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Das EM-Siegerteam von 1980: Stehend von links: Karl-Heinz Rummenigge, Toni Schumacher, Bernd Cullmann, Bernd Schuster, Hans-P eter Briegel, Horst Hrubesch, Uli Stielike, Trainer Jupp Derwall. Knieend: Klaus Allofs, Manfred Kaltz, Bernard Dietz, Karlheinz Förster, Hansi Müller.

EM 1980: „Bei Alfredo haben wir gesungen“

  • Günter Klein
    vonGünter Klein
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Zwei seiner größten Erfolge feierte der deutsche Fußball in Italien. Die WM 1990 fällt jedem ein, doch schon zehn Jahre davor triumphierte die Nationalmannschaft in Rom. Sie wurde Europameister und legte das personelle Fundament für die 80er-Jahre mit zwei WM-Endspielteilnahmen (1982, 86). Klaus Allofs, späterer Bundesliga-Manager (Bremen, Wolfsburg) war einer der Stars des Teams von 1980 – und mit drei Treffern, alle erzielt gegen die Niederlande, Torschützenkönig des EM-Turniers.

Herr Allofs, Jupp Derwall wurde nach der WM 1978 Bundestrainer, Sie waren einer seiner ersten Debütanten, die Nationalmannschaft erlebte eine Serie von 23 Spielen ohne Niederlage, es gab sogar 12 Siege am Stück. Da muss für die EM 1980, das erste Derwall-Turnier, ein Favoritengefühl aufgekommen sein.

Wir hatten in der Vorbereitung Malta weggefegt, Österreich und Polen geschlagen und tatsächlich beste Voraussetzungen. Aber es war nicht die Euphorie da, dass wir gesagt hätten: Es kann gar nicht anders sein, als dass wir Europameister werden. Zu den Favoriten zählt man als Deutschland ja immer, wir sind vorsichtig optimistisch nach Italien gefahren.

Es war das erste Turnier mit erweitertem Format. Kein Final-Four mehr wie 1972 und 76, sondern mit acht Teams und nicht an einem Ort, sondern in mehreren Städten.

Aber vom Modus her absolut spartanisch. Wenn man heute die Statistiken zu Rate zieht, wird man staunen: Wir hatten nur vier Spiele bis zum Titel, Es gab zwei Gruppen, die beiden Ersten haben das Endspiel bestritten, und wir standen nach zwei Spielen schon als Erster fest. Da ich aus dem Auftaktspiel gegen die Tschechoslowakei eine Gelbe Karte stehen hatte, wurde ich im letzten Gruppenspiel gegen Griechenland auch geschont. Ich hatte also sogar nur drei Spiele.

Das neue EM-Format war kein Publikumserfolg. Die Zuschauerzahlen der deutschen Spiele: 10 500 in Rom gegen die Tschechoslowakei, knapp 30 000 in Neapel zum Klassiker gegen die Niederlande, 13 900 in Turin gegen Griechenland. Auch beim Finale gegen Belgien war im Olympiastadion von Rom Platz, es kamen 47 000.

Man kann sich das gar nicht mehr vorstellen, aber der Fußball war damals in einem völlig anderen Zustand als heute. Auch in unserer Bundesliga waren die Stadien nie voll, Länderspiele waren vielleicht mal gut besucht. Es war für uns also gar nicht außergewöhnlich, was wir bei der EM erlebten. Außerdem hatte Italien gerade einen Betrugsskandal im Fußball erlebt, das drückte ebenfalls auf die Zahlen.

1980, das war eine junge Mannschaft, nicht wahr? Generation Neuaufbau nach 1978.

Das kann man so sagen. Es hatte ein Generationenwechsel stattgefunden, Spieler, die schon zuvor dagewesen waren wie Hansi Müller und Karl-Heinz Rummenigge, die waren ja auch noch nicht alt.

Es war das einzige Turnier, das Bernd Schuster spielte. Er war 20, überwarf sich in jungen Jahren mit dem DFB und machte zwar eine große Vereinskarriere in Spanien, aber ignorierte die Nationalmannschaft. Wie haben Sie ihn erlebt?

Es wurde damals schon ein Mysterium um ihn gemacht, die öffentliche Wahrnehmung entsprach aber nicht unserer internen. Im Kreis der Mannschaft war Bernd eher zurückhaltend, er war jung und kein Anführer. Aber es gab keine Probleme mit ihm – und auf dem Platz hat er seine Qualitäten gezeigt. Er hat, glaube ich, alle meine drei Tore gegen die Niederlande vorbereitet.

