Yasin Ehliz

Olympia

Jetzt kann nur noch Gold kommen

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Die Olympioniken sind zurück in der Heimat. Mit einem ganz besonderen Gefühl, wie Leo Pföderl und Yasin Ehliz sagen.

Gaißach/Bad Tölz – Um 5 Uhr morgens dreht man sich normalerweise noch ein-, zweimal im Bett um und verschwendet keinen Gedanken ans Aufstehen. Doch vergangenen Sonntag klingelte in vielen deutschen Haushalten um diese Zeit der Wecker. Ganz sicher aber in etlichen Schlafzimmern im Landkreis: Schließlich standen zwei Gaißacher aus dem Nachwuchs des EC Bad Tölz im Aufgebot der deutschen Mannschaft, die um diese Zeit bei Olympia um Gold spielte. Das Finale ging knapp verloren, Silber war ein starker Trost. „Ich bin extrem stolz“, sagt Yasin Ehliz.

„Wir haben schon mitbekommen, was für eine Euphorie wir da entfacht haben“, sagt Leo Pföderl. „Wer das vorher behauptet hätte, den hätte jeder für verrückt erklärt“, sagt er: „Unglaublich, was da passiert ist, traumhaft, mein Handy scheppert immer noch die ganze Zeit mit Glückwünschen, besser hätte es nicht laufen können.“

Naja, doch. Deutschland hätte das Spiel gegen Russland bei 3:2 bis eine Minute vor Schluss gewinnen können. „Ein abartiges Spiel“, sagt Ehliz. „Jeder hat mit dem Gedanken an Gold gespielt.“ Doch der war jäh beendet: „Ein glückliches Rückhandtor der Russen, und in der Verlängerung dann ein Überzahltreffer, das können sie halt.“ Doch mit Silber konnten die Deutschen trotzdem jubeln, der größte Erfolg seit 1976 in Innsbruck, als das deutsche Team mit Lenz Funk überraschend Bronze holte. „Nach dem Spiel waren wir schon kurz enttäuscht“, gibt Pföderl zu. „Aber spätestens bei der Siegerehrung haben wir realisiert, was wir eigentlich geschafft haben.“

Er selbst hat seit dem Viertelfinale gegen Schweden jedoch nur zuschauen können. Patrick Reimer, der in der Vorrunde verletzt pausierte, nahm Pföderls Platz ein. Und das, obwohl das DEB-Team ohne ihn, den Maurer aus Gaißach, vielleicht gar nicht so weit gekommen wäre: Pföderl zimmerte die Scheibe im Viertelfinal-Qualifikations-Spiel gegen die Schweiz in typischer Manier durch die Schoner des Keepers zum 1:1 und ermöglichte den 2:1-Sieg nach Verlängerung. „Dass ich danach nicht mehr gespielt habe, war für mich schon enttäuschend“, sagt der 24-Jährige. Aber er hatte auch Verständnis dafür, dass Reimer wieder ran sollte. „Die Jungs haben das überragend gemacht, der Plan ist voll aufgegangen.“ Sein Nürnberger Vereinskollege erzielte nämlich das entscheidende 4:3 im Viertelfinale gegen Schweden.

Auch das ein unglaubliches Spiel, meint Ehliz, der Reimer in der Verlängerung den entscheidenden Treffer aufgelegt hatte. „Die kamen aufs Eis wie die Feuerwehr. Nach 0:12 Schüssen haben wir uns vorgenommen, auch mal aufs Tor zu schießen und haben zu spielen angefangen.“ Und einer der ersten Versuche war gleich drin. Christian Ehrhoffs 1:0 und Marcel Noebels 2:0 wenig später brachten die Schweden aus dem Konzept. Ehliz: „Und so haben wir auch die Kanadier im Halbfinale heimgeschickt, da hätten wir eigentlich einen stärkeren Gegner erwartet.“

In der Vorrunde waren die Deutschen selbst nicht gerade furchteinflößend. 2:5 gegen Finnland, 0:1 gegen Schweden – mit viel Pech und schwacher Chancenverwertung. Dann ein Sieg gegen Norwegen, der erste einer DEB-Auswahl seit 2002. „Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert“, meint Ehliz. Die Stimmung im Team sei überragend gewesen, die Siege haben zusammengeschweißt. „Jeder ist marschiert, hat Fehler ausgebügelt. Und die Trainer haben uns optimal auf die Gegner eingestellt“, sagt der 25-Jährige. Und so ging es plötzlich um Gold.

