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Nach Rücktritt wegen Ukraine-Kriegs: Deutscher Fußball-Trainer kritisiert Vorgänger und bleibt in Moskau

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Von: Patrick Mayer

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Der frühere deutsche Nationalspieler Marvin Compper erklärt seine Entscheidung, Trainer von Lokomotive Moskau zu bleiben. Sein Vorgänger war wegen des Russland-Ukraine-Kriegs zurückgetreten.

München/Moskau - In der Ukraine wütet Russlands Angriffskrieg und ein ehemaliger deutscher Nationalspieler ist Fußball-Trainer in Moskau. Die Rede ist von Marvin Compper. In der Fußball-Bundesliga spielte der Schwabe, der aus Tübingen stammt, einst für Borussia Mönchengladbach, 1899 Hoffenheim und RB Leipzig. In der russischen Premier Liga trainiert der 36-Jährige den Traditionsklub Lokomotive. Sein Vorgänger Markus Gisdol war wegen des Ukraine-Kriegs zurückgetreten - Compper aber blieb in der russischen Hauptstadt.

Trotz Russland-Ukraine-Kriegs: Marvin Compper bleibt Trainer von Lokomotive Moskau

Ein Rücktritt? Für den einstigen Abwehrspieler aus dem Ländle ist dieses Szenario offenbar kein Thema. „Ich kann die Irritationen bei vielen Menschen verstehen, wenn man sieht, wie die Medien dieses Thema behandeln. Sportlern wurde immer verboten, politische Statements abzugeben. Und plötzlich wird verlangt, dass ich zur politischen Situation etwas sage“, meinte Compper im Interview mit Sport1: „Das verstehe ich nicht. Warum soll ich mich jetzt instrumentalisieren lassen, um politische Statements zu geben?“

Warum soll ich mich jetzt instrumentalisieren lassen, um politische Statements zu geben?

Marvin Compper, deutscher Trainer von Lokomotive Moskau

Sein Verbleib in Moskau sei „auch kein Statement in eine andere Richtung. Ich halte mich aus der Politik komplett raus. Ich habe hier einen Job begonnen, der sich um unser Projekt, die Spieler und das Team drumherum dreht. Ich bin nicht der Einzige, der hierhergekommen ist“, sagte er und meinte weiter: „Ich bin ein Teamplayer, denke nicht nur an mich und renne nicht einfach davon, wenn Druck von außen kommt. Ich habe mir mit meinem Trainerteam viele Gedanken gemacht und überlegt, ob das moralisch vertretbar ist.“ Ein Fingerzeig in Richtung seines Vorgängers.

Wegen Russland-Ukraine-Kriegs: Markus Gisdol trat bei Lokomotive Moskau zurück

Der 52-jährige Schwabe Gisdol hatte seinen Rücktritt am 1. März mit eben solchen moralischen Bedenken begründet. Er erklärte seinerzeit der Bild und der Sport Bild: „Fußballtrainer ist für mich der schönste Job der Welt. Ich kann meiner Berufung aber nicht in einem Land nachgehen, dessen Staatsführer einen Angriffskrieg mitten in Europa verantwortet. Das geht mit meinen Werten nicht überein, deshalb bin ich mit sofortiger Wirkung von meinem Amt als Trainer von Lokomotive Moskau zurückgetreten. Ich kann nicht in Moskau auf dem Trainingsplatz stehen, die Spieler trainieren, Professionalität einfordern und ein paar Kilometer weiter werden Befehle erteilt, die großes Leid über ein gesamtes Volk bringen. Das ist meine persönliche Entscheidung und hiervon bin ich absolut überzeugt.“

Trainer von Lokomotive Moskau: Marvin Compper (li.).
Trainer von Lokomotive Moskau: Marvin Compper (li.). © IMAGO / SNA

Compper, der am 19. November 2008 in Berlin ein Länderspiel für Deutschland (1:2 gegen England) bestritt, übte wegen des Rücktritts nun Kritik an seinem ehemaligen Chef Gisdol, unter dem er zuvor Spielanalyst war. „Die Art und Weise verstehe ich auf gar keinen Fall. Das war eine Nacht- und Nebelaktion von Gisdol. Ich will aber nicht nachtreten, jeder muss so etwas für sich entscheiden“, sagte Compper Sport1 - und erklärte seinen eigenen Standpunkt.

Marvin Compper: Trainer von Lokomotive Moskau begründet Verbleib in Moskau

„Wir haben entschieden, zu bleiben, weil wir mit jungen Menschen zusammenarbeiten und nicht nur mit russischen, sondern mit kroatischen, polnischen und französischen Jungs. Ein Spieler aus Frankreich kam erst im Januar nach Moskau, weil wir ihn geholt haben. Jetzt einfach wegzulaufen, wäre diesem Jungen gegenüber nicht fair. Das entspricht auch nicht meinen Werte-Vorstellungen“, sagte er und erklärte: „Dass ich den Krieg verurteile, ist keine Frage. Darüber müssen wir nicht diskutieren. Der Job, das Projekt und unsere Vision, etwas voranzutreiben, hatten aber immer Priorität. Weglaufen und selbst verbrannte Erde zu hinterlassen, das entspricht nicht meinem Naturell.“ (pm)

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