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Huub Stevens im Interview vor der Partie Deutschland gegen die Niederlande. 

Deutschland gegen Holland

Vor DFB-Klassiker gegen die Niederlande: Huub Stevens spricht von „Katastrophe“

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Am Samstag stehen sich die DFB-Elf und die niederländische Mannschaft gegenüber. Huub Stevens findet die Nations League jedoch eine „Katastrophe“.

München - Niederlande gegen Deutschland - der Klassiker der Vergangenheit kommt in der Nations League zur Neuauflage. In der tz schätzt ein niederländischer Trainer die Lage vor der Partie ein: Huub Stevens. Als Spieler war er 18-mal für die niederländische Nationalmannschaft aktiv. 1993 startete er seine Trainerkarriere - am längsten arbeitete er auf Schalke.

Herr Stevens, ist Deutschland - Niederlande überhaupt noch ein Klassiker?

Stevens: Die Partie war schon mal attraktiver, soviel steht fest. Das hat vor allem mit der niederländischen Mannschaft zu tun, die aktuell eine Art Neuanfang durchmacht. Wir haben ein junges, talentiertes Team, das jedoch erst wieder Anschluss finden muss zu den Spitzennationen. Das braucht Zeit, mindestens zwei Jahre. Das Team ist noch am Anfang, befindet sich aber auf dem richtigen Weg. Das sieht man an den Ergebnissen von PSV und Ajax, das erst vor Kurzem in der Allianz Arena richtig stark aufgespielt hat. Hier muss man ansetzen.

Oranje war weder bei der WM, noch bei der EM vertreten, die deutsche Mannschaft musste in Russland nach der Gruppenphase die Koffer packen.

Stevens: So schnell kann es im Fußball gehen. Fest steht: Die Niederlande werden noch Jahre brauchen, bis sie wieder zur Elite des Weltfußballs zählt. Die Deutschen haben es einfacher. Das Land ist flächenmäßig viel größer als die Niederlande - damit sind auch die Chancen größer, gute Kicker zu entdecken, die die ältere Generation beerbt. Klar, die WM war aus deutscher Sicht enttäuschend, aber genau diese Art von Rückschlägen macht sie doch noch stärker. Sie sind auf Revanche aus.

Wie macht sich Ronald Koeman an der Spitze der Nationalmannschaft?

Stevens: Er ist ein Siegertyp, der viel Erfahrung mit sich bringt und bei vielen Klubs gute Arbeit geleistet hat. Er ist auch mal gescheitert, in meinen Augen ist er aber der richtige Mann, um die Zukunft zu gestalten.

In der Nations League ist er mit einer 1:2-Niederlage gegen Frankreich gestartet.

Stevens: Wie gesagt, solche Resultate darf man nicht zu hoch hängen. Erstens haben wir gegen den Weltmeister verloren, zweitens befinden wir uns in einem Umbruch. Nachdem sich die ältere Generation um Robben, van Persie oder Sneijder verabschiedet hatte, klaffte ein großes Loch im Nationalteam, das man nicht von heute auf morgen stopfen kann. Vor zwei Jahren habe ich gesagt, dass noch vier Jahre vonnöten wären - heute sind es noch zwei. An Talenten wie Justin Kluivert oder Matthijs de Ligt sieht man aber, dass etwas nachkommt. Jetzt gilt es, ihnen das nötige Selbstvertrauen zu geben und sie an die  Hand zu nehmen.

Haben Sie das Prinzip hinter der Nations League eigentlich verstanden?

Stevens: Eine Katastrophe ist das, was sich die Funktionäre da wieder mal ausgedacht haben. Die Spieler kamen doch so schon nicht mehr zur Ruhe aufgrund der vielen Spiele, UEFA und FIFA ist das aber egal. Sie rufen immer wieder neue Wettbewerbe ins Leben, um noch mehr Geld zu machen. Und wer sind die Leidtragenden? Richtig: die Vereine! Ich bin hier komplett auf der Seite von Jürgen Klopp. Dass Joachim Löw das nicht versteht, ist mir auch klar, schließlich hat er noch nie einen Verein trainiert. Hätte er das, würde er die Nations League nicht verteidigen. Sie ist eine Gefahr für die Spieler, die ohnehin schon komplett überbelastet sind. Aber keine Bange, kommendes Jahr gibt es bestimmt wieder eine neue Liga.

Was denken Sie über den bisherigen Verlauf der Bundesliga?

Stevens: Dass die Bayern nach wie vor die beste Mannschaft sind. Die Kerbe ist da, klar. Aber wer sie kennt, der weiß, dass sie sich gerade in solchen Momenten wieder zusammenraufen und zeigen, was sie können.

Das ist auch Ihren Schalkern nach fünf Spieltagen ohne Punkt gelungen.

Stevens: Nach oben zu kommen, ist nicht einfach - aber oben zu bleiben, ist noch viel schwieriger. Unseren Spielern war eine gewisse Überheblichkeit anzumerken, die zu Leichtsinn auf dem Platz geführt hat. Aber auch hier gilt es, Ruhe zu bewahren und den Spielern Vertrauen zu vermitteln. Die vergangene Saison war großartig, allerdings hatten wir da keine internationalen Spiele und konnten uns vollends auf die Bundesliga konzentrieren.

Zuvor äußerte sich auch Erik ten Hag im Interview: „Da kommt ein neues Team auf Europa zu“

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