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Selbst Mario Götze blüht wieder auf – die DFB-Spieler haben sichtlich Spaß an ihrem Beruf. 

Sieg gegen Tschechien: Alle Akteure auf Top-Niveau

DFB-Team: Spaß an der Arbeit

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Hamburg – Beim Sieg gegen Tschechien bringen nahezu alle DFB-Akteure Top-Leistung. An solchen Tagen kann der Gegner spielen, wie er will: „Es liegt immer nur an uns selber“, sagt Manuel Neuer.

Einmal, ein einziges Mal an diesem durchweg gelungenen Abend in Hamburg, leistete sich ein Spieler der deutschen Nationalelf eine Tollpatschigkeit. Es handelte sich ausgerechnet um Manuel Neuer, der weltweit ansonsten als eher weniger ungeschickt bekannt ist. Der Torwart kickte sich beim Versuch, den Ball für einen Abstoß zurechtzulegen, die Kugel selbst an die Nase. Da lachte das Publikum, doch das war ohnehin vergnügt. In der Spielstätte des Hamburger SV werden die Besucher schon seit geraumer Zeit verlässlich und unbarmherzig gequält. Dass sich die deutsche Nationalelf an diesem Ort quasi tollpatschigkeitsfrei ein lockeres 3:0 über Tschechien erspielte, lenkte von den Alltagssorgen der Hanseaten ab.

Mats Hummels meinte später dann auch gleich, dieses Spiel werde in seiner persönliche Bestenliste der Länderspiele ganz weit oben eingeordnet. „Das war sicher eines meiner Top-3-Heimländerspielerlebnisse“, sinnierte der Münchner, „vielleicht sogar noch höher. Der Funke ist super übergesprungen. Also, ich hatte heute richtig Spaß.“ Da war er nicht alleine. Mit Spaß bei der Arbeit, so wirkten alle DFB-Spieler, die ihr flüssiges Spiel mit den Treffern von Thomas Müller (2) und Toni Kroos krönten. „Das war eine tolle Leistung von jedem Einzelnen“, sagte Neuer, „so stellen wir uns das vor.“

Joachim Löw hatte sich einen guten Plan überlegt, um die tschechische Wundertüte auszukundschaften. Nach der EM gab es beim Gegner einen Umbruch, so richtig wusste man nicht, was auf die Deutschen zukommen würde. Die Gäste versuchten es dann mit einer unverhohlen offenen Ausrichtung, sie wollten es offensichtlich anders machen als die Norweger, die dem DFB-Team zum Start der WM-Qualifikation extrem tief stehend begegneten – und 0:3 abgefertigt wurden. Am Samstag wurden Löws Spieler nun früh attackiert, doch das Resultat blieb das gleiche.

Löw legte wert auf aufreizend weit vorn postierte Außen und erlaubte seinen Aufbauspielern diesmal die von ihm eigentlich eher weniger geschätzten langen Bälle. So wurden die Tschechen recht locker ausgehebelt. „Sie standen so hoch, das ist uns entgegengekommen“, sagte Jonas Hector, und der Bundestrainer freute sich über die gewünschten Lernziele: „Wir haben das im Training immer wieder simuliert, wie Tschechien in der Abwehr verteidigt.“ Sie würden sich „im Zentrum sehr zusammenziehen“, sagte der Chefcoach. „Wir wussten, dass wir mit Diagonalbällen hinter die Abwehr für Probleme sorgen können. Unsere Raumaufteilung war gut, die Außenverteidiger standen hoch. Das war bewusst so gemacht.“

Jedem Einzelnen habe man die Spielfreude angesehen, fand Neuer, und auch das ist eine Botschaft an all die, die eine gewisse Abnützungserscheinung unter Löw vermuten wollen. Das Spiel in Hamburg erzählte da eine ganz andere Geschichte; nämlich die eines Bundestrainers mit Ideen und eines Teams, das sich mit Hingabe den neuen Herausforderungen stellt, obwohl ihr alter Coach das Sagen hat. Nach 60 Minuten hatten sich die Tschechen totgelaufen, analysierte Löw. Es hätte am Ende sogar noch etwas höher ausgehen können, doch Benedikt Höwedes vergab die Möglichkeit dazu.

Ganz nebenbei entschärfte die DFB-Auswahl am Samstag auch die Kritik, sie habe in der Offensive ein Problem. „Haben wir heute Riesenchancen vergeben?“, fragte Hummels nach dem Abpfiff. „Ja, gut, durch Benni am Ende, aber Toreschießen ist ja nicht seine Aufgabe.“ Tatsächlich ließ sich gegen die Tschechien kaum ein Vorwurf konstruieren. Die Angriffe wurden klug, variantenreich und phantasievoll inszeniert, wobei sich alle verdient machten; von den zentralen Passgebern Toni Kroos und Mesut Özil bis hin zu den flinken Außen Joshua Kimmich und Hector, die jeweils ein Tor auf den Weg brachten.

Am Dienstag steht nun der zweite Teil dieser WM-Qualifikationswoche an. Nordirland ist schon wieder eine Wundertüte. Bei der EM haben sie sich tapfer geschlagen, San Marino besiegten sie am Wochenende standesgemäß mit 4:0 – doch große Namen haben sie nicht in ihren Reihen. Bedauernswert sind sie ein wenig, weil sie ein fast unlösbares Problem zu lösen haben. Norwegen und Tschechien lieferten ihnen zwei Blaupausen, wie man gegen die deutsche Nationalelf antreten kann. Nur kann man sowohl die destruktive wie die forsche eigentlich verwerfen. „Es liegt immer alles nut an uns selber“, sagte Neuer. Und auf Tollpatschigkeiten hoffen, ist auch kein Mittel.

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