Das neue Modell garantiert mehr Derbys und mehr Spannung, wie hier in der Kreisklasse 2 zwischen dem BCF Wolfratshausen II (schwarze Trikots) und dem SV Bad Tölz: Der ehemalige Gelb-Schwarze Alex Baumgärtner (li.) im Zweikampf mit Can Ünsal.
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Das neue Modell garantiert mehr Derbys und mehr Spannung, wie hier in der Kreisklasse 2 zwischen dem BCF Wolfratshausen II (schwarze Trikots) und dem SV Bad Tölz: Der ehemalige Gelb-Schwarze Alex Baumgärtner (li.) im Zweikampf mit Can Ünsal.

FUSSBALL: REFORM IM ZUGSPITZKREIS

Neuer Modus als Motivator: Skepsis und Begeisterung über die Reform im Zugspitzkreis halten sich die Waage

  • vonRudi Stallein
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Bad Tölz-Wolfratshausen – Mehr Derbys in kleinen Gruppen im Sommer und Herbst, spannende Auf- und Abstiegsrunden im Frühjahr, dazu nervenkitzelnde Relegationsrunden im Playoff- und Playdown-Modus: Mit diesem Spielmodell soll ab der kommenden Saison ein frischer Wind durch die unteren Amateurligen im Fußballkreis Zugspitze wehen.

Bis zum 16. April können auch die Fußballvereine im Landkreis, von der Kreisliga abwärts, darüber abstimmen, ob sie den Schritt wagen und alte Zöpfe kappen wollen oder lieber weiter im altbekannten System spielen. Bis diese Entscheidung getroffen wird, stehen in den meisten Klubs noch intensive Diskussionen an, wie Gespräche mit einigen Vereinsvertreten deutlich machen.

Das neue Spielsystem garantiert Spannung bis zum Saisonende

Daniel Heidemann muss nicht lange überlegen. „Ich sehe das neue Modell positiv“, sagt der Trainer des abstiegsbedrohten Kreisklassisten SV Bad Tölz. „Ich sehe es auch als ein gutes Zeichen an, gerade in der aktuellen Situation, dass man sich Gedanken macht über eine neue Spielstruktur. Wir sollten das ausprobieren, mit den Erfahrungen von der ersten Saison nachbessern und nach zwei, drei Jahren entscheiden, was besser ist.“ Neben der über eine Saison gesehen erhöhten Spannungskurve, bringe das neue System womöglich auch aus Corona-Sicht Vorteile mit sich. „Du hast kleinere Gruppen, bist schneller durch“, sinniert Heidemann, der eine weitere Option als Pluspunkt ins Feld führt: Durch eine Zusammenfassung der Spielklassen nach Landkreisen könnten Probleme, wie sie beispielsweise durch die derzeit an Inzidenzahlen geknüpften Trainings- und Spielbeschränkungen, leichter vermieden werden.

Ein Zoom-Meeting mit Vorstand und Spielerrat stehe zwar noch aus, aber „die Tendenz ist: Wir sind nicht abgeneigt. Die meisten, mit denen wir bereits gesprochen haben, stehen dem Projekt aufgeschlossen gegenüber“, sagt Dominik Wamsler, Abteilungsleiter der DJK Waldram. „Ich sehe da kein Problem.“ Im Gegenteil: Womöglich sei es für Teams, wie sein eigenes, das bekanntlich brutal schlecht in die seit nunmehr 20 Monaten andauernde Saison 2019/20 gestartet war, ein Vorteil. „Mit dem neuen Modell kannst du im Frühjahr noch viel korrigieren. Es gibt Spannung bis zum Schluss.“

Aus demselben Grund wäre Franz Beierbeck „dafür, dass mal auszuprobieren.“ Der Abteilungsleiter der Sportfreunde Egling-Straßlach räumt ein, dass es ein bisschen gedauert habe, bis er es verstanden habe, betont aber auch: „Ich finde das neue System gar nicht so schlecht. Es ist auf jeden Fall mal was Neues, und warum sollte man sich nicht mal vom alten Trott verabschieden.“ Als Vorteil sieht er zudem, dass durch das neue Modell mehr Derbys möglich würden. Ein Problem seien allerdings künftig Spielverschiebungen: „Dass, falls nötig, bei unbespielbarem Platz das Heimrecht getauscht oder das Spiel auf Kunstrasen verlegt werden kann, wird gewöhnungsbedürftig sein“, gibt Beierbeck zu bedenken.

