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Im Chaosrennen zeigt Seewald Muskeln und Nerven aus Stahl

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Von: Wolfgang Stauner

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Doppelsieg für Canyon Northwave: Andreas Seewald (Mi.) siegt in Jelenia Gora vor Teamkollege Petr Vakoc (li.) und Texpa Simplon-Fahrer Jakob Hartmann.
Doppelsieg für Canyon Northwave: Andreas Seewald (Mi.) siegt in Jelenia Gora vor Teamkollege Petr Vakoc (li.) und Texpa Simplon-Fahrer Jakob Hartmann. Foto: privat © privat

Kurzzeitig hatte Andreas Seewald beim Chaosrennen im polnischen Jelenia Gora sogar ans Aufgeben gedacht. Doch dann zeigt der Marathon-Weltmeister aus Lenggries Nerven aus Stahl und fährt beim Marathon-Weltcup am Fuße des Riesengebirges einen Überraschungssieg ein.

Jelenia Gora/Lenggries – Gestählt von einem fünftägigen Höhentrainingslager in Silvaplana im Oberengadin reiste Andreas Seewald an den Fuß des Riesengebirges. Im polnischen Jelenia Gora hatte der Radsport-Weltverband UCI ein Rennen der Marathon Series ausgeschrieben. Die Erfahrungen aus dem vergangenen September waren nicht die schlechtesten: Seewald wurde Dritter, gewann eine Woche darauf die Weltmeisterschaft auf Elba und am Saisonende die Gesamtwertung der Marathon Series.

Überholen mit der Brechstange - ein Albtraum.“

Andreas Seewald, MTB-Weltmeister

Doch heuer brauchte der 30-jährige Lenggrieser nicht nur Muskeln aus Stahl, sondern ebensolche Nerven. Die Organisatoren hatten nämlich die kuriose Idee, eine Stunde nach dem Start der Elite die Hobbyfahrer auf die 89 Kilometer lange Strecke (1685 hm) zu schicken. Bei einer langen Runde kein Problem, doch der Kurs in Jelenia Gora bestand aus einem 30 Kilometer langen Rundkurs, der zweimal zu durchfahren war, plus einigen Kilometern zurück zum Ziel. Als die Elite die zweite Schleife in Angriff nahmen, war gerade das große Feld der Hobby-Biker auf der ersten Runde. „So mussten wir Profis durch das komplette Amateurfeld“, berichtet Seewald von chaotischen Bedingungen. „Auf den eigentlich schönen Singletrails kam es so immer wieder zu hässlichen Szenen. Einige haben sich extra breit gemacht, so dass ein Überholen nur mit der Brechstange möglich war. Ein Albtraum.“

Projekt mit Priorität: EM-Titel verteidigen

Gleichwohl fand der Welt- und Europameister immer wieder Lücken, um an den langsamen Hobbyfahrern vorbeizuhuschen. Eine Zitterpartie war’s gleichwohl, denn Seewald wollte zwei Wochen vor der Europameisterschaft – am 19. Juni im tschechischen Jablonne v Podjestedí – keinesfalls einen Sturz riskieren. „Das Projekt Titelverteidigung hat oberste Priorität“, so Seewald. „Ich hatte sogar kurzfristig überlegt auszusteigen.“

Doch zu diesem Zeitpunkt hatte er sich bereits in die Spitzengruppe zurückgekämpft. Da Martin Stosek – Seewalds Kollege im Team Canyon Northwave, Doppelpartner bei Etappenrennen und obendrein Vorjahressieger – mit zwei Minuten Vorsprung in Front lag, wollte sich der Isarwinkler noch auf Platz zwei vorschieben; den Doppelsieg perfekt machen. Ein unwiderstehlicher Antritt am einzigen steilen Anstieg 20 Kilometer vor dem Ziel, und schon musste die Konkurrenz abreißen lassen. „Die Attacke hat wenigstens gesessen.“

Teamkollege Martin Stosek im Sturzpech

Dass sich an der Spitze derweil ein weiteres Drama abspielte, bekam der Lenggrieser erst im Ziel mit. Auf der letzten Abfahrt war Vorjahressieger Stosek einem Wanderer ausgewichen und in die Botanik gesegelt. Auch hier war die Strecke nicht ordnungsgemäß abgesperrt und von Streckenposten überwacht worden. An seinem Sieg fand Seewald deshalb wenig Freude. Wie sich herausstellte, hatte sich sein Teamkollege Martin Stosek nämlich die Schulter gebrochen. „Vielleicht kann er im August wieder Rennen fahren. Aber man muss sich schon fragen, wozu eigentlich die UCI-Kommissäre vor Ort sind, wenn dann so ein Chaosrennen dabei rauskommt“, resümierte der Sieger (3:24:55 Stunden). Zum Doppelsieg für Canyon Northwave hat es schließlich doch gereicht: Der Tscheche Petr Vakoc kam 2:11 Minuten nach Seewald ins Ziel. So richtig freuen konnte sich darüber jedoch keiner im Team.

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