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Die deutschen Spielerfrauen werden uns auch bei der anstehenden EM erfreuen

So ticken sie, so sehen sie aus

Ungeschminkt: Die Wahrheit über Spielerfrauen

München - Wie ticken die schönen Spielerfrauen wirklich? Sogar die Wissenschaft hat sich damit beschäftigt. Wir sagen Ihnen die ungeschminkte Wahrheit hinter dem Phänomen und erzählen dessen Geschichte.

So etwas wie 1974, das ist klar, wird dem Deutschen Fußball-Bund nie mehr passieren: Dass er seine Champions vergrätzt.

Weltmeister waren die Deutschen geworden vor 38 Jahren, das musste gefeiert werden. Unter Männern. Für die Gattinnen der Spieler gab es keinen Zutritt zum Bankett. Die Folge war: Stunden nach ihrem größten Triumph erklärten Gerd Müller und Paul Breitner ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft.

Sollte die deutsche Elf 2012 Europameister werden, steht es außer Frage: Gefeiert wird mit Anhang. Längst hat der Verband seine Ansichten liberalisiert. Spielerfrauen sind inzwischen nicht nur geduldet, ihre Anwesenheit ist sogar erwünscht. Während eines Turniers werden sie vom DFB-eigenen Reisebüro in einem Hotel nahe dem der Mannschaft untergebracht, der Bundestrainer gewährt reichlich Ausgang oder es gibt Familienpartys zwischen den Spielen – und im ersten Teil der Vorbereitung auf ein Großereignis à la WM/EM werden die besseren Hälften miteinbezogen. Das „Regenerationstrainingslager“, zu dem die Partnerinnen eingeladen werden, hat Jürgen Klinsmann 2006 eingeführt – und Joachim Löw hat es beibehalten.

Die Spielerfrau – ihr Einfluss wird anerkannt, sie ist zum öffentlichen Thema geworden. Doch das Image ist kein gutes, es regiert das Klischee: Eine Spielerfrau war meist Friseuse, Kosmetikerin oder Zahnarzthelferin und verbringt ihre Zeit mit Shoppen und dem Inanspruchnehmen von Dienstleistungen, die sie früher selbst verrichtete.

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Dabei, so findet die Journalistin Christine Eisenbeis, würde man nur wenige Spielerfrauen kennen. Etwa ein Prozent.

Christine Eisenbeis, 33, hat ein Buch geschrieben, ein ziemlich gutes: „Im nächsten Leben werd’ ich Spielerfrau – Ein Phänomen wird abgeschminkt“ (Verlag Die Werkstatt). Sie hat Spielerfrauen getroffen, die nicht dem Typus entsprechen, die studieren, sich aufopferungsvoll sozial engagieren oder einfach einen Mann lieben gelernt haben, als noch gar nicht absehbar war, dass er sich der Öffentlichkeit gegenüber einmal als Fußballstar definieren würde. Aber klar: Es gibt auch die, für die der prominente Mann ein guter Fang ist – weil er den eigenen Aufstieg ermöglicht.

Die schönsten Spielerfrauen der Welt

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Wahrgenommen wurden Frauen mit Einfluss vor allem in den 80er- und 90er-Jahren. Gaby Schuster, Angela Häßler, Bianca Illgner und Martina Effenberg lenkten die Karrieren ihrer Männer, sie waren Managerinnen. Man begegnete ihnen mit Argwohn – so wie in den 50er-Jahren Italia Walter, Gattin von Fritz Walter. Als „Glamourgirl“ ihrer Zeit beschreibt Christine Eisenbeis die Frau, die ins Leben des Mannes trat, der für Bodenständigkeit und Berechenbarkeit stand. „Rote Stiefel, schwarzer Mantel, Lackgürtel“ waren die ruchbaren Insignien von Italia, die – schlimmer geht’s nicht – aus Paris stammte.

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In einem Interview zu seinem 80. Geburtstag erinnerte sich Fritz Walter an die Vorbehalte seines Umfelds gegen Italia: „Unn koche konn se ach ned, die schwarz’s Hex...Die haben damals gedacht, die macht den in vier Wochen im Bett kaputt, der spielt nimmt lang Fußball.“

Dabei war es Italia Walter, die Fritz davon abbrachte, 1952 mit Fußball aufzuhören, und die erfolgreich eine Wäscherei (in der sie selbst anpackte) und ein Kino führte. Sie blieben zusammen und starben kurz nacheinander (2001/02).

