Durchgehalten bis ins Ziel: Helmut Potstada hat beim Walchsee-Triathlon den widrigen Verhältnissen getrotzt.

Triathlon

Das kalte Grausen

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Schwer zu schaffen machten die niedrigen Temperaturen den Sportlern bei der Triathlon-Challenge Kaiserwinkl-Walchsee. Bei zapfigen sieben Grad erfasste etliche der rund 1000 Triathleten das kalte Grausen: Kurzerhand quittierten sie das Rennen bereits vor dem Startschuss.

Helmut Potstada und Ingo Hauptmann – beide vom WSV Bad Tölz – indessen zogen den Wettkampf auf verkürzter Strecke durch. Vorsichtshalber hatten die Veranstalter die Schwimmstrecke verkürzt und die Radstrecke durch die Herausnahme einer kniffeligen Passage entschärft.

Verletzungsbedingt hatte Potstada während des gesamten Sommers keinen Wettkampf bestreiten können, und war entsprechend heiß auf seine Saison-Premiere. Anfang August hatte er die Strecke bei hochsommerlichen Temperaturen besichtigt und sich auf dieses Event in der herrlicher Tiroler Landschaft gefreut. Das Stimmungsbarometer sank deutlich, als der Isarwinkler bei zwölf Grad und Dauerregen anreiste, war aber trotzdem guter Dinge. „Ich habe schließlich schon mehrere Triathlons bei ähnlichen Temperaturen absolviert“, sagt Potstada. Doch am folgenden Morgen stockte auch dem hart gesottenen Gaißacher der Atem. Beim Blick aufs Thermometer konnte er gerade einmal sieben Grad ablesen. „Als ich meine Getränkeflasche am Rad befestigt habe, schoben einige Athleten ihr Rad wieder aus der Wechselzone heraus mit den Worten: ,Das tue ich mir heute nicht an‘“, berichtet Potstada. Der 54-Jährige dachte sich: „Angemeldet, bezahlt und angereist, dann starte ich auch.“

Aufgrund der eisigen Temperaturen – ab 1800 Meter schneite es bereits – wurde die Schwimmstrecke von 1900 auf 1500 Meter und die Radstrecke von 90 auf 68 Kilometer verkürzt. Die Laufstrecke blieb bei 21,1 Kilometer, glich aber durch die endlosen Pfützen und Rinnsale eher einem Trial als einer Laufstrecke. Ganz entgegen der sonstigen Wettkampfvorbereitung schlüpfte Potstada eine Stunde vor dem Start in den Neoprenanzug und wartete bei laufender Standheizung im Automobil, anstatt wie üblich sich einzuschwimmen.

Als es dann in den 18 Grad kalten Walchsee ging, war das Schwimmen noch der angenehmste Part dieses Ausdauer-Dreikampfs. Auch die ersten Kilometer auf dem Rad bei heftigem Regen waren noch auszuhalten. Als Potstada dann bergab mit Tempo 70 Richtung Kössen heizte, schoss ihm eine existenzielle Frage durch den Kopf. Gibt es Aquaplaning auch mit dem Renner? Vorsichtshalber nahm er in den Kurven das Tempo etwas heraus. „Es ist alles gut gegangen. Nur auf den letzten zehn Kilometern habe ich gefroren wie ein Hund, und mein Unterkiefer hat unaufhörlich geklappert.“

Der härteste Teil des gesamten Wettkampf spielte sich in der zweiten Wechselzone ab: „Man glaubt nicht, wie schwierig es ist, mit klammen Fingern und zitternden Füßen in Socken und Laufschuhe zu schlüpfen.“ Verzweifelt blickte sich Potstada um. Doch einer der anwesenden Streckenposten durfte nicht helfend eingreifen. Lediglich eine Wärmefolie hängte sie Potstada über.

Nun standen noch die vier Runden á fünf Kilometer um den See aus. „Nach ein paar hundert Metern wird mir sicherlich warm“, hoffte der Isarwinkler. Doch erst nach einer vollen Runde kehrte die Wärme in die Gliedmaßen zurück. Groß waren Freude und Überraschung beim Zieleinlauf. Ehefrau Michaela hatte mitgezählt: Gesamtrang 88 und Sieg in M 55 (4:18:29 Stunden) – mit über vier Minuten Vorsprung auf den Zweitplatzierten. „Das Durchhalten hat sich also gelohnt. Aber dieser Kampf gegen die Kälte wird mir noch lange in Erinnerung bleiben“, berichtet Potstada stolz.

Auch Ingo Hauptmann biss sich gegen Kälte und Konkurrenten tapfer durch. Seine Ausbeute: Platz 34 in der M 45 (Gesamt 215.) mit einer Zeit von 4:50:51 Stunden. Selten hat der Kaiserschmarrn nach dem Rennen derart gut gemundet.

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