Was geht einem da durch den Kopf? „Ekstase pur“, sagt Pföderl. „Absolute Feierstimmung.“ Anschließend sei es wieder ruhiger geworden, aber man habe auf das Finale hingefiebert, das ganze verbliebene olympische Dorf. „Aber viele waren schon abgereist“, sagt Ehliz. Für ihn war es „eine schöne, lange Zeit“. Dass sie so lange dauern würde, damit hatte er nicht gerechnet.

Er teilte sich eine Wohnung mit Pföderl, Reimer sowie dem Mannheimer Sinan Akdag, der allerdings nach einem Check gegen den Kopf beim 2:1 n.P. gegen Norwegen nach Hause flog. Die Athleten haben viel erlebt, viele Sportler getroffen, „eine unglaubliche Zeit gehabt“, sagt Pföderl. „Die Eröffnungsfeier mit allen Athleten, das war schon cool“, sagt der Gaißacher. Da laufen einem Britta Heidemann, Maria Höfl-Riesch oder Fabian Hambüchen über den Weg – das gebe es nur bei Olympia. Pföderl: „Es war sehr interessant.“ Auch bei den Siegen von Laura Dahlmeier und den deutschen Skispringern waren sie dabei. „Das ganze Feeling im Dorf war der Wahnsinn“, erinnert sich Pföderl. „Olympia wäre auch ohne Medaille überragend gewesen.“

Doch Edelmetall war ihnen nach dem 4:3 gegen Kanada ja schon sicher. Nur die Farbe nicht. „In der Nacht davor hat glaube ich niemand schlafen können“, sagt Pföderl. Danach wollte keiner mehr schlafen. Ein paar Minuten nach diesem Spiel mit ständig wechselnder Führung, das Russland glücklich gewann und in dem Ehliz in der Reihe mit Dominik Kahun und Frank Mauer zwei weitere Treffer vorbereitete, herrschte zunächst bodenlose Enttäuschung. Doch die wich nach und nach Stolz, Zufriedenheit und Begeisterung. „Wenn ein Pavel Datsyuk dir beim Handshake sagt, was für ein tolles Spiel du abgeliefert hast, und man echten Respekt der Russen spürt, dann ist das schon krass“, meint Ehliz. „Die Niederlage war schnell vergessen“, sagt Pföderl.

Tränen vergossen wurden bei Olympia viele, aber nachdem die deutschen getrocknet waren, vergossen die Eishockeyspieler am Abend lieber den einen oder anderen Siegestrunk, feierten dem Anlass entsprechend ausgelassen im deutschen Haus mit den verbliebenen Olympioniken. „Es war eine Fetzengaudi“, sagt Ehliz. Wenn man ihn fragt, was nach Olympia-Silber kommen soll, sagt er folgerichtig: „Nur noch Gold.“

Zurück in Deutschland blieb den beiden nicht viel Zeit zum Feiern: Vom Flughafen zum Sponsorentermin, und während München seinen Olympioniken als Tabellenerster der DEL freigab, mussten Ehliz und Pföderl am Mittwoch gleich wieder ran. Ehliz hätte gerne Freunde und Familie zu Hause besucht. „Aber schließlich wollen wir mit Nürnberg nächste Saison Champions-League spielen und deswegen Rang zwei halten.“ Pföderl, der behauptet, sich erst kurz vor dem Spiel erstmals von seiner Medaille um den Hals getrennt zu haben, ist es ganz recht, dass es gleich weiter geht. „Auf dem Eis ist es doch am schönsten.“ Und er tat gegen Düsseldorf umgehend das, was er so gut kann: Tore schießen. Der Gaißacher erzielte am Mittwoch den Siegtreffer zum 2:1.

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