Das zweite Gruppenspiel, in dem der spätere Rekordnationalspieler Lothar Matthäus in der Schlussphase eingewechselt wurde. Es war sein Debüt.

Dass man einen Neuling im Schlüsselspiel eines Turniers reinwirft, war außergewöhnlich. Wir führten früh 3:0, Lothar hat dann, als er kam, einen Elfmeter verursacht, es ging 3:2 aus, er durfte bei dieser EM dann nicht mehr spielen. Aber dieser nicht so gelungene Auftakt hat ihn nicht daran gehindert, eine große Karriere zu machen.

Horst Hrubesch fiel aus dem Raster der jungen Hochveranlagten. Er kam spät in den Profifußball, war schon 29, als er zum Thema für Derwall wurde, bei der EM schoss er seine ersten beiden Länderspieltore – und die dann im Finale gegen Belgien.

Auch in der Nachbetrachtung war Horst von seiner Spielweise eine sehr gute Ergänzung. Eine richtige Neun. Der Erfolg, der das gekrönt hat, war das Kopfballtor zum 2:1 nach einer Ecke in der vorletzten Minute. Kalle und ich haben um ihn herum hängende Stürmer gespielt. Wenn man die Aufstellung durchgeht, war das auch unter heutiger Betrachtungsweise eine sehr gute Mannschaft. Wir drei vorne, Hansi Müller und Bernd Schuster im offensiven Mittelfeld, Uli Stielike etwas defensiver, Manni Kaltz als überragender Außenverteidiger, Hans-Peter Briegel auf der anderen Seite mit seiner Dynamik, und in der Abwehrmitte Bernard Dietz und Karlheinz Förster mit ihrer Verlässlichkeit.

Den silberlockigen Trainer Jupp Derwall stellt man sich als väterlich vor.

Das ist das richtige Wort. Er war versucht, gute Stimmung zu erzeugen und wenig Konflikte zu haben; dieses Streben nach Harmonie hat sich auch in den Aufstellungen niedergeschlagen.

Eine Geschichte dieser EM, so kann man es zumindest nachlesen, ist, dass die Mannschaft ein Lied hatte, das sie gerne anstimmte. War damals ein Hit in Deutschland: Mike Krüger mit „Sie müssen nur den Nippel durch die Lasche zieh’n“.

Ich könnte nicht bestätigen, dass es dieses Lied war. Es ist ja immer so, dass eine Mannschaft für ein Turnier zusammenwachsen muss, bei einer WM, die länger dauert, ist das noch viel dramatischer. Bei uns war es 1980 so, dass wir nach dem ersten Spiel gegen die Tschechoslowakei einen Mannschaftsabend hatten. Der Wirt hieß Alfredo. Wir haben gut gegessen, und es wurde auch ein bisschen was getrunken. Ein lustiger Abend, wichtig für diese Gruppe. Und ja, es wurde auch gesungen. Das war Jupp Derwalls Spezialität – und die einiger Spieler.

Lassen Sie uns noch übers Endspiel gegen Belgien reden. Keine der großen Fußball-Nationen, aber öfter mit guten Turnierergebnissen.

Eric Gerets war einer meiner unangenehmsten Gegenspieler, es waren Zeiten, in denen noch dichter am Mann gespielt wurde. Belgien hatte eine körperlich starke und zugleich spielende Mannschaft, die Spieler waren nach der EM bei großen Clubs in ganz Europa gefragt. Trotzdem hätten wir das Spiel deutlicher gewinnen müssen. Aber das späte Tor war eine bessere Option als eine Verlängerung.

Ihr Gegenspieler Gerets wurde ein bekannter Trainer, im Team der Holländer spielten Huub Stevens und Arie Haan, die später in der Bundesliga arbeiteten, und aus dem deutschen Team sind auch viele Spieler ihrem Sport in anderer Funktion, als Trainer, Manager oder Spielerberater erhalten geblieben. War das die erste Generation an Profis, die darauf aus war, dass sich eine Zweitkarriere anschließen sollte?

Tatsächlich sind aus unserer Elf bis auf Manni Kaltz alle dem Fußball verbunden geblieben. Ich war bei der EM vor vierzig Jahren gerade mal 23 und glaube, dass wir damals noch alle nicht einen Gedanken an das verschwendet haben, was auf die Zeit als Spieler folgen würde. Aber ich erkläre es mir so: Die meisten von uns haben nicht nur ein Turnier gespielt, sie hatten erfolgreiche Karrieren, die sie auch ins Ausland geführt haben, und daraus ergibt sich ein Erfahrungsschatz, sodass die logische Konsequenz daraus ist, dass wir Verantwortung übernommen haben.

Interview: Günter Klein

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