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„Lok Leipzig“

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Von: Günter Klein

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Unser Held des Bundesliga-Spieltags: eindeutig Rudi Völler.

Wir neigen für gewöhnlich dazu, ihn kritisch zu sehen. Weil er Leverkusen trotz guter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen nicht voranbringt. Und weil er nicht immer fair bleibt, wenn er Schiedsrichter-(Nicht)Entscheidungen bewertet. Rudi raunzt rum.

Diesmal aber: ein ganz anderer Völler. Verständig, gütig, souverän. Im Bundesligaspiel am Samstag waren zwei Elfmeter gegen seine Mannschaft gepfiffen und zudem gegen Bayer-Jungstar Henrichs ein Feldverweis ausgesprochen worden. Die unglücklichen Umstände eines 2:2. Leverkusen hätte also eigentlich 2:0 gewinnen können. Aber: Sportdirektor Völler fand alle Entscheidungen des Schiedsrichters richtig. Er lobte den Spielleiter sogar ausdrücklich. Keine Anklagen gegen finstere Mächte, gegen angebliche Videoverschwörer in Kölner Kellern.

So mögen wir unseren Rudi. Noch mehr jedoch dafür, wie es in seinem Statement zum Spiel weiterging. Er musste ja auch benennen, gegen wen Leverkusen gespielt hatte, und vor den Kameras des ZDF sagte Rudi Völler doch tatsächlich: „Gegen Lok Lei . . . gegen Leipzig.“

Großartig, inmitten der Diskussionen um den modernen Fußball mit all seinen Auswüchsen diesen nostalgischen Ausflug zu unternehmen. Lok Leipzig! Mit dieser „Marke“ ist Völler, Jahrgang 1960, aufgewachsen. Das Bild Leipzig = Lok Leipzig hat Jahrzehnte überdauert, man möchte Völler dafür vor Rührung durch die grau gewordenen Locken (inzwischen Schnittlauchlocken) streichen.

Und die Leipziger Fans und die Marketingstrategen aus dem Hause Red Bull dürfen Rudi Völler für seinen Lok-Versprecher nicht böse sein. Sie müssen ihm innigst danken. Denn er ist der bisher einzige nicht bei Didi Mateschitz angestellte Fußballschaffende, der beim Konstrukt RB Leipzig den Standort Leipzig wahrnimmt und nicht die besitzende Firma in Salzburg (die erst nach Absagen aus Düsseldorf, Hamburg und München darauf kam, dem Osten Deutschlands was Gutes tun zu wollen). Für Völler setzen die Rasenballsportler einfach nur die Leipziger Fußballgeschichte fort. Die neben Lok die BSG Chemie prägte. Die erwähnt Rudi dann bitte beim Rückspiel.

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