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„Es gibt keinen Grund, vom Glauben an das Projekt Haching abzufallen. Im Gegenteil“: Hain, hier in Cadiz. 

Haching-Torjäger hat große Pläne

Stephan Hain: „So ein cooler Vertrag würde zu Haching passen“

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Stephan Hain will seine Karriere bei der SpVgg Unterhaching beenden - vorher hat er noch große Ziele. Im Interview spricht er über seinen flinken Kopf, Dankbarkeit und einen Liedwunsch zum Saisonende

Cadiz – Unterhaching versank vor dem Trainingslager in Cadiz im Schnee – Stephan Hain (30) ist nun wie seine Kollegen froh, dass in Spanien bessere Bedingungen herrschen. Beim Hallenfußball, dem Alternativprogramm in der ersten Woche der Rückrundenvorbereitung, konnte er zwar „ein paar Tore mehr machen. Aber wenn ich ehrlich bin, bräuchte ich Schnee eigentlich nur zu Weihnachten.“

Herr Hain, im ersten Jahr für Haching machten Sie 32 Tore, dann 18. Nun stehen Sie mit 13 Treffern an der Spitze der Torjäger in der Dritten Liga. In Augsburg und beim TSV 1860 waren Sie noch nicht der große Vollstrecker. Wie war das in der Jugend? Thomas Müller schoss mal 120 Tore in einer Saison . . .

Also, so treffsicher wie er war ich nicht. Aber ich hatte jede Saison auch immer viele Tore auf meinem Konto. Die Trainer haben mich vorne reingestellt, weil ich für hinten etwas zu schmächtig und klein war. Ich sollte mich dann da irgendwie durchtricksen.

Ihr Trainer Claus Schromm sagt über Sie: „Hain bereitet dem Ball ein Nest.“

Das mit dem „Nest“ finde ich einen schönen Vergleich. Da ist schon etwas dran. Der Ball ist bei mir ganz gut aufgehoben, denke ich. Selbst robustere und größere Spieler hatten es schon immer schwer, mir die Kugel abzunehmen.

Torjäger haben das Toreschießen in der DNA, heißt es. Ist da auch was dran?

Ich denke, bei manchen sieht man einfach diesen berüchtigten Riecher. Es gibt Situationen, da frage ich mich selber, warum ich plötzlich richtig gestanden bin. Viel läuft über das Gespür für die Situation. Wobei man natürlich auch häufig umsonst lauert. Ich glaube, es ist eine Stärke von mir, dass ich vor dem Tor recht flink im Kopf bin und viel schon oft im Vorfeld einer Aktion antizipiere.

Ihr Präsident Manfred Schwabl sagt, Sie seien wie Gerd Müller. Als Bayer wissen Sie, was so ein Vergleich bedeutet . . .

Das ist eine unglaubliche Ehre. Wobei ich sicher nicht an Müller ranschnuppere, da lassen wir die Kirche im Dorf.

SpVgg Unterhaching: Auch Stahl und Bigalke packen mit an

Aber der „Bomber von Unterhaching“ ist auch was.

Ja, das stimmt. Ich freue mich sehr, dass ich mit meinen Toren helfen kann. Aber wie gesagt: Die Kirche bleibt schön im Dorf. Gerd Müller war natürlich ein ganz anderes Niveau. Er bleibt unerreicht.

Schwabl meinte dabei auch Ihr Auftreten neben dem Platz. Da war der Bomber ebenfalls stets bescheiden. Sie tragen noch immer die Koffer, als wären Sie neu im Team – warum? Kinderstube?

Ich bin da nicht der Einzige. Auch Dominik Stahl oder Sascha Bigalke packen mit an. Das ist Erziehung. Und auch ein Zeichen, dass sich in Unterhaching keiner jetzt über die Maßen wichtig fühlt.

Dabei haben Sie erst in der Hinrunde Francisco Copado als Hachinger Rekordtorschützen abgelöst.

Ja, aber deswegen muss ich ja nicht den dicken Max raushängen lassen. Der Erfolg der Mannschaft ist das Wichtigste. Es kommt meinem Naturell entgegen, dass in Haching keiner größer gemacht wird, als er ist. Gesucht und gefunden kann man sagen.

Sie würden Ihre Karriere gerne in Unterhaching beenden, sagten Sie neulich. Schwabl sagt, Sie könnten Ihre Laufzeit im neuen Vertrag selbst eintragen – also steht dem Ganzen ja nichts mehr im Wege.

Eigentlich nicht. Dass mit dem Karriereende in Haching habe ich auch nicht einfach so gesagt. Dazu stehe ich. Ich weiß, was ich an diesem Verein habe. Ich bin zuversichtlich, dass wir uns einigen.

Und welche Laufzeit schreiben Sie dann rein?

(lacht) Gute Frage. Ich würde gerne bis 35 spielen. Aber im Fußball ist es schwer zu sagen, wann der Zenit erreicht ist. Solange ich helfen kann, will ich noch spielen . . .

