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DFB trainiert schnelleres Denken

Tourrettes - Plötzlich waren auch Tennisbälle im Spiel. Die Spieler mussten sie hochwerfen und gleichzeitig einen Fußball treten. Training der etwas anderen Art, geleitet von „Effi“.

Effi, nicht Effe wie Stefan Effenberg. „Effi“ ist Efthimios Kompodietas, 47, ehemaliger Profi von Arminia Bielefeld, Betreiber der Firma „Brain Activity“. Bundestrainer Joachim Löw sagt: „Effi ist ein ausgesprochener Fachmann, der schon seit Jahren mit Bundesliga-Profimannschaften und auch Nationalspielern zusammenarbeitet. Er unterstützt uns in der EM-Vorbereitung durch ein ganzheitliches Training auf kinesiologischer Basis.“ Täglich 20 Minuten übernimmt Kompodietas das Kommando, er ruft „Rot“, „Blau“, „Mailand“, „Madrid“ – die Spieler müssen die entsprechenden Schritte machen, während sie Tennisbälle fangen. „Fitness für den Kopf“ überschreibt der DFB die Aktion.

Dass der DFB die Methoden der Kinesiologie berücksichtigt, ist eigentlich nichts Neues. Schon als Jürgen Klinsmann 2004 bei seinem Amtsantritt die berühmten Gummibänder herausholte, erkannten Experten, worum es ging. Dr. Werner Klingelhöffer, Orthopäde aus Bad Tölz, gilt als die Kapazität für Sportkinesiologie in Deutschland schlechthin, er entschlüsselte damals für unsere Zeitung, woher Klinsmanns Lehre kam, was sie bewirkt. Wichtig: Es geht im Leben immer um Balance. Fehler und Probleme entstehen meist aus Disbalancen.

Dr. Klingelhöffer freut sich nun, dass der DFB sich zur Kinesiologie bekennt (was all die Jahre unterblieben ist): „Joachim Löw setzt fort, was Klinsmann begonnen hat“, sagt er. Der Mediziner wundert sich jedoch auch ein bisschen: „Ich habe dem DFB schon vieles in dieser Richtung vorgeschlagen, es wurde immer alles abgelehnt.“

Kinesiologisches Wahrnehmungstraining sei wichtig im Fußball, sagt Klingelhöffer. „Wer schnellen One-touch-Fußball spielen will, der muss wissen, was er machen will, bevor er den Ball bekommt.“ Kinesiologisch geprägte Mannschaften seien Borussia Dortmund („Die Spieler nehmen auch den wahr, der hinter ihnen steht“), der VfB Stuttgart (er wurde diese Saison von Efthimios Kompodietas trainiert) sowie – das Aushängeschild – der FC Barcelona. Klingelhöffer: „Da wird kinesiologisches Training von kleinauf betrieben, um das schnelle Denken zu fördern. Daher spielt Barcelona den schönsten und lustigsten Fußball.“

Lustig? Ja, das sei der Idealfall. Klingelhöffer trainiert junge Fußballer, bei der SpVgg Unterhaching, bei Wacker Innsbruck, in Geretsried. „Ich habe das Gehirn belüftet“, sagt er nach Trainingseinheiten, die bei ihm auch körperlich fordernd sind: „Da sind die Spieler klatschnass. Aber sie lachen, das ist ein guter Indikator.“

Bei „Effi“ Kompodietas wird nicht gelacht. Die nach Werner Klingelhöffer benannte Methode setzt mehr bei der Körperlichkeit an, das von Kompodietas propagierte „Brain Gym“ geht davon aus, dass die Sportler athletisch bereits top ausgebildet sind, gearbeitet wird mehr mit dem Einzelnen als mit der Gruppe. Es wird der Nationalmannschaft was bringen, davon ist Dr. Klingelhöffer, der selbst Kinesiologie-Trainer ausbildet, überzeugt. Aber: „Man begibt sich mit dieser Methode auch auf dünnes Eis, weil sie irgendwann langweilig wird.“

Als Schulmediziner ist Klingelhöffer eine Rarität unter Kinesiologen. „Die Kinesiologie stammt aus der indianischen Wissenschaft, sie beruht auf der Beobachtung der Natur, sie korrespondiert mit der chinesischen Medizin.“ Entwickelt haben sich auch Methoden wie das weitverbreitete Programm „Life Kinetics“, dem etwa Skifahrer Felix Neureuther anhängt. Anbieter sind Nichtmediziner. Dr. Werner Klingelhöffer nennt als sein Credo: „Naturwissenschaftler bleiben, nicht in die Esoterik abdriften.“

Für die Nationalspieler ist das Training mit „Effi“ zumindest eine willkommene Abwechslung. Am Ende der Einheit applaudieren sie ihrem Teilzeit-Coach.

Von Günter Klein

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