Zweiter Platz beim Stadtpokal: 1986 standen die Brüder Jürgen (li.) und Gerhard Keilwerth mit der A-Jugend des FC Geretsried im Finale.
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Zweiter Platz beim Stadtpokal: 1986 standen die Brüder Jürgen (li.) und Gerhard Keilwerth mit der A-Jugend des FC Geretsried im Finale.

„Eigentlich bin ich zu spät in die höhere Liga gewechselt“

Der Stratege und der Torjäger: Zwillinge Jürgen und Gerhard Keilwerth

  • Thomas Wenzel
    vonThomas Wenzel
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Die Zwillinge Jürgen und Gerhard Keilwerth haben bei den SF Egling zehn Jahre zusammen gespielt. Außerdem haben beide eine A-Lizenz als Trainer.

Wolfratshausen/Penzberg – Jürgen und Gerhard Keilwerth sind ein gutes Beispiel dafür, wie ähnlich sich Zwillinge sein können. Die beiden 54-Jährigen haben nicht nur optisch viel gemeinsam, auch dank ihrer offenen und kommunikativen Art sind die beiden Trainer auf den Fußballplätzen im Oberland wohl bekannt. Dass die gebürtigen Geretsrieder auch in ihrer sportlichen Laufbahn ein gutes Stück Weg gemeinsam gegangen sind, ist nicht verwunderlich. „Als Kinder gab’s für uns nur Fußball, Fußball, Fußball“, berichtet Gerhard. Sein neun Minuten älterer Bruder Jürgen allerdings schnupperte nebenbei in eine andere traditionelle Geretsrieder Sportart rein – ins Eishockey. „Das hat mir auch viel Spaß gemacht“, so der gelernte Einzelhandelskaufmann, der damals zusammen mit seinem späteren Schwager, Ex-Nationalspieler Uli Liebsch, und dem jetzigen River Rats-Coach Rudi Sternkopf beim TuS dem Puck nachjagte.

Doch letztlich fiel die Entscheidung zugunsten des runden Leders, so dass sich die Brüder mit zwölf Jahren 1977 dem TuS anschlossen. In der A-Jugend wechselten sie zum FC Geretsried und dann für ein Jahr zum TSV Königsdorf. „Das war mein schönstes Jugendjahr, denn wir hatten eine tolle Mannschaft und waren sehr erfolgreich“, erinnert sich Gerhard an Siege über favorisierte Konkurrenten wie den TuS Geretsried oder den TSV 1860 München. Auch Jürgen hat die Zeit in sehr guter Erinnerung: „Nicht zuletzt dank unseres damaligen Trainers Max Schlickenrieder.“

Der frühere Stürmer Gerhard Keilwerth ist seit 2019 als Trainer beim BCF Wolfratshausen II tätig, nachdem er zuvor 13 Jahren beim FC Geretsried war.

Jürgen und Gerhard Keilwerth zehn Jahre gemeinsam im Trikot der SF Egling

Im Herrenbereich aufgerückt, wechselten die Keilwerths 1988 zu den SF Egling. Eine bedeutsame Entscheidung, denn sie sollten gleich zehn Jahre dem Verein treu bleiben. „Das war eine wunderbare Zeit, und wir haben noch heute ein tolles Verhältnis zu den Eglingern“, berichtet Gerhard, während Jürgen betont: „Es war meine schönste Zeit.“ Auf dem Platz hatten sie ihre Rollen gut aufgeteilt – Jürgen war als Libero vor allem strategisch veranlagt, Gerhard als klassischer Strafraum-Stürmer für die Tore zuständig. Auf die erfolgreichen Brüder wurde schließlich der TSV Grünwald aufmerksam, doch nur Gerhard wagte den Sprung in die damals noch hochklassige Landesliga. „Eigentlich bin ich zu spät in die höhere Liga gewechselt, denn ich war schon 27 Jahre alt“, bedauert der gelernte Maler heute. Unter dem Ex-Nationalspieler Erich Beer als Trainer habe er viel gelernt. Verletzungsbedingt schaffte er den Sprung in die Stammelf nicht ganz und ging nach zwei Jahren zurück nach Egling. Dort war mittlerweile Jürgen zum Coach aufgestiegen. „So gut wie wir uns auf dem Feld verstanden haben, war das Verhältnis Trainer/Spieler nicht“, räumt Gerhard ein. Tatsächlich setzte sein Bruder auf Stefan Weigelt als Sturmspitze, Gerhard wanderte kurz darauf zum BCF Wolfratshausen ab. Mit dessen Spielertrainer Andi Böhm hatte er bereits in Grünwald gekickt, und die beiden feierten in Farchet drei Aufstiege. Bei seinem letzten Einsatz im grünen Trikot machte Gerhard mit drei Toren die Meisterschaft in der Kreisliga perfekt.

