„Muss ich jetzt Hochdeutsch reden?“ Musste er nicht, die Aktionäre verstanden Manni Schwabl auch so.
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„Muss ich jetzt Hochdeutsch reden?“ Musste er nicht, die Aktionäre verstanden Manni Schwabl auch so.

Bayerisches Buffet und Börsenpflichten

Paragraf 131 sorgt für skurrile Unterhaltung

  • Uli Kellner
    vonUli Kellner
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Die SpVgg Unterhaching lernt eine neue Welt kennen, das wird bei der ersten Aktionärsversammlung deutlich.  Präsident Schwabl bekennt: „Ich war nervöser als vor meinem ersten Länderspiel.“

Unterhaching– Männer mit Anzug und Krawatte warten auf ihren Auftritt, doch anfangs gilt die Aufmerksamkeit eher dem bayerischen Buffet, das hinten in der „Hachinga Halle“ aufgebaut ist. Hier und da steht auch schon ein Weißbier auf dem Tisch – ganz nach dem Geschmack von Manni Schwabl, der zur Begrüßung um kurz nach 11 Uhr sagt: „I woaß jetzt ned, ob i Hochdeutsch red’n muss oder Bairisch auch geht . . .“ Schwabl entscheidet sich „für einen Mix“, wie er sagt. Das Sakko, in das er sich zwängt, ist Zugeständnis genug. Aber dieser Donnerstag ist eben auch kein gewöhnlicher Tag in der Geschichte seiner SpVgg Unterhaching.

„Ordentliche Hauptversammlung der Fußball GmbH & Co. KGaA“, steht an der Wand über der Bühne – gewöhnungsbedürftig wie die neue Begriffswelt, die den Nachmittag prägt. 93,89 Prozent des Stammkapitals haben sich versammelt. In Menschen ausgedrückt: 260 von 2226 Einzelaktionäre. Und die lassen sich mit Zahlen berieseln, die nur die wenigsten einordnen können. Zwischendurch ist es immer wieder Schwabl, der daran erinnert, dass sich die SpVgg weiterhin als Fußballverein versteht. Zum Beispiel, als er vom letzten Drittligaspiel erzählt. Mit 0:1 lag Haching in Würzburg hinten, aber siehe da: „Am Ende hat doch noch der Aktionärsgott runtergeschaut.“ Haching siegte 2:1, „damit ich heute mal nicht die üblichen Fragen zur Rückrunde beantworten muss“.

Dafür wurden Schwabl und sein Aufsichtsrat mit Fragen konfrontiert, die jede AG gemäß 131 des Aktiengesetzes beantworten muss. Der zweite Redner ist hör- und sichtbar nicht aus Bayern. Gelbe Anglerhose in Warnfarben, Adiletten an den Füßen, Seemannsbart im Gesicht. Wilm Diedrich Müller, 61, heißt er, ein szenebekannter Groundhopper in der Welt des Kapitals. Man sagt, er halte Aktien von 400 Unternehmen, teilweise nur ein, zwei Stück. Sie dienen ihm als Eintrittskarte für Hauptversammlungen, um sich dort als skurriler Fan des BVB, junger Frauen („Ich freue mich darauf, in dem vor mir liegenden Lebensabschnitt möglichst viele Damen...“) und seines Möbelhauses zu gerieren – und gleich mal zur Nichtentlastung von Schwabl und Co. aufzurufen. „Ich bin unzufrieden, weil Ihre Fußballspieler nicht alle Spiele gewinnen“, ruft er. Und noch etwas passt ihm nicht: „Dass Sie nicht in der Lage sind, das kleinste Bisschen einer Dividende auszuschütten.“

Vorangegangen war ein Redner namens Paul Petzelberger, 26, der ein gigantisches Arsenal an Sachfragen abfeuerte. Warum die hohen Abschreibungen? Wie viele NLZ-Talente haben Förderverträge? In der Pause stellt er sich als professioneller Aktionärsvertreter vor, der für die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger spricht. „Ich hatte jetzt nicht den Auftrag, richtig Kontra zu geben, aber ich wollte schon mal nachhaken zu einigen Punkten“, begründet er seinen Auftritt.

Speziell der Block „Wortmeldungen“ ist es, der den Nachmittag in die Länge zieht, doch nach dreieinhalb Stunden sind sämtliche Fragen beantwortet – und nicht nur Herr Müller verlässt zufrieden die Hachinga Halle. „Ich finde, wir haben das professionell gelöst – auch mit einem Schuss Humor“, sagt Schwabl, als er sich am Ausgang postiert, stilecht mit einem Weißbier in der Hand. „Ganz ehrlich“, gibt er zu: „Ich war nervös wie vor meinem ersten Länderspiel.“

Sprach’s und eilte von dannen. Am Abend stand ja schon die nächste Versammlung auf dem Programm: Die Mitglieder tagten, wie üblich in der urigen Hachinger Alm. Aktien hin, Börse her – dort fühlt sich Schwabl mehr zu Hause. Dort ist er sicher vor den Wilm Müllers und Paul Petzelbergers dieser Welt.

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