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Junge Trainer als Hoffnungsschimmer: Domenico Tedesco.

Kommentar: Start der Bundesliga-Rückrunde

Trotz allem göttlich

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Die Fußball-Bundesliga startet mit vielen Sorgen in die Rückrunde. Visionen, die Probleme zu beheben, sind nicht einmal beim FC Bayern auszumachen. Dennoch wird der Reiz wieder alle Fans in seinen Bann schlagen; zumindest für 90 Minuten. 

Der Mensch ist im Grunde leicht berechenbar, und zu seinen vielen weniger lobenswerten Charakterzügen gehört, dass er sich erst, wenn er nicht mehr weiter weiß, an höhere Instanzen wendet. Kardinal Woelki ist seinen Schäfchen deshalb nicht böse. Als bekennender Fan des 1. FC Köln erklärte er nun in einem Interview, es sei völlig in Ordnung, auch für Tore zu beten. Er selbst halte das genauso. Und ein Kölner Fußball-Wunder sei in seinen Augen keine Utopie: „Ich glaube daran, weil ich ein Mensch voller Hoffnung bin.“ Der FC startet als Tabellenletzter in die Rückrunde. Aber auch bei anderen Bundesligisten wäre Beistand von oben hilfreich.

Oder von anderswo, um die Dinge doch lieber etwas weltlicher zu betrachten. Die Bundesliga startet mit der stattlichen Hypothek vieler ungelöster Aufgaben ins neue Spieljahr. Ob sich bald Lösungen ergeben? Allein es fehlt der Glaube.

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Jenseits von München versinkt die deutsche Fußballlandschaft in einem tief zerfurchten Gelände voller Probleme. International hat man den Anschluss verloren, gründlich, zunächst finanziell und dann in logischer Konsequenz auch sportlich. Visionen, um der Entwicklung gegenzusteuern, sind nirgends auszumachen – auch in München übrigens nicht, wo man sich (noch) auf einem erwirtschafteten Status ausruht, bei dem nicht sicher ist, ob er in Zukunft als ein tragfähiges Fundament taugt.

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Gewiss gibt es deutschlandweit Talente, doch selbst Joachim Löw verweist schon länger auf Typen wie Kylian Mbappé als Beispiel, dass die internationale Konkurrenz auch auf dem Sektor Ausbildung erwacht ist. Als hoffnungsvolle Lichtblicke heben sich Trainer wie Julian Nagelsmann, Domenico Tedesco, Hannes Wolf und Manuel Baum vom tristen Horizont ab. Die Bundesligisten werden aufgrund mangelnder wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit mehr denn je auf clevere Strategen bauen müssen, die die Qualitätslücken in ihrem Kader mit taktischen Mitteln kompensieren. Leicht ist diese Aufgabe nicht.

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Das Gute: Sobald der Ball rollt, sind alle Sorgen vergessen. Zumindest für 90 Minuten. Und da der Mensch so leicht berechenbar ist, ist es kein Wunder, dass er das Spiel weiterhin genießt. Es ist ja auch, mal ganz ehrlich, trotz allem: göttlich schön.

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