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Wettkämpfe erst wieder im Herbst? Thea Heim hat gute Erinnerungen an den Grazer Halbmarathon. Im Oktober 2019 siegte sie mit knapp zwei Minuten Vorsprung auf Lokalmatadorin Eva Wutti und wurde im Ziel mit einem Konfetti-Feuerwerk empfangen.

Langstreckenläuferin aus Sachsenkam

Trotz Olympia-Absage: Thea Heim in keinem Motivationsloch

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Geretsried/Sachsenkam - Für manche bricht die Welt zusammen, für Thea Heim bleibt alles wie bisher: Die Olympia-Absage ändert nichts an den Zielen der Langstrecken-Läuferin. 

Norman Feiler ist im Stress. Die Corona-Krise bekommt auch der 50-jährige Langstreckenläufer und Trainer aus Geretsried hautnah zu spüren. Gottlob nicht mit Husten, Fieber und Atemnot. Es glüht nicht der Kopf, sondern lediglich das Mobiltelefon in seiner Hand. „Das Wort Stress mag ich eigentlich nicht“, stellt Feiler klar, „aber derzeit gibt es eben viel zu besprechen und neu zu koordinieren.“ Feiler betreut rund ein Dutzend Läufer des von ihm ins Leben gerufenen TNT Eibl-team Isartal. Aushängeschild der Gruppe ist Thea Heim. Die Top-Athletin aus Sachsenkam hat sich in den vergangenen Jahren auf Halbmarathon und Marathon spezialisiert und ist auf diesen beiden Langdistanzen in der Bestenliste 2019 des Deutschen Leichtathletik-Verbands jeweils auf Platz acht gelistet. Da die 42,195 Kilometer auf dem olympischen Programm stehen, hatte die 27-Jährige berechtigte Hoffnungen bei den Spielen „Tokyo 2020“ zu starten.

Video-Konferenz mit DOSB-Präsident Alfons Hörmann

Nun überschlagen sich die Ereignisse im Weltsport seit Tagen. Nach und nach wurden alle größeren und kleineren Sportereignisse abgesagt oder verschoben: Champions League, Formel 1, Fußball-EM und am vergangenen Samstag schließlich auch die Eishockey-WM in der Schweiz. Das letzte der noch nicht tangierten Großereignisse waren die Olympischen Spiele in Tokio (24. Juli bis 9. August). Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wollte eisern daran festhalten; nicht zuletzt deshalb, weil Japans Premier Shinzo Abe eine Verschiebung ablehnte. Die olympische Flamme war bereits im Norden des Landes eingetroffen. Seit dem Wochenende bröckelte die Front der Olympia-Befürworter – vor allem, weil angesichts der globalen Corona-Pandemie die beiden großen Olympia-Nationen Kanada und Australien die Entsendung eines Olympia-Teams in diesem Sommer ausgeschlossen hatten. Dienstagnachmittag nun der Paukenschlag: Erstmals in der 124-jährigen Geschichte der Olympischen Spiele wird dieses weltweit größte Sportevent auf den Sommer 2021 verschoben.

Norman Feiler ist Coach von Thea Heim und selbst Langstrecklerläufer

Am Samstagabend hatte nun Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) zusammen mit Max Hartung (Präsident der Vereinigung Athleten Deutschland) und Britta Heidemann (Mitglied der IOC-Athletenkommission) rund 200 deutsche Top-Sportler zur Video-Konferenz geladen, um die Stimmung im Athletenlager zu sondieren. Mit dabei auch Thea Heim, die auf der sogenannten Longlist des DOSB steht, also jener Liste mit aussichtsreichen Kandidaten, deren endgültige Quali aber noch aussteht. „So ein Szenario gab’s noch nie“, berichtet Feiler, „das ist ur-demokratisch und ein starkes Signal an die Athleten, dass man nicht etwas hinter verschlossenen Türen entscheidet.“

Jedenfalls, so Feilers Eindruck, habe man Hörmanns Verärgerung über die Verzögerungstaktik des IOC deutlich heraushören können. „Aber vielleicht war’s auch ein politischer Schachzug.“ Politik hin, Schach her – nun ist die Verschiebung jedenfalls amtlich. „Die nunmehr schnelle und klare Entscheidung zur Verschiebung der Olympischen und Paralympischen Spiele ist ein richtiger und enorm wichtiger Schritt für den internationalen Sport und die gesamte Weltgemeinschaft“, ließ Hörmann in einer Stellungnahme des Deutschen Olympischen Sportbunds verlautbaren. „Das hilft vor allem den Athleten, indem es den Trainings- und Qualifikationsdruck in dieser schwierigen Phase nimmt.“

Heim auf Instagram: Durchführung der Spiele wäre „unverantwortlich“

Groß ist auch die Erleichterung bei Thea Heim, die bereits vor zwei Wochen auf ihrem Instagram-Account die Durchführung der Olympischen Spiele als „unverantwortlich“ gegeißelt hatte. „Da haben mich noch alle ausgelacht. Aber diese Entscheidung war längst überfällig, schließlich geht es um die Gesundheit der Sportler. Außerdem hatten ohnehin schon einige Nationen abgesagt. Deutschland hätte bald nachgezogen. Denn vom DOSB haben wir einen Umfragebogen bekommen, mit dem die Stimmungslage unter uns Athleten ausgelotet worden ist. Die war nicht unbedingt pro Olympia“, tat die 27-Jährige gestern Nachmittag aus ihrem Home Office kund. Die IT-Spezialistin ist in Vollzeit bei Allianz Deutschland in Unterföhring angestellt und leitet ein 15-köpfiges Projektteam zur Digitalisierung des Konzerns. Ihre profihafte Sportkarriere läuft quasi nebenher. Das wird sie auch trotz der erzwungenen Wettkampfpause. Die EM in Paris Ende August ist zwar noch nicht offiziell abgesagt, aber alles deutet darauf hin. „Wir werden also jetzt für einen Marathon im Herbst planen“, gibt sich Coach Feiler pragmatisch.

Doch wie füllt man ein Motivationsloch, wenn ein Event, auf das man jahrelang hintrainiert hat, plötzlich wegbricht? „Ich habe überhaupt kein Motivationsloch“, versichert Heim. Sie brauche das Laufen zum Ausgleich neben ihrem Job, und auch die Herzlichkeit der Läufer-Community bei den Wettkämpfen gibt ihr viel. Coach Feiler sekundiert seiner Athletin: „Der Antrieb ist immer, eine Topzeit im Marathon zu laufen. Deshalb sind wir weder auf Olympia noch ein sonstiges Großereignis fixiert.“

Somit kann Heim die wettkampflose Zeit gelassen überbrücken. Ein wenig Furcht treibt sie gleichwohl um. „Ich hoffe, dass es nicht zu einer rigorosen Ausgangssperre kommt, bei der man gar nicht mehr vor die Türe darf. Ein Leben ohne Laufen und ohne Laufband in der Wohnung – der Horror.“

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