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Aufholjagd nach Sturz: Thea Heim wird bei Deutscher Meisterschaft in Hamburg Fünfte

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Von: Wolfgang Stauner

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Daumen hoch: Der unverschuldete Sturz von Thea Heim ging glimpflich ab.
Daumen hoch: Der unverschuldete Sturz von Thea Heim ging glimpflich ab. © Talentteam ENF

Hamburg/Sachsenkam – Genau 31 Monaten nach der Deutschen Halbmarathon-Meisterschaft in Freiburg im März 2019 stand Thea Heim in Hamburg wieder an der Startlinie einer Deutschen Meisterschaft – erneut im Halbmarathon. „Es ist schön, wieder ein Toprennen zu haben. Es ist doch eine ganze andere Hausnummer als die bisherigen Läufe“, freute sich Heim auf den Vergleich mit der deutschen Elite.

Und es wurde ein wahrlich denkwürdiges Rennen: Nicht nur, dass es sowohl bei Männern als auch Frauen der schnellste Halbmarathon in der deutschen Leichtathletik-Geschichte war, auch Heim musste nach einem kapitalen Sturz all ihre Willenskraft zusammenraffen, um weiterzulaufen. Das Ziel erreichte sie schließlich als Fünfte. „Das war etwas zu viel Aufregung für meinen Geschmack“, resümierte Trainer Norman Feiler den turbulenten Wettkampf. „Leider ist’s so für Thea nur die Goldmedaille im Team und nicht ihre 26. DM-Einzelmedaille geworden.“ Denn als amtierende Vizemeisterin zählte die 29-jährige Sachsenkamerin, die für die LG Telis Finanz Regensburg startet, zu den Medaillenkandidatinnen.

Tritt in die Beine und Schubser bei 17 Stundenkilometern

Kurz nachdem der Startschuss die rund 1400 Teilnehmer auf die Strecke geschickt hatte, bildete sich ein Spitzenfeld aus einem Dutzend Frauen. Bereits nach kurzer Zeit setzte sich die Topfavoritin und Heims Regensburger Teamkollegin Miriam Dattke ab und gab die Führung bis zum Zielstrich nicht mehr ab. Heim rollte zunächst gut mit in dieser er Gruppe und fand schnell ihren Rhythmus. Doch nach drei Kilometern passierte das Malheur. In einer Rechtskurve bekam Heim einen Tritt von hinten in die Beine und einen Schubser. Bei über 17 Stundenkilometern schlug sie hart auf den Asphalt auf. „Es ging alles so schnell“, blickt die Läuferin auf die Schrecksekunde zurück. „Plötzlich spürte ich nur den schmerzhaften Aufprall. Ich bin zwar sofort aufgestanden, aber das rechte Bein, Ellbogen und Schulter waren aufgeschürft. Ich hab’ sogar kurz überlegt, ob es Sinn macht, weiter zu laufen. Aber es ging einigermaßen.“

Katja Fischer „menschlich fantastisch“

Dann kam eine Konkurrentin von hinten und bot ihre Hilfe an. „Das war unglaublich hilfsbereit und menschlich fantastisch“, so Heim, „während der Mann, der den Sturz verursacht hat, einfach weitergelaufen ist, half mir Katja ins Rennen zurück.“ Katja Fischer, selbst auf einem ähnlichen Leistungsniveau wie Heim, startet für den LAV Tübingen, und beide kannten sich bisher nicht persönlich. Nachdem Fischer der Sachsenkamerin geholfen hatte, einigermaßen Anschluss zu finden, ließ sie sich zurückfallen und beendete das Rennen letztlich als Elfte (1:16:17 h).

Heim war durch den Sturz auf den 13. Platz zurückgefallen und startete eine furiose Aufholjagd. Kilometer für Kilometer wurde sie schneller, und die letzten fünf Kilometer waren die schnellsten im gesamten Rennen. Dennoch reichte es nicht mehr zu einer Medaille. In 1:14:57 Stunden lief Heim die viertschnellste Zeit ihrer Karriere, was letztlich Platz fünf bedeutete, 30 Sekunden hinter Bronze (Hanna Gröber, Tübingen, 1:14:26 h). Alle blieben unter dem alten Streckenrekord von Sabrina Mockenhaupt.

Heim verteidigt DM-Titel mit dem Team

Kleines Trostpflaster für Sturz und verpasster Medaille: Zusammen mit der überlegenen Siegerin Miriam Dattke (1:09:59 h) und Franziska Stemmer (1:22:28 h) verteidigte Heim den Team-Titel von 2019. „Mit der Zeit bin ich sehr zufrieden. Wir hatten eher mit einer Eins-Fünfzehn oder -Sechzehn gerechnet nach den vielen Kilometern die letzten Wochen. Aber trotz Sturz eine Eins-Vierzehn zu laufen zeigt mir, dass wir Richtung Marathon gut im Soll liegen“, resümierte Heim mit ihrer Leistung. „Aber natürlich will ich bei einer Meisterschaft eine Medaille. Das ist mein Anspruch.“

Coach Norman Feiler teilte die Sicht seiner Athletin, war aber sehr zufrieden mit der Leistung: „Ich hoffe die Blessuren sind nur oberflächlich. Aber es war sehr schwer auf dem Topniveau nach dem Sturz wieder den Rhythmus und den Anschluss zu finden. Sie hat hier eine unglaublich starke mentale Leistung und Aufholjagd erbracht.“ Aber auch das Verhalten von Katja Fischer hat ihn sehr beeindruckt: „Das fand ich sehr nobel und fair. Das habe ich noch nie erlebt in diesem Bereich. Ohne sie wäre es schwer für Thea geworden.“

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