Bereits entschieden hat sich der ASC Geretsried. „Wir sehen das total positiv und werden dafür stimmen“, sagt Tasso Lasidis, Spielertrainer des ambitionierten Geretsrieder A-Klassenklubs. „In kleinen Gruppen gibt’s viele Derbys, das ist toll für die Spannung und für die Einnahmen. Ich sehe keinerlei Nachteile für die Vereine“, betont Lasidis und ergänzt: „Mir fällt nichts ein, warum man es nicht ausprobieren sollte.“

Ganz ähnlich denkt Andreas Matthäus. „Ich finde das sehr interessant und würde dafür stimmen, es mal auszuprobieren“, sagt der Abteilungsleiter und Chef-Trainer des SV Eurasburg-Beuerberg. Einen besonderen Reiz habe das neue Modell „gerade für Mannschaften, die im Winter im Mittelfeld dümpeln, bei denen die Luft eigentlich raus ist, die hätten nun noch mal einen neuen Ansporn im Frühjahr. Und die Variante mit Playoffs in der Relegation ist auch reizvoll.“ Vor einer endgültigen Entscheidung, werde er aber noch die Meinung seiner Stellvertreter in der Abteilungsleitung, Seppi Geiger und Sepp Mair, einholen und hören, was die Spieler dazu sagen.

Er habe „derzeit noch keine Meinung“, gesteht Rainer Größwang. „Darüber sollen sich auch noch die Trainer und Spieler Gedanken machen. Dann werden wir das noch mal bereden“, sagt der Fußball-Abteilungsleiter des SC Gaißach.

Auch beim SV Wackersberg lässt man sich mit der Entscheidung noch Zeit. Er habe sich noch nicht wirklich damit befasst, sagt Abteilungsleiter Hans Kaltenhauser. Er verhehlt aber auch nicht, dass ihm die neue Spielform „nicht gefällt. Ich weiß nicht, warum man was ändern muss und denke, wir sollten weitermachen wie bisher“, sagt Kaltenhauser.

Skeptisch betrachtet Franz Pölt, beim TSV Benediktbeuern zuständig für Verbandsangelegenheiten, die Überlegungen der BFV-Funktionäre. „Grundsätzlich ist es richtig, was Neues auszuprobieren. Der Motivation kommt das sicher zugute“, so Pölt. Andererseits: „Fußball ist ein einfaches Spiel, mit einem Ball und zwei Toren. Warum muss man das ändern? Wird’s dadurch spannender? Ich sehe nicht den Riesenvorteil.“ Und zudem habe das Modell einen erheblichen Nachteil: Alle Spiele der ersten Saisonhälfte müssen bis Ende November gespielt sein. „Aber Spielverlegungen wird es in unserer klimatischen Zone immer mal geben“, gibt Pölt zu bedenken.

Lange Urlaube im August sind ein großes Handicap

Dieses Problem, wenn auch aus einem anderen Grund, beschäftigt auch Alem Muharemovic. Viele seiner Spieler seien im August im Urlaub, erläutert der Fußball-Abteilungsleiter des SC Rot-Weiß Bad Tölz. Das könnte sich bei der neuen Spielform als Handicap erweisen. Zwar habe das neue Modell auch seinen Reiz. „Besonders die Playoffs haben ihren Charme“, sagt Muharemovic. Aber die Entscheidung müsse die Mannschaft treffen. „Wir werden am Wochenende noch mal reden, aber derzeit ist die Tendenz, es so zu lassen, wie es ist. Es müssen alle überzeugt sein: Egal, ob wir für Ja oder für Nein stimmen.“

Dieser Meinung ist auch Anita Kape, die mit ihrem Verein Olympic Geretsried ein ähnliches Problem hat. Von der mit vielen Südländern bestückten Mannschaft sind traditionell drei Viertel im August im Heimaturlaub. „Das Modell klingt interessant, hat seinen Reiz“, sagt Kape, die sich eine abschließende Meinung erst bilden will, wenn die Mannschaft sich auch dazu geäußert hat. „Klar ist aber“, so die Olympic-Chefin: „Diese Entscheidung müssen alle mittragen.“

FC Weidach hat bereits für das neue Modell gestimmt

Seinen Stimmzettel schon abgegeben hat der 1. FC Weidach. „Ich war anfangs skeptisch“, erklärt Stefan Huschka. Aber nachdem er sich intensiver damit beschäftigt und sich mit Trainer, Vorstand und Spielerrat besprochen habe, stehe er dem Projekt offen gegenüber. „Man muss es einfach mal versuchen, um zu sehen, wie es sich in der Praxis bewährt“, sagt der Sportliche Leiter des A-Klassisten. Deshalb habe man für das neue Modell gestimmt – allerdings auch für eine klassische Relegation mit Hin- und Rückspiel statt „Best of three“-Modus.

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