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Übung macht den Vizemeister: Tim Eisenbraun aus Gaißach im Geschicklichkeitsparcours.

Rasanter Ritt nach langem Schlaf

Wackersberg - Dreifach-Weltmeister David Weichenberger fuhr am Blomberg Tagesbestzeit, Sebastian Niedner wurde Deutscher Meister.

Schon vom Rennausgang her war bei den 4. Offenen Deutschen Meisterschaften der Einradfahrer einiges geboten. Während sich bei den Männern die Favoriten durchsetzten, gab es bei den Frauen eine Überraschung. Im Downhill, also dem Abfahrtsrennen, das am Wochenende erstmals am Blomberg ausgetragen wurde, gewann die junge Darja Schlote aus Hennef. Sie düpierte sogar die amtierende Weltmeisterin Jana Lehnert.

Bei den Männern hingegen siegte erwartungsgemäß der dreifache Weltmeister in dieser Disziplin, David Weichenberger. Der 26-jährige Student aus Innsbruck fuhr Tagesbestzeit vor Sebastian Niedner, womit der aus Dietramszell stammende Münchner als bester deutscher Fahrer auch Deutscher Meister wurde.

Erfolgreiche Freunde: Dreifach-Weltmeister David Weichenberger (li.) fuhr am Blomberg Tagesbestzeit, Sebastian Niedner (re.) wurde Deutscher Meister.

Einradfahren – nur ein Sport für Zirkusartisten, Gaukler oder kleine Mädchen mit Zöpfen? Weit gefehlt, es geht auch anders. Was auf diesem Sportgerät alles möglich ist, demonstrierten die Athleten am Sonntag beim Höhepunkt der dreitägigen Veranstaltung am Tölzer Hausberg eindrucksvoll. Vom Blomberghaus ging es über Stock und Stein auf der vier Kilometer langen Strecke hinunter bis zum Ziel nahe der Talstation. Wie Rodeo-Reiter halten sich die Gravity-Piloten beim Downhill mit einer Hand am Sattel fest, während die andere Hand zum Ausbalancieren in der Luft kreist. Ein irrer Anblick für die zahlreichen Zuschauer an der Strecke. Eine Pause können sich die Piloten während ihrer holprigen Fahrt nicht gönnen: Immer müssen sie mittreten. Je rasanter es bergab geht, desto schneller rotieren auch die Pedale. Denn einen Freilauf wie bei Mountainbikes oder Rennrädern gibt es auf dem einrädrigen Gefährt nicht. Genauso wenig wie eine Schaltung. Einrad-Downhiller haben nur einen Gang.

Natürlich gehört auch eine Portion Mut dazu, die Abfahrt im steilen Gelände zwischen Bäumen, Wurzeln und Felsbrocken in Angriff zu nehmen. Die Strecke am Blomberg war freilich genau nach dem Geschmack der meisten Teilnehmer. Weltchampion Weichenberger lobte die Location: „Das Schöne und Schwierige hier ist, dass es nicht allzu steil ist. Die Geschwindigkeit wird deshalb nicht automatisch recht hoch, und so ist mehr Können für Sprünge und Hindernisse erforderlich.“

Um für diese Aufgaben gewappnet zu sein, durften die Teilnehmer an den Tagen davor bereits in einem Fun- und Geschicklichkeitsparcours üben. Die Startreihenfolge für das Abfahrtsrennen wurde in einer Qualifikation ermittelt. Die Schnellsten gingen am Renntag als erste auf die Strecke. Tim Eisenbraun passierte dabei das gleiche Missgeschick wie im Skiweltcup mehrmals Bode Miller: Er verschlief die Quali. Mit der letzten Startnummer musste der einzige Einradler aus der Region das Rennen aufnehmen. Der seit einem Jahr in Gaißach lebende Eisenbraun fuhr ein beherztes Rennen und holte sich Silber.

Von Hans Demmel

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