Tsunami im Hachinger Biotop – Opfer Hasenhüttl

Unterhaching – Es sind Gerüchte, die schon lange die eigentlich so friedliche Wasseroberfläche des kleinen Biotops namens SpVgg Unterhaching kriseln lassen.

Anton Schrobenhauser, als Schatzmeister und Finanzier in Personalunion Hachings Hauptschlagader, ohne die der Klub nur wenige Überlebenschancen hätte, sei grantig.

Und dieser Grant soll in ihm langsam Putschgedanken geweckt haben. Er plane, so erzählte man es sich in der Vorortgemeinde, Engelbert Kupka als Präsident zu ersetzen und seinen Schwiegersohn Francisco Copado als Sportdirektor zu installieren. Manager Norbert Hartmann reagierte auf Anfrage unserer Zeitung entrüstet: „Das ist an den Haaren herbeigezogen. Ich bin mit Herrn Schrobenhauser nicht nur seit über 25 Jahren in diesem Verein, sondern wir sind auch befreundet – ein Putschversuch liegt ihm fern.“

Trainer Hasenhüttel entlassen

Es rumorte gestern am Sportpark hinter verschlossenen Türen, an einem Tag, an dem zunächst die Putschgerüchte öffentlich die Runde machten, später auch noch durchsickerte, die Lizenz für die neue Saison könnte in Gefahr geraten und schließlich Ralph Hasenhüttl als Chefcoach entlassen wurde. Er war das größte Opfer an einem Tag, der wirkte, als habe ein Tsunami Hachings heile Welt durcheinandergeschüttelt.

Gefeuert: Hachings Trainer  Ralph Hasenhüttl.

Für Hasenhüttl springt Co-Trainer Matthias Lust ein, zur Seite steht ihm Ralf Bucher als Teammanager. Man habe es bis zuletzt versucht, doch noch mit Hasenhüttl die Kurve zu bekommen, sagte Hartmann, „aber da war ein Negativ-Trend, dem mussten wir jetzt Einhalt gebieten“. Nicht nur sportlich, auch hinter den Kulissen wird dem Drittligisten eine Krise nachgesagt, doch nachdem Hartmann die Sache mit dem sogenannten Putschversuch relativierte („eine Frechheit, so einen Begriff mit einem Mann wie Schrobenhauser in Verbindung bringen“), gab er zudem noch Entwarnung in Sachen Lizenz-Vergabe.

„Unser Klub ist nicht auf Rosen gebettet, das ist bekannt, aber wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und seriös gearbeitet.“ Bis zum 1. März müssen die Unterlagen bei DFB und DFL vorliegen. Zuletzt war die Lizenzerteilung stets mit Auflagen verbunden, „die konnten wir aber immer erfüllen“, sagte Hartmann, „ich gehe davon aus, dass es diesmal wieder so sein wird“.

Dass sich Schrobenhauser zurückzieht – er stand mit seinem Vermögen bisher immer zur Absicherung im Hintergrund – sei kein Thema, versichert Hartmann. Auf der letzten Jahreshauptversammlung hatte der Mäzen zwar gefehlt, dies aber mit einem Auslandsaufenthalt entschuldigt. „Er hat sich etwas rar gemacht“, räumte der SpVgg-Manager ein, Grund dafür seien aber keine Verstimmungen.

Die Vorstellung, der Schatzmeister würde eine radikale Umbesetzung in der Klubführung vornehmen wollen, sei ungefähr so fragwürdig, „als würde einer Krieg im eigenen Verein führen“, sagte Hartmann. Eine gewisse Verstimmung ist allerdings schon vorhanden gewesen, als Hasenhüttl im letzten Winter Copado aus der Stammelf verbannte und der alternde Ex-Publikumsliebling am Ende glanzlos seinen Abschied genommen hat. Copado ist Schrobenhausers Schwiegersohn, er hat somit einen mächtigen Fürsprecher. Der Schatzmeister boxte einst auch Andy Brehme oder Werner Lorant als Trainer durch.

Wenn er ein Familienmitglied in die Führungsebene befördern möchte, wird man ihn schwer ausbremsen können. Zu der Causa Copado sagte Hartmann nur, ihm sei „zum jetzigen Zeitpunkt nichts bekannt“. Der Fokus ruhe auf dem Sport. Lust wird eine Chance wie Hasenhüttl haben, der als Co-Trainer aufrückte und sich als Chef empfahl. „Uwe Wolf ist kein Thema“, sagte Hartmann über den Ex-Löwen. „Es geht jetzt darum, Boden unter die Füße zu kriegen.“ Das ist nicht leicht nach einem Tsunami.

Andreas Werner

Rubriklistenbild: © sampics

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