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Fußball-Streams – beliebt, aber illegal?

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Hoher Aufwand: Jedes Bundesligaspiel ist eine Inszenierung für die Bildschirme. Foto: Dpa © dpa

München - Livestreams von Fußballspielen, die nicht im TV gezeigt werden, erfreuen sich größter Beliebtheit, sind jedoch illegal. Sky Deutschland kämpft gegen die Kriminalitätswelle. Dem Nutzer zuhause kann kaum etwas passieren.

Letzter Bundesligaspieltag, und es ist noch ein bisschen Spannung. Mit dem Kampf gegen den Abstieg und um die internationalen Plätze. Wer freilich Konferenz oder sein bevorzugtes Duell 90 Minuten live zuhause im TV anschauen möchte, muss ein teures Abo bei Sky oder LIGA Total! abschließen – eigentlich. Doch Millionen von Deutsche nutzen seit einigen Jahren eine ganz andere Möglichkeit: Sie schauen sich über ausländische Internetseiten die Spiele einfach via illegalen Livestream an.

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"stream Bundesliga" wird stark gesucht

Keine Frage: Die Bildqualität dieser Angebote ist meist eher mangelhaft, teilweise stürzt die Übertragung sogar völlig ab. Doch weil die Anzahl der Anbieter, die diese Spiele gratis ins Netz stellen, nach wie vor stetig steigt, hat der Nutzer auch eine größere Auswahl – und die illegalen Dienste erfreuen sich höherer Beliebtheit. Zudem kostet das volle Fußballprogramm auf Sky pro Monat derzeit 30 Euro. Kein Wunder also, dass stattdessen viele Deutsche lieber auf die kostenlosen Streams zurückgreifen – schlechtere Qualität hin oder her. Schlüsselbegriffe wie „stream für Bundesliga“ und „champions league stream“ gehören zu den beliebtesten Suchbegriffen bei Google.

Die Rechtslage ist ungeklärt. Sofern sich der Nutzer kein zusätzliches Programm zum Anschauen herunterlädt, befindet er sich nämlich in einer rechtlichen Grauzone, sagen zumindest Medienfachanwälte. Selbstverständlich weiß jeder, dass diese Angebote illegal sind, doch kaum jemand befürchtet, strafrechtlich verfolgt zu werden.

Streams im Brower sind legal

„Streams, die direkt im Browser angezeigt werden, stellen in der Regel keine dauerhafte Kopie auf dem Rechner des Nutzers her“, erläutert Rechtsanwalt Christian Solmecke von „Wilde Beuger Solmecke – Kanzlei für Medienrecht“ die derzeitige Situation. „Das Videomaterial wird nur flüchtig im Zwischenspeicher gelagert. Daher greift nach unserer Einschätzung die Ausnahmeregelung des Urheberrechtsgesetzes, wonach flüchtige Kopien zur Übertragung in Netzen nicht rechtswidrig sind. Dennoch sind auch solche Dienste nicht unbedenklich, da der Nutzer nicht sofort erkennt, ob nicht etwa doch dauerhafte Kopien auf seinem Rechner angefertigt werden.“

Unabhängig davon verfolgt Sky aber die Betrüger, die diesen Service anbieten und damit eindeutig rechtswidrig agieren. Durch den Kampf gegen die illegalen Angebote erhofft sich das Unternehmen allerdings nicht direkt eine höhere Anzahl an neuen Kunden. Es geht vielmehr um Gerechtigkeit. „Wir wollen vor allem gegen diese Verbrecher vorgehen, um unseren Kunden Exklusivität zu gewähren“, sagt Jörg Allgäuer, Vizepräsident der Sky-Unternehmenskommunikation.

Doch nach Meinung des Bezahlfernsehens existiert die von Medienanwälten genannte „Grauzone“ für die Nutzer gar nicht. „Auch die Nutzer der Streams fertigen unberechtigte Vervielfältigungen unseres Sendesignals an“, erklärt Allgäuer. „Die oft zitierten Privilegierungen der §§ 44 a und 53 UrhG sind in diesen Fällen nicht einschlägig. Die Anbieter selbst begehen in der Regel eine Straftat, die mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe geahndet werden kann.“ Doch so lange die rechtlichen Ansichten so weit auseinanderklaffen braucht der bloße Nutzer eher nichts zu befürchten.

Aufpassen muss der Verbraucher hingegen auf die wahrscheinlichen Virenattacken der illegalen Dienste auf seinen Rechner. Häufig öffnen sich beim Anschauen dieser Streams Werbeanzeigen. Klickt man anschließend auf eines dieser Angebote, kann es gut passieren, dass sich plötzlich im Hintergrund ein Downloadfenster öffnet und schädlichen Inhalt auf den eigenen Rechner herunterlädt.

Zwar gibt es immer mehr Seiten, die die illegalen Streams anbieten, doch Sky kann im Kampf gegen die Betrüger auch schon Erfolge vermelden. „Zum Beispiel wurde einer der Betreiber der Seite „stream4u.tv“ letztes Jahr durch ein Amtsgericht wegen der illegalen Verbreitung unserer Sendesignale rechtskräftig verurteilt, und wir bereiten jetzt den Schadenersatzprozess vor“, erzählt Allgäuer. „Man muss auch bedenken, dass ein strafrechtliches Verfahren – von den polizeilichen Ermittlungen bis zum Abschluss durch eine Verurteilung – mehrere Monate, wenn nicht sogar Jahre in Anspruch nimmt.“

Einen legalen Weg schlug hingegen der österreichische Internetsender „laola1.tv“ ein. Hier kann man auf erlaubterweise Spiele der spanischen Primera Division live und in guter Qualität kostenfrei verfolgen. Der Anbieter lässt nach Aufruf des Streams einen Werbespot ablaufen – bei guter Bildqualität und Kostenfreiheit des Angebots in Kauf zu nehmen. 

UPDATE vom 8. Januar 2014: Im Zusammenhang mit der Abmahn-Welle für Porno-Konsumenten hat das Justizministerium Anfang Januar gegenüber "Spiegel Online" erklärt, dass es Streaming für unbedenklich hält. Konkret schrieb das Justizministerium an die Redaktion des Magazins, dass die Regierung "das reine Betrachten eines Videostreams nicht für eine Urheberrechtsverletzung" halte. Auf eine entscheidende Einschränkung wird jedoch hingewiesen: Eine höchstrichterliche Entscheidung liegt dazu noch nicht vor.

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Welche Angebote legal im Internet gesehen werden können, erfahren Sie hier.

Von Florian Gress

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