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Paarlauf mit dem Einrad: Emma und Marius Jaroschek fahren seit vier Jahren auf dem kippeligen Sportgerät und beherrschen es schon fast perfekt.

Ein Balance-Akt der besonderen Art: Mit Technik und Geduld auf dem Einrad

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Die Lenggrieser Geschwister Emma und Marius Jaroschek sind begeisterte Mountainbiker. Vor ein paar Jahren haben sie einen weitaus artistischeren Radsport für sich entdeckt: das Einradfahren.

Lenggries – Eine kraftvolle halbe Pedalumdrehung mit dem linken Fuß, dann schwingt Emma Jaroschek das rechte Bein elegant über den gebogenen Sattel, und schon rollt das Einrad samt Fahrerin. Auf den ersten ein, zwei Metern ist das Gerät etwas kippelig, in kurzen Rucklern geht’s nach vorne, doch mit zunehmender Geschwindigkeit wird die Fuhre stabiler. „Geschwindigkeit ist alles“, sagt die 13-jährige Lenggrieserin, „das Gleichgewicht kommt dann von alleine.“

Vor vier Jahren haben Emma Jaroschek und ihr ein Jahr jüngerer Bruder Marius das Einrad für sich entdeckt. Ein Workshop in der Grundschule hat den Anstoß gegeben, und irgendwie sind die Rad-begeisterten Kinder dabei geblieben. „Damit kann man vor seinen Freunden prima angeben“, hat Marius eine pragmatische

Erklärung für seinen Lieblingssport. Tim Eisenbraun, Trainer und selbst Virtuose auf dem artistischen Sportgerät, attestiert seinen beiden Schützlingen Talent. „Sie sind fleißig, haben viel Ausdauer und Geduld.“

Diese drei Tugenden muss man unbedingt mitbringen, um erst einmal aufs Einrad und dann damit auch vom Fleck zu kommen. Eine gewisse Schmerzresistenz kann auch nicht schaden, denn ein paar Stürze muss man anfangs schlichtweg in Kauf nehmen. „Erst habe ich mich am Zaun hochgezogen und festgehalten, aber dann ist es doch ganz gut gegangen“, berichtet Emma. Ein paar unfreiwillige Absteiger waren freilich auch dabei. Nun flitzt sie durch die Hohenburger Turnhalle – mit einer Leichtigkeit, als würde sie schweben. Ihr Bewegungstalent zeigt die Realschülerin auch sonst. Am liebsten auf dem Mountainbike, mit dem sie für die Isarwinkler Radsportfreunde (IRSF) an MTB-Nachwuchsrennen wie den Kids-Cup startet und regelmäßig Medaillen und Pokale einfährt. Jüngst nahm sie sogar an der Bayerischen Meisterschaft der Cyclocrosser in der Jachenau teil und heimste dabei den zweiten Platz in der Oberbayern-Wertung sowie Rang drei bei der Bayerischen ein (wir berichteten).

Marius Jaroschek indessen, einst ebenfalls talentierter Nachwuchsradler der IRSF musste die Wettkämpfe gesundheitsbedingt sausen lassen. „Wegen meiner Pollenallergie“, erklärt der Zwölfjährige. „Wenn Saison ist, komme ich mit meinen Atembeschwerden keine Runde weit.“ Seine Passion gilt nicht unbedingt dem Einradfahren in der Halle. Auf dem dickstolligen Fat-Bike, dem „Muni“ – abgekürzt von Mountain Unicycle – lässt er es gerne Offroad krachen – so wie einst mit dem Mountainbike. „Das ist ganz schön schwierig, denn man kann nicht anhalten. Ständig muss man über Hindernisse hüpfen oder sie umfahren.“

Trainer traut Emmadie KönigsdisziplinFreestyle zu

Einrad-Disziplinen und die dazugehörigen speziellen Sportgeräte gibt es wie Sand am Meer. Recht günstig im Vergleich zu Outdoor-Rädern ist der Einstieg beim Einrad. Mit einem hallentauglichen Trainingsrad mit dem weißen Pneu, die auf dem Hallenboden keine schwarzen Fahrer hinterlassen, ist man schon mit rund 80 Euro dabei. Doch wer sich auf eine bestimmte Disziplin spezialisiert, muss für die federleichten Carbon-Flitzer schnell ein paar hundert Euro löhnen.

Die werden bei Track- und Sprintrennen eingesetzt, wo es um Hundertstelsekunden geht. Ähnlich den leichtathletischen Disziplinen werden dabei 100 bis 800 Meter-Rennen auf der Tartanbahn absolviert; wer’s länger mag kann mit einem Renn-Einrad auch schon mal einen Marathon über 42 Kilometer abspulen. Beim Parcours geht es über Paletten, Rohre, Geländer und Baumstämme. Zur breiten Einsatzpalette kommen Uphill- und Downhillrennen mit dem Muni hinzu. Das Energiebündel Marius möchte sich am liebsten im Parcours beweisen: Über Paletten hüpfen, auf Baumstämmen und schmalen Geländern balancieren oder fette Betonröhren bezwingen. „Das ist schön spektakulär“, feixt der Bub.

Die Königsdisziplin ist das Freestyle-Fahren: Ähnlich dem Eiskunstlauf studiert der Sportler hier eine musikunterlegte Choreografie mit Figuren, Sprüngen und einbeinigen Tricks ein. Hier sieht Trainer Tim Eisenbraun die Zukunft von Emma Jaroschek. „Sie hat viel Gefühl für Koordination und Ideen für Kunststücke.“ Zum Beweis schwingt sich Emma behände auf ihr Einrad, springt locker zwischen zwei Markierungen auf dem Hallenboden hin und her, und geht anschließend flüssig in den Wheel-walk über. Dabei werden die Füße von der Fußspitze bis zur Ferse auf dem Reifen abgerollt und so das Einrad fortbewegt – sehr elegant.

Lesen Sie auch das Porträt des Fußballtrainers Herbert Mühr:

https://www.merkur.de/sport/lokalsport/wolfratshausen/ich-fuehle-mich-in-egling-total-wohl-sf-coach-muehr-geniesst-hoehenflug-10768459.html

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