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Ein Höllenritt am Fuße der mächtigen Bergriesen Eiger, Mönch und Jungfrau

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Von: Wolfgang Stauner

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Nach knapp zwölf Stunden war Ralph Eggers Tagwerk vollbracht: Der Sportler des WSV Bad Tölz finishte beim Inferno Triathlon im Berner Oberland. Im Hintergrund die Traumkulisse von Eiger, Mönch und Jungfrau.
Nach knapp zwölf Stunden war Ralph Eggers Tagwerk vollbracht: Der Sportler des WSV Bad Tölz finishte beim Inferno Triathlon im Berner Oberland. Im Hintergrund die Traumkulisse von Eiger, Mönch und Jungfrau. © alphafoto.com

Ralph Egger vom WSV Bad Tölz bewältigt einen Triathlon der besonderen Art, den „Inferno“ im Berner Oberland. Dieser ungewöhnliche Ausdauerwettkampf besteht aus vier Disziplinen.

Das Panorama, das sich den hartgesottenen Männern und Frauen beim Inferno Triathlon im Berner Oberland bietet, ist atemberaubend; das Pensum, das den Ausdauerspezialisten abverlangt wird, allerdings auch. Das Außergewöhnliche an dem Höllenritt unter Eiger, Mönch und Jungfrau ist, dass dieser Dreikampf aus vier Disziplinen besteht. In Zahlen: 3,1 km Schwimmen im Thunersee, 97 km (2145 Hm) auf dem Rennrad, 30 km (1180 Hm) auf dem Mountainbike, und zum krönenden Abschluss ein 25 Kilometer langer Berglauf aufs Schilthorn mit weiteren 2175 Höhenmetern. Das macht in der Summe 155 Kilometer und 5500 Höhenmeter.

„Ich hatte den Wettkampf schon seit ein paar Jahren auf der Liste, aber daran teilzunehmen konnte ich mir lange nicht vorstellen. Der Respekt vor den Distanzen und vor allem den Höhenmetern war zu groß“, sagt Egger. Gestählt durch den Ironman Roth im Juli fühlte sich Egger nun fit und ausreichend trainiert für eine derartige Herausforderung. Die zwischenzeitlichen sechs Wochen investierte der 41-Jährige in Bergläufe, die er bis dato überhaupt nicht trainiert hatte. An Blomberg, Zwiesel und Rechelkopf holte sich Egger den Feinschliff. „Da habe ich die Muskulatur wenigstens etwas an diese Belastung gewöhnt, was wohl auch ganz gut funktioniert hat.“

Auch beim Tölzer Triathlon startet Ralph Egger gelegentlich.

Doch neben dem Trainingsaufwand ist auch der logistische Aufwand enorm, schließlich müssen zwei Fahrräder mitgenommen und drei Wechselzonen eingerichtet werden. Und die liegen zwischen dem Startplatz in Oberhofen am Thunersee und dem Ziel auf dem Schilthorn auch noch relativ weit auseinander. „Der Tag vor dem Wettkampf war praktisch komplett verplant. Nachdem in meine Wechselzonenplätze eingerichtet hatte, ging’s mit der Bahn rauf nach Mürren zur Wettkampfbesprechung“, sagt Egger.

Sobald der Startschuss fällt, sind alle Zweifel zerstreut

Der Wettkampftag selbst begann in aller Herrgottsfrüh um 6.30 Uhr mit der Schwimmdisziplin im Thunersee. Vor dem Startschuss kamen Egger dann doch ein paar Zweifel, ob er am richtigen Ort sei. „Aber sobald der Startschuss fällt, sind alle Zweifel zerstreut.“ Das Wasser war mit 17 Grad relativ kühl und wellig. „Wahrscheinlich war ich deshalb ungewöhnlich langsam“, analysiert der Sportler des WSV Bad Tölz. Für die knapp 3,3 Kilometer vermerkte seine Stoppuhr 1:05 Stunden.

Nach dem Wechsel aufs Rennrad folgte unmittelbar der erste längere Anstieg. Nach der Abfahrt ging es 40 Kilometer flach dahin bis zum 1300-Meter-Anstieg auf die Große Scheidegg. „Nach der etwas ruppigen Abfahrt kam ich nach 4:17 in der zweiten Wechselzone in Grindelwald an.“ Hier dann der Wechsel aufs Mountainbike, und unmittelbar danach ging’s auch schon satte 1100 Höhenmeter auf die Kleine Scheidegg. „Nach der Abfahrt mit einigen Wurzel-trails kam ich nach 2:08 in der dritten und letzten Wechselzone in Stechelberg an.“

Eggers Vereinskollegin Valentina Proverbio ist besonders schnell im Wasser.

Ralph Egger, Ingenieur bei einer Geretsrieder Maschinenbau-Firma, ist das genaue Rechnen von Berufs wegen gewöhnt, und auch seinen Kräfteverschleiß kalkulierte er genau und richtig. „Ich habe mich an meine Pulsbereiche gehalten und an den Stationen gut verpflegt. So habe ich keine schlechten Phasen gehabt“, erzählt Egger. So ersparte sich der Tölzer auch das Schicksal von knapp 60 Leidensgenossen. Von den 235 Startern kamen lediglich 180 auf dem Schilthorn ins Ziel. Die „Not-Finisher“ hatten entweder auf der Strecke das Handtuch geworfen, oder waren von den Sicherheitskommissären wegen Überschreitung des Zeitlimits aus dem Rennen genommen worden. Auch in den Wechselzone ließ Egger mehr Zeit liegen, als unbedingt nötig gewesen wäre. „Sicherheitshalber habe ich die Socken gewechselt, um Blasen zu vermeiden“, verrät der Ausdauersportler.

Die letzte drei Kilometer wollen schier nicht enden

Nach dem letzten Wechsel in die Laufschuhe ging es ab Lauterbrunnen ans Eingemachte: nämlich stetig bergauf. „Je nach Steigung war es ein Mix aus Laufen und schnellem Gehen.“ So hielt Egger ein relativ konstantes Tempo die 17 Kilometer bis Mürren durch. Ab da begann der wirklich steile Teil der Strecke, und Laufen war so gut wie gar nicht mehr möglich. Besonders perfide: Auf den letzten 3000 Metern hörte man bereits den Sprecher im Ziel, doch dieser Abschnitt wollte schier nicht enden. „Aber dann waren auch die vorbei, und ich habe nach einem Berglauf in 4:12 Stunden mit einer Gesamtzeit von 11:43:51 Stunden erschöpft und zugleich erleichtert auf Platz 72 das Ziel erreicht.“

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Trotz der Schinderei zog Ralph Egger ein positives Fazit: „Die unfassbar schöne Landschaft mit Blicken auf Eiger und Mönch, die tolle Unterstützung der Menschen an der Strecke und die Organisation entschädigen für alle Strapazen. Ich werde beim Inferno sicherlich erneut starten.“

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