Erste Erfahrungen mit dem Videobeweis

Videobeweis: Gerecht, aber nervig

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Irgendwann, in einem Länderspiel oder in einer Partie für Dortmund, Paris oder einen sonstigen Weltklub, wird Pierre-Emerick Aubameyang ein Tor schießen. Er ist schnell, auch im Jubellauf, der ihn zur Bank führt, wo er sich eine Batman- oder Sponsorenmaske abholt, sie sich überzieht und seine Auba-Show beginnt. Kann dann sein, dass das alles umsonst war und der Feldschiedsrichter nach Intervention des Videoschiedsrichters entscheidet: kein Tor.

Zeitlich ist solch ein Ablauf möglich, wie wir seit dem ersten Spieltag beim Confederations Cup wissen. Sowohl bei Portugal – Mexiko als auch bei Kamerun – Chile wurde das neue Mittel des spontanen Videobeweises angewandt. In vier Fällen. Und man kann nicht behaupten, dass es zügig vonstatten gegangen wäre. Wenn wir an die Erst-nicht-und-dann-doch-Anerkennung des 2:0 von Chile denken: Das war wie Urteil-Einspruch-Wiederaufnahmeverfahren-neue-Beweisaufnahme-Urteil. Ja eigentlich langwieriger als der Hoeneß-Prozess. Und so sollte es nicht sein.

Man muss sich ja wundern, wie schnell bei diesem Verfahren bereits die Serienreife verkündet worden ist. Wir erinnern uns noch gut, wie erst im November 2016 beim Freundschaftsspiel Italien – Deutschland ein „Semi-Livetest“ absolviert wurde. Marco van Basten für die FIFA, die innovativ sein, und Hellmuth Krug für die Schiedsrichtergarde, die gerecht sein will, hatten erklärt, wie weit die Entwicklung vorangeschritten sei. Es konnte der Eindruck gewonnen werden, dass mit Nachdruck daran gearbeitet wird, aber noch große Unsicherheit besteht, wie spezielle Situationen zu bewerten seien – etwa wenn das Spiel weiterläuft, ein Tor fällt – sich dann aber herausstellt, dass es auf der anderen Seite Elfmeter hätte geben müssen. Es war die Furcht zu spüren vor der Unberechenbarkeit des Fußballs und dass er immer wieder ein Szenario schafft, das nicht vorhersehbar war.

Das Testspiel im November in Mailand verlief gut. Es gab ein paar Eingriffe aus der Videozentrale, die den Schiedsrichter auf dem Rasen bestätigten, ihn stärkten. Das Publikum hat kaum was mitbekommen. Die Confed Cup-Spiele boten das gegenteilige Programm: teils komplizierte Millimeter-Entscheidungen, die nicht hopplahopp zu bewerten sind. Die Entscheidungen, die gefunden wurden, waren alle richtig, das Spiel dadurch gerechter. Aber es war halt auch nerviger.

Und was sich gezeigt hat: Niemals werden Fans aufhören zu diskutieren. Statt über die Schiedsrichter auf dem Platz dann halt über die im Videobunker.

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