Die managenden Spielerfrauen kommen heute nicht mehr vor. Die Branche der Berater ist so professionell geworden, dass jeder Spieler sich bestens vertreten lassen kann. Dafür kam schwer auf: das „Pin-up-Girl“. Und die „Stilikone“.

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Das (Ex-)Model als Spielerfrau – keine Seltenheit mehr. Und so zu erklären, wie Christine Eisenbeis schreibt: „Früher hatten Fußballer den Ruf, einfach gestrickte Proleten zu sein. Die Verbindung von Models und Fußballern scheiterte, weil die meisten Fußballer in den 70er- und 80er-Jahren schlicht und ergreifend nicht sexy genug waren... Heute sind Fußballer selbst Popstars. Deswegen treffen sie auch Models: Man ist auf denselben Partys unterwegs, zu denselben Charity-Events geladen, man sieht sich bei der Bambi-Verleihung oder läuft sich beim Deutschen Fernsehpreis über den Weg.“

Noch viel bekannter sind Spielerfrauen in England. Bei der WM 2006 wurde der Begriff der „Wags“ (Wives and girlfriends) geprägt, die Gruppe wurde angeführt von Victoria Beckham (Ex-Spice Girl) und Coleen Rooney, die längst eine eigene Karriere im Bereich Mode und Reality-TV gemacht und ein Vermögen von zehn Millionen Euro erwirtschaftet hat. Das Phänomen „Wags“ wird sogar in einer Doktor-Arbeit beleuchtet.

Eine Umfrage unter 10-jährigen englischen Mädchen kam zum Resultat, dass ein Viertel von ihnen einmal Spielerfrau werden will, im Fernsehen sind die Serien „Footballers’ wives“ und „Wags Boutique“ erfolgreich, ein Student führte eine Internet-Vermittlungsbörse für Fußballer und potenzielle Partnerinnen.

So durchgedreht ist Deutschland noch nicht. Es gibt ein paar Facebook-Gruppen (wie „Scheiß auf Schule – ich werde Spielerfrau“) und eine Spielerfrauen-Vereinigung „QueensUnited“, initiiert unter anderen von Karolin Knorn, der Freundin von Ex-1860-Spieler Fabian Lamotte. Doch bei diesem Netzwerk geht es nicht um Selbstdarstellung, sondern um die Bewältigung von Alltagsproblemen, die Frauen haben, die mit Fußballern zusammen sind – und es geht um Ausbildung und sinnvolles Engagement. Man wolle „kein Tussenklub“ sein.

Manche Spielerfrauen mögen Tussis sein – doch viele sind offensichtlich ganz normale Frauen. 

Zitate über und von Spielerfrauen

Spielerfrauen brauchen literweise Schminke, Spielerfrauen machen immer Winke Winke, Spielerfrauen wechseln sich oft aus, Spielerfrauen kratzen Spielerfrauenaugen aus.“

Popgruppe „Basta“

Ich brauche keinen Butler, ich habe eine junge Frau.

Thomas Doll, Ex-Spieler, Trainer

Zwei X-Chromosomen, eine Sonnenbrille.

Harald Schmidt, TV-Satiriker

Die Mehrzahl war einfach nur hohl, aber dafür bis in die Haarspitzen gestylt.

Bianca Illgner, selbst Spielerfrau

Ich schätze, jede Dritte hat es zuallererst auf den Star abgesehen, der auch sie ein wenig zum Star werden lässt.

Udo Lattek, Trainerlegende

Die Frau macht den Mann.

Fritz Walter, Weltmeister 1954

Die Gastfreundschaft der türkischen Frauen ist groß, man spürt die Kultur deutlich. Aber die Klischees erfüllen sie auch. Ständig shoppen, alles an ihnen ist Gucci.

Fee Maria Fink, Spielerfrau

Victoria Beckham ist der Tod des Fußballs.

Uli Hoeneß, FC-Bayern-Präsident

Sie hat mit harten Bandagen gekämpft und wusste, was sie wollte. Frau Schuster hat uns Kopfschmerzen bereitet, wie es heute kein Spielerberater schafft.“

Reiner Calmund, Ex-Manager, über Spielerfrau Gaby Schuster

Von finanziellen Dingen mag sie ja Ahnung haben, Aber im Fußball sollte sie nicht mitreden. Da gehört die Frau an den Herd.

