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Zwei Männer, zwei Meinungen: Axel Doering (l.) und Rennleiter Heinz Mohr während der Umbauarbeiten an der Kandahar. Doering geißelt die Naturzerstörung dabei scharf.

Gezerre um die Bürger

Garmisch-Partenkirchen - Ist ein Bürgerentscheid zur Bewerbung um die Winterspiele 2018 jetzt noch zulässig? Der Bürgermeister meint: nein. Das Innenministerium hält sich mit seiner Einschätzung zurück.

Für Axel Doering steht fest: Über die Bewerbung von Garmisch-Partenkirchen mit München und Schönau/Königssee für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele müsse die Gemeinde „in jedem Fall die Bürger entscheiden lassen“. Das bekräftigte der Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz gestern bei einer Pressekonferenz seines Verbandes sowie des Vereins zum Schutz der Bergwelt im Münchner Unionsbräu. Sollte der Marktgemeinderat den CSU-Antrag auf ein Ratsbegehren ablehnen, erwartet der BN-Vertreter ein Bürgerbegehren, das zum Bürgerentscheid führen soll.

Für Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) kommt all das zu spät: Er hält diesen Antrag – rund zwei Jahre nach dem Grundsatz-Beschluss im Gemeinderat – für formell nicht zulässig. Trotzdem will er den Antrag in der Sitzung morgen behandeln. Schmid geht von einer Ablehnung aus.

Das Innenministerium kann zur Zulässigkeit keine Einschätzung geben. „Das muss das Landratsamt vor Ort machen“, sagte Ministeriumssprecher Oliver Platzer auf Anfrage. Dabei gebe es viele Parameter, etwa, wie viele vertragliche Bindungen die Gemeinde schon eingegangen sei und ob dadurch größerer Schaden entstehen würde. Platzer rechnet mit einer längeren Prüfung.

Die CSU-Fraktionsvorsitzende Elisabeth Koch bewegt die Frage der Zulässigkeit wenig. „Selbst wenn ein Bürgerentscheid unzulässig ist, ändert das nichts daran, dass die Menschen mitgenommen werden müssen.“ In dem Fall würde sie auf eine Bürgerbefragung dringen: „Wichtig ist, dass den Leuten das Recht gegeben wird, ihre Meinung zu sagen.“ Da hält Schmid einen Bürgerentscheid aber für den falschen Weg: „Der hat nie die Menschen mitgenommen, er spaltet.“ Es gebe nach wie vor viele offene Wunden von vergangenen Entscheiden.

Der Bund Naturschutz sowie der Verein zum Erhalt der Bergwelt (VzSB) lehnen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen völlig ab – und auch ihre Mitarbeit. Der VzSB zog sich aus der Fachkommission Umwelt zurück. „Wenn man die Natur zerstört, soll man sich dazu auch bekennen und nicht unter dem Etikett grüner Olympischer Winterspiele verstecken“, wetterte der BN-Landesvorsitzende Hubert Weiger. Der Stellvertretende Vorsitzende des VzSB, Christoph Himmighoffen, stieß ins gleiche Horn. Er brandmarkte wie der Vorsitzende Professor Michael Suda die „Erosion des Nachhaltigkeitsbegriffes“ und die Leitprojekte des Umweltschutz-Konzeptes: Viele davon würden ohnehin Gesetze vorschreiben. Sportliche Großveranstaltungen zu erreichen, um den Tourismus anzukurbeln, geißelte Himmighoffen als „Phantasielosigkeit“.

Mit Bildern von den Bauarbeiten für die Alpinen Ski-Weltmeisterschaften 2011 auf der Kandahar warnte Doering vor weiteren Eingriffen in die Natur. Scharf kritisierte er die geplanten Straßenbauprojekte mit dem Ausbau der B 2, der Umfahrung Oberau sowie Kramer- und dem Wanktunnel: „Das wird eine staubige, dreckige, schlimme Zeit für die Menschen dort.“ (matt)

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