1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Scholl: „18 Systeme rückwärts furzen“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Günter Klein

Kommentare

null
Mal wieder Klartext: Mehmet Scholl. © imago

In einer Radiosendung, in der es eigentlich um Musik geht, spricht der Ex-Bayern-Star über die Trainerausbildung in Deutschland. Er nennt sie „Gehirnwäsche-Seminar“.

München – „Laptoptrainer“ – wer hat diesen schönen Begriff, in dem so vieles und auch ein Stück Verächtlichkeit steckt, eigentlich erfunden? Mehmet Scholl war’s. In einem Interview mit dem „Spiegel“ erklärte er vor gut zwei Jahren sein Unbehagen mit einer neuen Generation von Trainern, denen, wie er meinte, die gelebte Erfahrung als Profispieler fehlt.

Fünf Seiten lang war das Interview damals, „aber eigentlich immer noch zu kurz“, wie Scholl sagte. Um seine Position darzulegen, hätte er noch mehr Platz gebraucht. Es war der Eindruck entstanden, er hätte es nicht so sehr mit Taktik. Stimmt aber nicht: Scholl findet nur, dass andere Aspekte wichtiger seien. Vor allem: Wie ein Trainer die Mannschaft menschlich führt.

Als ARD-Experte hat er – nach einem Streit um die Themensetzung in der Confederations-Cup-Berichterstattung – aufgehört. Eine Bühne ist ihm aber noch geblieben: Bayern2, das Radioprogramm, in dem er über Musik spricht, seine Entdeckungen vorstellt. Am Sonntagabend war wieder ein „Nachtmix“ mit Mehmet Scholl – und da hat er das Thema der neuen Trainer wieder aufgegriffen. Es wurde deftiger Klartext.

Scholl sagte: Trainer wie Domenico Tedesco (Schalke) und Hannes Wolf (Stuttgart) an der Spitze seien ja okay, aber sie stünden für einen Typus, der „nicht wirklich an den Menschen und den Fußballern interessiert“ sei. „Sie gehen jetzt in den Nachwuchs, diese ganzen Trainer, weil oben die Plätze begrenzt sind.“ Die Arbeit, die an der Basis geleistet wird, schätzt Scholl nicht: „Die Kinder dürfen sich nicht mehr im Dribbling probieren, sie kriegen nicht mehr die richtigen Hinweise, warum ein Pass nicht gelingt, warum ein Dribbling nicht gelingt, warum ein Zweikampf verloren wurde. Stattdessen können sie 18 Systeme rückwärts laufen und furzen.“ Was er auch auszumachen glaubt: Unbequeme Spieler oder „Machtmenschen wie Stefan Effenberg“ werden aussortiert: „Oben kommt an eine weichgespülte Masse, die erfolgreich sein, aber niemals das Große gewinnen wird“.

Scholl hat versucht, auf DFB-Chefausbilder Frank Wormuth Einfluss zu nehmen. Ist wohl nicht geglückt. Seine eigene Ausbildung beim DFB empfand er als „Gehirnwäsche-Seminar“.

Auch interessant

Kommentare