im Saarland kickte. Zusammen mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Lucas machte er ein Probetraining bei den Bayern, entschied sich aber für einen Wechsel zum 1. FC Köln. Dort gehörte er zwei Jahre vorrangig der zweiten Mannschaft an, auch wenn Lukas Podolski sich erinnert, „dass damals der Zvonimir Soldo ihn hochgezogen hat“. Da spielte auch Podolski noch in Köln, und Soldo war der Trainer, der Hector bei den Profis mittrainieren ließ. Tatsächlich rückte Jonas Hector aber erst in der 2. Liga unter Trainer Holger Stanislawski (im August 2012) zu den Profis auf – Volksheld Podolski war da schon weit weg, in England. Peter Stöger, FC-Trainer seit 2013, schulte den Mittelfeldspieler Hector zum Linksverteidiger um. Das ist eine Problemposition im deutschen Fußball, „weil in den Nachwuchsmannschaften die herausstechenden Spieler alle kreative und offensive Rollen spielen“, so hat Joachim Löw es erklärt. Sein derzeitiger Linksverteidiger Nummer eins Erik Durm hat Stürmer gelernt.

Hector kam im Gibraltar-Spiel für Durm. „Es stand ja schon 4:0, das war sicher angenehmer, da eingewechselt zu werden als bei Unentschieden oder einem Rückstand“, sagte Hector, der der 44. Nationalspieler ist, den der 1. FC Köln hervorgebracht hat. Er spricht mit leiser Stimme, es wirkt so, als staune er noch über das, was ihm seit einigen Monaten widerfährt. Karrieren wie seine gibt es immer seltener: Er hat nicht die U-Nationalmannschaften des DFB durchlaufen, er verfolgt auch noch eine Ausbildung neben dem Profisport. Nach Abitur und einem Freiwilligen Sozialen Jahr hat Hector sich zu einem BWL-Studium an der Rheinischen Fachhochschule Köln eingeschrieben.

Wo er sportlich steht, weiß er noch nicht so genau. Gibraltar war sein erstes internationales Spiel, das nächste könnte das am Dienstag in Spanien sein. Hector freut sich, „dass ich so etwas aus der Nähe anschauen und ein bisschen reinschnuppern darf.“

Von Günter Klein

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