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Die Kurve kämpft umihr Spiel

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Das Rad des Kommerzes, das alle so gut nährt, dürfte sich aber nur zurückdrehen lassen, wenn es nicht bei einer einmaligen Protestaktion bleibt. Ein Kommentar zum Stimmungsboykott der Fußballfans.

Es waren wieder mal skurrile Bilder, die am Wochenende die Sportsendungen bereicherten. Spieler, die nach dem Anstoß in den Minutenstreik treten. Fankurven, in denen sich akustisch wenig regt, optisch dafür umso mehr – es wurden jedenfalls etliche Meter Stoff mit Protestparolen vollgepinselt („Montags frei – auch in Liga 2 und 3“). Mancher TV-Zuschauer mag den Kopf geschüttelt haben ob des ganzen Wirbels, unmittelbar Betroffene reagierten jedoch angemessen bestürzt. „Es hat sich komisch angefühlt“, befand Markus Kauczinski, Trainer des FC St. Pauli. Chris Avevor, einer seiner Spieler, meinte: „Alles, was das Millerntor auszeichnet, war nicht da.“

Die Botschaft der Fans scheint also angekommen zu sein – zumindest bei den Hauptdarstellern, die ja nach Ansicht der Verbände noch immer zu wenig TV-Präsenz haben. Salami-Spieltage und Europacups mit ausgedehnten Einspielphasen waren ja nicht genug. Nein, es mussten auch noch Montagsspiele sein, die Nations League, eine WM mit 48 Mannschaften, jetzt auch noch ein dritter Clubwettbewerb der UEFA. Bald noch die Super League? Die Einschaltquoten mögen den gierigen Entscheidern Recht geben, doch der Blick für die Basis scheint beim Geldscheffeln in den Glaspalästen verloren gegangen zu sein. Wie sich der Fußball anfühlt, wenn in der Kurve keiner mehr schreit, singt, jubelt, war am Wochenende in den Stadien zu sehen – und es sollte den Verbänden zu denken geben, dass ein disperses Publikum das so gut organisiert bekommen hat. Ein lose vernetzter Verbund kann das nur hinkriegen, wenn die Wut schon sehr fortgeschritten sein muss.

Ob’s was bringt, ist allerdings zu bezweifeln. Gut, die Montagsspiele in der Bundesliga sollen abgeschafft werden – ein kleines Zugeständnis, immerhin. Das Rad des Kommerzes, das alle so gut nährt, dürfte sich aber nur zurückdrehen lassen, wenn es nicht bei einer einmaligen Protestaktion bleibt. Sondern, wenn die Hochglanzstadien öfter mal zu Demozwecken benutzt werden. Oder sie auf Dauer leer bleiben. Diese Bilder würden sich schnell verbreiten – auch auf den vielen Kanälen, die inzwischen vom Fußball leben.

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