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Die Mannschaften kommen auf den Rasen - und die Event-Fans filmen lieber, als selbst zuzusehen.

Wenn Zuschauer lieber filmen, anstatt mitzufiebern

Kommentar: Fans, packt die Kameras weg und genießt die Atmosphäre!

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Immer mehr Zuschauer von Veranstaltungen filmen lieber die Ereignisse, als die Atmosphäre im Stadion, in der Halle oder beim Public Viewing im Biergarten selbst zu genießen. Ein großer Fehler, schrieb Online-Redakteur Florian Weiß in seinem Beitrag von 2017. Und das muss zur WM 2018 wiederholt werden. 

Rückblick: Champions League 2017, Hinspiel im Achtelfinale, der FC Bayern spielte gegen den FC Arsenal und zeigte eine atemberaubende Leistung, siegte am Ende mit 5:1. Jeder, der eines der 70.000 Tickets für diese Partie ergattern und die Gala so live in der Allianz Arena verfolgen konnte, durfte sich glücklich schätzen. Unzählige andere Fans hatten nicht dieses Glück und mussten das Match im TV ansehen. Doch anstatt die Atmosphäre in der Arena aufzusaugen und sich diesem Erlebnis zu erfreuen, zückten nicht wenige Zuschauer ihre Smartphones und filmten stattdessen das, was sich auf dem Rasen und den Rängen tat. Der Blick auf das Display ist gebannt, der Blick auf den Platz eher nicht. Ein Fan, der im TV-Live-Bild zu sehen war, verfolgte einen der fünf Bayern-Treffer nur durch das Handy-Display, weil er so mit dem Filmen beschäftigt war.

„Man kann einen magischen Moment nicht auf einem Chip festhalten“

Es ist ein Phänomen, das seit rund zehn Jahren immer weitere Kreise zieht. Nicht nur im Fußballstadion, auch beim Eishockey, beim Motorsport, bei Volksfesten oder Hochzeiten - immer öfter halten Gäste lieber mit der Kamera drauf, als den Moment zu leben. Auch bei Konzerten sieht man mittlerweile mehr hochgehaltene Smartphones im Aufnahmemodus, als klatschende oder winkende Hände. Wir verlernen das Genießen des Moments - und dem gilt es entgegen zu steuern.

Auf einer Show der Berlin Fashion Week zückten diese Damen geschlossen ihre Smartphones.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ein Schnappschuss mit Freunden oder ein Foto ins weite Rund hier und da als Souvenir und Erinnerung sind selbstverständlich und nur allzu menschlich. Aber mir geht‘s um das dauernde Filmen der Geschehnisse. Genießen Sie doch lieber die Atmosphäre und das Gefühl, diese mit jeder Faser des Körpers zu spüren, als sich mehr darauf zu konzentrieren, das Ganze andauernd mit dem Smartphone zu filmen.

„Man kann einen magischen Moment nicht auf einem Chip festhalten, sondern nur im Herzen und im Kopf.“ Dieses Zitat von Moderator Olli Schulz sollte sich manch ein Zuschauer zu Herzen nehmen. Ein Videoclip wird nie die Emotionen und Erlebnisse ersetzen, die man tief in sich gespürt und erlebt hat.

Events als Ort der Emotionen - nicht der Filmerei

David Guetta steht auf der Bühne am Münchner Königsplatz - und die Fans filmen.

Besonders ärgerlich sind die Smartphone-Filmer aber für diejenigen, die den Anhängern, die genau diese Emotionen erleben möchten, die Plätze rauben - und erst recht, wenn es Plätze in den Fankurven sind. Denn dort gilt der Fokus dem lautstarken Support der eigenen Mannschaft. Da haben mit Smartphone filmende Gäste eigentlich nichts verloren und sind der Stimmung in den Fanblöcken eher abträglich. Dann noch lieber schweigende Nachbarn. 

Szenen von Choreografien in Fankurven, Elfmetern auf dem Platz oder Auftritten von Stars - das alles kann man heutzutage online in Mediatheken abrufen. Genügend Medienvertreter sind stets vor Ort. Wozu also sich seinen Stadion- oder Konzertbesuch mit dem Stress des Filmens verwässern? Sie gehen doch hin, um eine geile Zeit zu haben, oder? Letztendlich gibt es zudem genügend Event-Fans, die trotz dieser Zeilen filmen und ihren Clip ins Netz stellen werden. Da braucht doch nicht selbst noch mit der eigenen Kamera draufzuhalten.

Also, liebe Eventies; Kamera weg, Atmosphäre genießen, Erlebnis im Gedächtnis abspeichern! Oder daheim bleiben und das Ganze denen überlassen, die es erleben möchten.

Florian Weiß

Ronaldo verschießt Elfmeter - und trifft filmenden Fan

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