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Bauarbeiter arbeiten auf einer Baustelle in Doha. In Katar soll die Fußballweltmeisterschaft 2022 stattfinden.

Keine Rechte für ausländische Arbeiter

Kafala-Reform in Katar auf Ende 2016 verschoben?

Doha - Katars Regierung spielt rund sechs Jahre vor der Fußball-WM 2022 im eigenen Land bei der Reform ihres international kritisierten Kafala-Systems offenbar auf Zeit.

Einem Bericht der regierungsfreundlichen Zeitung Al-Sharq zufolge sollen Gesetzesänderungen zugunsten momentan weitgehend entrechteter Arbeiter aus dem Ausland erst Ende 2016 in Kraft treten. Im vergangenen Sommer hatte Katar Verbesserungen für ausländische Arbeiter, deren Situation im Wüstenstaat Menschenrechts-Organisationen erst zuletzt wieder angeprangerten, noch für das ausklingende Jahr angekündigt.

Die Gesetzesnovelle sieht laut Al-Sharq neue „Maßnahmen zur Regelung der Einreise, des Aufenthaltes, der Ausreise und der Arbeitgeberwechsel von ausländischen Arbeitnehmern“ vor. Dazu soll auch die Möglichkeit gehören, eine gewünschte Ausreise immerhin mit nur noch 72 Stunden Vorlauf beantragen und im Falle einer Ablehnung auch Einspruch einlegen zu können. Als konkreten Termin für die Einführung der Reform nannte das Blatt den 14. Dezember kommenden Jahres.

Katars Kafala-System steht international seit Jahren wegen der faktischen Entrechtung ausländischer Arbeitskräfte im Kreuzfeuer der Kritik. In den vergangenen Jahren sorgten Enthüllungen über mehrere hundert Todesfälle auf WM-Baustellen durch die erzwungene Schwerstarbeit unter unwürdigsten Bedingungen weltweit nicht nur bei Menschenrechts-Organisationen und Arbeiter-Vereinigungen für Empörung.

Aufgrund des internationalen Drucks hatte Katars Staatsführung in der ersten Jahreshälfte die Abschaffung des Kafala-Systems bis Ende 2015 versprochen. Eine als erste Verbesserung angekündigte Steuerung der Lohnzahlungen auf elektronischem Weg musste das Arbeitsministerium jedoch schon verschieben.

Die Menschenrechts-Situation im Land ist für Katar in seiner Rolle als künftiger WM-Gastgeber eines von zwei massiven Problemen. Grundsätzlich steht außerdem weiter in Zweifel, ob die Katarer 2010 den Zuschlag für die Ausrichtung der übernächsten WM-Endrunde ohne Zahlung von Bestechungsgeldern oder andere Manipulationen erhalten haben.

Der Fußball-Weltverband FIFA hat im Zuge der Forderungen nach einem Entzug der WM-Gastgeberrolle für Katar mehrfach auf Zusicherungen von Verbesserungen der Menschenrechte und der Arbeitsbedingungen in dem Wüstenstaat durch die Landesregierung hingewiesen. Spürbar größeren Druck auf ihren WM-Partner hat die FIFA bislang nicht ausgeübt.

SID

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