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Die vier Meter hohen Brecher flößten Rita Härteis (Mitte, vorne) und ihren Konkurentinnen jede Menge Furcht ein.

Crosstriathlon: WM auf Maui

Ein Höllenritt auf Wellen und Schlamm wird mit dem WM-Titel belohnt

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Es waren die härtesten Bedingungen in der Geschichte des Xterra-Wettkampfs auf Maui. Doch die Kochlerin Rita Härteis meisterte alle Strapazen und erkämpfte sich die Weltmeisterkrone.

Maui/KochelFür die Straßentriathleten ist der Ironman auf Big Island, Hawaii, das Mekka, die Crosstriathleten küren ihre Besten bei der Xterra-WM auf der Nachbarinsel Maui. Die Kochlerin Rita Härteis (53) ist mit allen Wettkampfwassern gewaschen, schließlich hat sie in der vergangenen Dekade drei WM-Trophäen in ihrer jeweiligen Altersklasse abgeräumt. Doch beim Rennen auf der zweitgrößten Insel des Hawaiianischen Archipels, musste sie die letzten Kraftreserven mobilisieren. „Das war echt kein Spaziergang“, stapelt Härteis tief. Nach 4:29:46 Stunden kam die Athletin des WSV Bad Tölz völlig ausgepumpt aber glücklich ins Ziel und krönte eine erfolgreiche Wettkampfsaison mit dem Gewinn des WM-Titels in der AK 50-54. „Ich dachte, dass es nach den harten Rennen am Gardasee, in Zittau und in Dänemark keine Steigerung geben würde, was die Wettkampfhärte betrifft, aber auf Maui musste ich mich eines Besseren belehren lassen“, blickt die Kochlerin zurück. Auch die Organisatoren sprachen im Nachgang von den härtesten Bedingungen in der 23-jährigen Geschichte des Wettkampfes. Die zu absolvierenden Strecken von 1,5 km Schwimmen, 32 km Mountainbiken (1100 Höhenmeter) und 10,5 km Trailrun (370 Höhenmeter) waren für sich betrachtet schon eine gewaltige Herausforderung. Aber die äußeren Bedingungen forderten die rund 800 Starter aufs Äußerste.

Gute Erinnerungen an  Maui mit WM-Titel und  Platz drei

So herrschten am Wettkampftag nicht nur die übliche Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit, sondern eine extreme Brandung mit bis zu vier Meter hohen Brechern. Die Mountainbike- und Trailstrecke war zudem durch tagelangen Regen derart aufgeweicht, dass Matsch und Lehmboden die Strecke zu einem wahren Höllenritt machte. „Ich wusste, warum ich sieben Jahre nicht an der WM in Maui teilgenommen habe“, blickt Härteis zurück. „Die hohen Wellen und die harten Bedingungen im Norden der Insel waren mir gut aus den Livestreams bekannt, die ich in den vergangenen Jahren mitverfolgt habe.“

Dabei hat die 53-Jährige gute Erinnerungen an Maui: 2005 holte sie dort ihren ersten WM-Titel, und 2010 wurde sie AK-Dritte auf der alten Strecke. „Nach den guten Saisonergebnissen wollte ich mich auch mal dem neuen Kurs auf Maui stellen.“ Doch beim Blick auf den aufgewühlten Pazifik am Wettkampfmorgen stockte Härt-eis der Atem. „Wie soll ich nur durch die Wellen hinaus- und dann auch wieder reinschwimmen, und das Ganze zweimal“, fragte sie sich.

Das Schwimmen wurde zu einer wahren Lotterie. Beim Start von Härteis’ Gruppe zog ein hoher Wellen-Set an den Strand und wirbelte das Feld sofort durcheinender. Bis zur Wendeboje war es ein permanentes Auf und Ab in den Wellengebirge. Beim zweiten Rausschwimmen erwischte Härteis erneut eine Reihe hoher Wellen. „Nach der zweiten Runde war ich fix und fertig. Selten habe ich so lange für die Schwimmdistanz gebraucht. Mir war schwindlig und kotzübel vom Salzwasser.“ Das bedeutete zunächst einen Mittelfeldplatz in der 30-köpfigen Altersklasse.

Doch der Wettkampf ließ keine Verschnaufpause zu, und so hieß es nach der Wechselzone die Kräfte einteilen. Als beim ersten Anstieg auf der Bikestrecke weitere Athletinnen an ihr vorbei pedalierten, wuchs die Resignation ins Unermessliche. Doch das Rennen entwickelte sich anders als zunächst befürchtet. Nachdem die As-phaltrampe genommen war, ging es ab in den Schlamm. Die Regengüsse hatten nicht nur für eine völlig durchweichte Strecke gesorgt, sondern auch die Botanik sprießen lassen. Der Schlamm verklebte mit dem abgemähten Gras zu einer zähen Masse, die sich kiloschwer an Rahmen und Laufräder heftete und sukzessive Antrieb und Schaltung vieler Athleten außer Gefecht setzte. Selbst das Schieben wurde zum Kraftakt, da auch die Schuhe keinen Halt auf dem glitschigen Untergrund fanden. Ein Fahren an den Steigungen war unmöglich, und in den Abfahrten war höchste Konzentration gefordert.

Überraschung in   der Wechselzone: Führung mit großem Vorsprung

Von wegen „Hang loose“: Nach schier unglaublichen Strapazen zu Wasser und zu Land wurde die Kochler Crosstriathletin Rita Härteis Xterra-Weltmeisterin.

„Es war ein unglaublicher Kraftakt, im matschigen Gelände das Gleichgewicht zu halten, aber dank spezieller Matschreifen hatte ich einen Vorteil und konnte Streckensegmente fahren, auf denen etliche Konkurrentinnen schieben mussten“, berichtet die Biotechnikerin, die bei einem Pharma-Unternehmen in Penzberg arbeitet. So steuerte sie, erleichert, die Bikestrecke mit nur einem Sturz überstanden zu haben, die zweite Wechselzone an. Hier hielt Lebensgefährte Thorsten Lemm eine freudige Überraschung bereit: „Du führst und hast zehn Minuten Vorsprung.“

„Oh Mann, der Titel ist zum Greifen nah“, schoss es Härt-eis durch den Kopf. Eine zusätzliche Motivation kam aus dem Wissen, dass sie beim Laufen gut in Form war – besser als in vielen Jahren zuvor. Aber der rutschige Trail forderte seinen Tribut. „Meistens hab’ ich mich an Sträucher und dünne Ästen klammernd bergauf gehangelt. Zu allem Übel bekam ich auf den letzten drei Kilometern noch Krämpfe in den Beinen.“

Aber dann war der Höllenritt doch geschafft – die letzten Meter am Strand waren nur noch zum Genießen. Im Ziel lag Rita Härteis schließlich 17 Minuten vor Vorjahressiegerin Catherine Gance aus Frankreich und 20 Minuten vor Luisa Saft (Brasilien). In der Gesamtwertung aller 186 Amateurinnen bedeutete das den zwölften Platz. Nach dem Sieg in der Europaserie und dem Europameistertitel rundete der WM-Titel das Wettkampfjahr perfekt ab.

Im vergangenen Jahr wurde Rita Härteis AK-Weltmeisterin in British Columbia: Auf traumhaften Trails lässt’s Rita richtig krachen

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