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Philipp Lahm könnte für Oliver Bierhoff ein Gegenpart werden.

Gegenpart zu Grindel und Bierhoff

Kommentar zur DFB-Spitze: So verschiebt Lahm die Macht

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Oliver Bierhoff und DFB-Präsident Reinhard Grindel stehen seit der desaströsen WM in der Kritik. Philipp Lahm könnte bald der ideale Gegenpart werden. Ein Kommentar von Manuel Bonke.

München - München war in den vergangenen zwei Wochen der Mittelpunkt von Fußball(verbands)-Deutschland. Vor dem ersten Auftritt der Nationalmannschaft nach dem WM-Desaster präsentierte Jogi Löw hier seine WM-Analyse – und ging mit sich selbst bekanntlich hart ins Gericht.

Neben ihm saß im Bauch der Allianz Arena DFB-Direktor Oliver Bierhoff. Und während bei Löw nach dessen Auftritt vor allem der Satz „Da war ich fast arrogant“ hängen blieb, sorgte die Ausführung von Bierhoff schon damals für Kopfschütteln. Der DFB-Manager war wirklich davon überzeugt, dass er die Öffentlichkeit beruhigt, indem er einen Beirat installiert, der einen „kritischen Blick“ von außen auf die Geschehnisse rund um Verband und Nationalmannschaft werfen soll. Eine krasse Fehleinschätzung trotz prominenter Namen wie Ex-Bundestrainer Berti Vogts oder dem früheren Adidas-Chef Herbert Hainer.

Torwart-Legende Oliver Kahn brachte am Samstag im ZDF-Sportstudio auf den Punkt, was sich viele seit der WM-Analyse dachten: „Es wäre sinnvoller, über einen neuen Teammanager nachzudenken, als irgendwelche Beiräte zu gründen, wo viel geredet, viel Kaffee getrunken wird, und dann gehen wir alle wieder heim.“ 

Kahn fordert „anderen Blickwinkel“ 

Der frühere Torwart wünscht sich jemanden, „der mal einen anderen Blickwinkel reinbringt, dass solche Dinge gar nicht erst passieren können – dieser falsche Umgang mit dem Erfolg, diese Nachlässigkeiten, von denen Joachim Löw gesprochen hat“. 

Zusammengefasst: Kahn wünscht sich ein „Gegengewicht“ zu Nationalmannschaftsdirektor Bierhoff. Doch wer die Ausführungen des DFB-Managers verfolgt, dem dürfte nicht entgangen sein, dass Bierhoff keine Lust hat, Macht abzugeben. Zu viel, so glaubt er, hat er in den vergangenen Jahren richtig gemacht, als dass plötzlich alles falsch sein kann.

Warum verschob Grindel das Länderspiel?

Genau diese Machtbesessenheit ist der Grund, warum der größte Sportverband der Welt seit der WM in der Kritik steht. Dass das Länderspiel gegen Peru auf alleinigen Wunsch von DFB-Präsident Reinhard Grindel von Frankfurt ins beschauliche Sinsheim verlegt wurde, wie der Spiegel berichtet, passt da ins Bild. Grindel befürchtete, dass Deutschlands Bewerbung für die EM 2024 da­runter leidet, wenn das Stadion in Frankfurt mit über 50 000 Plätzen nicht ausverkauft ist und die gefürchtete Frankfurter Ultra-Szene kurz vor Ende der Bewerbungsfrist gegen den Verband mobil macht. 

Lesen Sie zudem auch: Knalleffekt gegen Peru? Jetzt sollte die Offensive ins Rollen kommen  

Trotz der Einwände von Vizepräsident Koch und Generalsekretär Curtius warf Grindel die Reihenfolge der Austragungsorte mit ausgefahrenen Ellenbogen im Alleingang über den Haufen. Der Präsident weiß nicht erst seit dem WM-Aus, dass die Weiterführung seiner DFB-Karriere mit einer erfolgreichen Bewerbung steht oder fällt.

Sollte sich die UEFA am 27. September dafür entscheiden, die EM in sechs Jahren in Deutschland auszutragen, könnte Bierhoff und Grindel rascher ein Gegengewicht begegnen, als ihnen lieb ist: Philipp Lahm – zuletzt mit kritischen Aussagen bezüglich des Führungsstils von Löw und Bierhoffs Marketing-Strategie bereits auffällig um Profilschärfung bemüht – würde als Chef des Organisationskomitees dem DFB-Präsidium angehören.

Manuel Bonke

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