Stephan Hain über den Geist von Haching: „Es gilt hier noch, wenn man sich mit einem Handschlag einigt.“

. . . das könnte der ungewöhnlichste Vertrag der Fußballgeschichte werden, wenn bei der Laufzeit dann der Satz steht: „Solange ich helfen kann.“

(lacht) Ja, das ist vermutlich juristisch eher schwer umzusetzen. Aber ein bisschen zu Haching passen würde so ein cooler Vertrag schon. Es gilt hier ja noch, wenn man sich mit einem Handschlag einigt.

Und in dem Zeitraum die Zweite Liga zu erreichen wäre die Krönung.

Natürlich. Und wir haben ein gutes Gerüst, um dieses Ziel auch in den nächsten Jahren zu schaffen. Wir müssen nur unseren Weg weitergehen.

Schwabl würde Sie nach der Karriere auch gerne in den Verein einbinden – ist das für Sie verlockend?

Prinzipiell schon. Ich habe in Augsburg ein BWL-Studium angefangen und werde, wenn alles nach Plan läuft, heuer meinen Abschluss machen. Ein halbes Jahr habe ich auch ein Praktikum bei einem IT-Dienstleister gemacht – ich kann mir ehrlich gesagt jetzt einen Bürojob eher schwer vorstellen. So den ganzen Tag am Computer sitzen, es ist interessant, zu sehen, wie es im sogenannten wahren Leben zugeht und ich finde es wichtig, dass man sich umsieht in der Welt. Oft hilft es ja, herauszufinden, was man nicht machen möchte. Aber der Beruf sollte einem Spaß bereiten. Fußball ist meine Leidenschaft. Und wenn ich in dieser Branche bleiben kann, werde ich mir das anhören.

Sie haben einst gezögert, als Sie bei Haching auf Probe mittrainierten. Warum entschieden Sie sich dann doch für den Regionalligisten – war das Projekt da schon so erkennbar?

Ich bin kein Hellseher, und im Fußball ist vieles schwer, zu planen. Aber ich wusste, dass die handelnden Personen einen Plan haben. Was Manfred Schwabl und unser Trainer Claus Schromm auf die Beine stellen, ist wirklich außergewöhnlich. Ich habe damals angefangen, an das Projekt Haching zu glauben – und es gibt bis jetzt keinen Grund, von diesem Glauben abzufallen. Im Gegenteil.

Torjäger Stephan Hain: „‘Nie mehr Dritte Liga?‘ - Das wäre doch sensationell“

Schwabl sagt, Sie zu holen, war eine der besten Entscheidungen. Beruht das auf Gegenseitigkeit?

Auf jeden Fall. Ich hatte damals eine schwierige Zeit bei 1860 hinter mir, hatte drei Jahre kaum gespielt und war viel verletzt. Ich war verunsichert und habe mich hinterfragt, ob ich im Profifußball überhaupt noch einmal den Anschluss schaffe. Da waren viele Zweifel in mir. Die sind heute weg. Es war definitiv die beste Entscheidung, nach Unterhaching zu gehen. Ich genieße hier das Vertrauen, und wenn ich das nicht spüre, tue ich mich schwer, Leistung zu bringen. Ich bin Unterhaching sehr dankbar.

Sind Ihre Tore dann auch Tore aus Dankbarkeit?

Tore sind meine Aufgabe. Ich schieße sie jetzt nicht aus reiner Dankbarkeit. Aber sie sind Ausdruck dafür, dass ich mich bei dem Duo Schwabl/Schromm sehr wohlfühle.

Nach Ihren drei Treffern beim 5:4 gegen Jena standen Sie sogar beim FIFA 2018-Computerspiel in der Mannschaft der Woche – neben Raheem Sterling und Christian Eriksen. Cooler geht nicht . . .

Es wäre der ideale Zeitpunkt gewesen, aufzuhören (lacht). Es ist schon kurios, dass man da überhaupt mit einem Profil von mir spielen kann. Ich muss da schmunzeln.

Copado ließ sich einst einen silbernen Streifen ins Haar färben, um auf sich aufmerksam zu machen. Sowas ist Ihnen fremd. Aber Ihr Bart wird länger – sind Sie ein Wikinger?

Nein. Das hat nichts mit Wikingern zu tun und ist auch keine Wette nach dem Motto, dass er abkommt, wenn wir aufsteigen. Das werde ich oft gefragt. Ich dachte einfach, es schaut ganz gut aus – und gefährlicher. Ich lasse ihn jetzt mal weiterwachsen.

Die Fans sangen nach dem letzten Spieltag „Stephan Hain, Stephan Hain“ zur Melodie von „Jingle Bells“.

Das habe ich leider erst im Nachhinein erfahren. Aber das ist eine schöne Geschichte, die mich sehr gefreut hat.

Was sollen die Fans denn nach der Saison singen?

(überlegt) Es muss nichts extra über mich sein. Vielleicht „Nie mehr Dritte Liga“? Das wäre doch sensationell.

Auch interessant: Der Spezialist für Hachings Freiräume - warum Lucas Hufnagel so wichtig ist

Interview: Andreas Werner

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