Peter Pacult, Trainer, über Angela Hässler

Das Klischee lautet: ,Wir haben alle lange Haare, unsere Hauptbeschäftigung ist das Shoppen von großen Sonnenbrillen und Handtaschen, und wir fahren alle einen Allrad-Geländewagen.’ Was soll ich sagen? Ich bin kurzhaarig, arbeite und fahre einen Mini.“

Silvie van der Vaart, Spielerfrau und TV-Moderatorin

Die Frauen leben in großen Häusern irgendwo auf dem Land, weit weg von ihrer Familie und ihren Freunden. Sie können mit niemandem über ihre Probleme sprechen, weil sie nicht jedem über den Weg trauen können, denn viele haben Angst davor, dass das, was sie erzählen, an die Presse geht. Ihre Männer sind viel unterwegs, sie trainieren oder haben zweimal die Woche Spiele im ganzen Land. Dieses Leben kann sehr einsam sein.

Lizzie Cundy, Ex-Spielerfrau in England (FC Chelsea)

Ich kenne Frauen, die ihren Arbeitsplatz verlassen haben und neu starteten. Das ist sehr schwer, weil Hilfe und Kontakte fehlen. Es kommt auch auf die Region an. Die Arbeitsmärkte sind sehr unterschiedlich. Manche Frauen haben keine Chance, eine Stelle zu finden, wenn der Ehemann Fußballprofi ist.

Britta Mohr, Umzugshelferin für Fussballprofis

Ich wäre am liebsten Spielerfrau, da hätte ich keine Sorgen.

Murat Yakin, Ex-Spieler, Trainer

Es kann sich ziemlich beschissen anfühlen, dieses Leben.

Ivana Schildenfeld, Spielerfrau aus Kroatien

Ich kenne so viele normale Spielerfrauen. Alle möglichen Frauen. Dicke, dünne, nicht besonders hübsche, sehr hübsche.

Ivana Schildenfeld

Vorher war ich ein eigenständiger Mensch, der gut verdient hatte. Man wird entpersonalisiert, hat keinen Beruf und kein eigenes Geld mehr. Mir fiel es extrem schwer, das Geld meines Mannes auszugeben.

Dagmar Thiam, Ex-Spielerfrau

6 Fragen an Christine Eisenbein

Die Saarländerin ist Autorin des Buches „Im nächsten Leben werd’ ich Spielerfrau“.

Hatten auch Sie Spielerfrauen-Klischees, die während Ihrer Arbeit am Buch widerlegt wurden?

Die Autorin Christine Eisenbeis Foto: dapd/"Verlag Die Werkstatt"!

Es ist nicht so, dass ich nach den Treffen mit den Frauen total überrascht gewesen wäre. Mein Bruder war im Hochleistungssport, Bekannte von mir ebenfalls – ich hatte also eine Vorstellung, was die Partnerinnen da oft mitmachen müssen. 1500 Profifußballer-Frauen gibt es in Deutschland – und es ist unmöglich, dass die alle nicht dicht sind.

Den meisten Frauen begegnen Sie mit Sympathie. Einer wie Claudia Effenberg, frühere Strunz, weniger.

Ich kenne Claudia Effenberg nicht persönlich, nur als Medienfigur. Sie muss sich, wenn sie so an die Öffentlichkeit geht, bewusst sein, was sie für eine Wirkung erzielt. Die Spielerfrauen, die ich sprach, wollen mit ihr jedenfalls nicht verglichen werden.

Sie loben dafür Victoria Beckham: Hat sich kleiner gemacht, um den Partner größer werden zu lassen.

Das machen ja viele Frauen. Sie hat das wahrscheinlich auch nicht beabsichtigt. Zu Beginn der Beziehung war sie bekannter, das weltberühmte Spice Girl. Sie hat David Beckham erst zur Medienfigur gemacht – und viel für die Entwicklung des Fußballs getan. Durch sie interessieren sich Frauen für Fußball und werden Fußballer von Calvin Klein und Giorgio Armani ausgestattet.

Was macht Fußballer so begehrlich? Nur das Geld?

Man kann einen Menschen wegen seines Verhaltens attraktiv finden, wegen sozialer Merkmale, wegen Äußerlichkeiten – oder weil einer, wie ein Fußballer, etwas besonders gut kann. Es gibt ja auch Frauen, die stehen auf Ärzte. Bei einer längerfristigen Beziehung ist sicher auch Liebe im Spiel.

Ist es nicht das Los der Spielerfrauen, betrogen zu werden?

Ich will nicht behaupten, dass Fußballer öfter fremd gehen, doch sie bekommen extrem viele Angebote. Das wissen die Frauen. Schwache Mäuschen können sie nicht sein.

Führen die meisten Spielerfrauen ein unspektakuläres Leben? Sie haben vielleicht dreimal im Jahr die Gelegenheit, im Mittelpunkt zu stehen. Die meisten wollen gar keine Öffentlichkeit

Von Günter Klein

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