Beide Brüder besitzen die Trainer-A-Lizenz

Auch nach dem Ende ihrer Karriere blieben sich die Zwillinge in ihren Ambitionen treu. Kurz hintereinander erwarben sie als Trainer die A-Lizenz – immerhin die zweithöchste Klassifizierung im Bereich des DFB. „An die Ausbildung in Köln-Hennef bei Berti Vogts, Hennes Löhr, Erich Rutemöller und Rudi Völler erinnere ich mich noch gerne zurück“, betont Gerhard, der heute noch regelmäßig an den Lehrgängen mit prominenten Kollegen und Rednern teilnimmt. Seine Trainerlaufbahn führte ihn schließlich über den SV Gelting zum FC Geretsried, wo er 13 Jahre lang tätig war. „Da habe ich im Verein fast alle Funktionen mal ausgeübt“, sagt der 54-Jährige. Seit 2019 nun ist er für die Zweite Mannschaft des BCF Wolfratshausen zuständig: „Das macht mir richtig Spaß mit den Jungs, auch wenn uns in diesem Jahr leider die Corona-Pandemie ausgebremst hat.“

Jürgen blieb den SF Egling fast elf Jahre lang treu, wechselte dann zum damaligen Bezirksligisten TSV Wolfratshausen. Er brachte mit viel Schwung den Traditionsverein wieder auf Vordermann, kümmerte sich nebenbei als Manager auch um den Aufbau eines Sponsorenpools. Weil aber eine Reihe von Talenten aus dem Wölfe-Nachwuchs ihr Glück lieber beim aufstrebenden Nachbarn BCF suchten, ließ sich der Abstieg in die Kreisliga letztlich nicht verhindern. Kurze Zeit später übernahm Jürgen die DJK Waldram, mit der er in der Kreisklasse stets vorne in der Tabelle mitspielte. Mittlerweile war er nach Penzberg umgezogen, wo er noch heute einen Handy- und einen Sportartikelladen betreibt. Es folgte der Wechsel in den Nachwuchsfußball, wo er viele Jahre erfolgreich zuerst beim TuS Geretsried („eine wunderschöne Zeit“) und dann beim FC Penzberg arbeitete. Erst vor kurzem zog es ihn zurück in den Herrenbereich: Er übernahm im Sommer den Kreisklassisten ESV Penzberg.

Der einstige Libero Jürgen Keilwerth ist nach vielen Jahren im Nachwuchsfußball jetzt wieder als Herrencoach beim ESV Penzberg eingestiegen.

Die Lieblingsvereine von den Keilwerths heißen Celtic und BVB

Auch wenn sie sich heutzutage nicht mehr so oft wie früher persönlich sehen, eine sportliche Gemeinsamkeit verbindet die Keilwerth-Brüder immer noch: „Wir sind beide Fans von Borussia Dortmund und von Celtic Glasgow“, berichtet Gerhard. Sein Bruder ist dabei fast noch der größere Supporter des schottischen Traditionsvereins, war schon bei vielen Partien live dabei, unter anderem beim UEFA-Cup-Finale 2003 in Sevilla gegen den FC Porto (2:3 nach Verlängerung). (Thomas Wenzel)

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