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Beflügelt vom Gefühl des Sieges: Andreas Seewald baute seinen Vorsprung in der zweiten Rennhälfte kontinuierlich aus. Nach sechs Stunden erreichte der Lenggrieser das Ziel in Grimentz mit großem Vorsprung.Marathon-WM:Seewald spekuliertauf Top-Fünf

Der größte Erfolg

Der Sieg beim „Grand Raid“ gleicht einem Ritterschlag

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Der Lenggrieser Andreas Seewald siegt beim Marathon-Klassiker im Wallis. Im Ziel hat er zehn Minuten Vorsprung auf den zweitplatzierten Vorjahressieger Samuele Porro.

Verbier/Lenggries – Bisher war Andreas Seewald nicht sonderlich gut auf den „Grand Raid“ zu sprechen. Zweimal nahm das Lenggrieser Mountainbike-Ass den Marathon-Klassiker in der Südwest-Schweiz in Angriff; zweimal ging ihm buchstäblich die Luft aus. Das lag freilich nicht an den sagenhaften Streckendaten. Mit 125 Kilometern von Verbier nach Grimentz und 5050 Höhenmetern entlang der Walliser Alpenkette ist der große Ritt eines der anspruchsvollsten Mountainbike-Rennen in Europa und vom Ansehen das Nonplusultra. Doch 2014 und das Jahr darauf machten einige Reifenpannen Seewalds gute Rennen mit unbedeutenden Platzierungen unter den Top 50 zunichte.

Bei der 29. Auflage am vergangenen Samstag wagte sich der Teamfahrer von Rocklube Revolution Racing erneut an die Startlinie im Walliser Nobelort Verbier. Der Auftritt war generalstabsmäßig vorbereitet. Zusammen mit Bruder Martin, Teamkollege Dominik Schweiger und zwei Betreuern ging’s in die Schweiz. Mit zwei anderen Teams (Bixs und Thömus) wurde der gemeinsame Betreuungsplan abgesprochen. „So wurden sieben Fahrer von zehn Helfern betreut“, berichtet Seewald. „Ein wahrer Luxus und eine zusätzliche Motivation für mich, im Rennen Vollgas zu geben.“

Offenbar hatte Seewald den Formaufbau auf diesen Saisonhöhepunkt perfekt hingekriegt. Vom Start weg fühlte Seewald seine guten Beine und hielt sich an der Spitze des hochklassigen Feldes zusammen mit Vorjahressieger Samuele Porro, dem zweifachen deutschen Marathon-Meister Karl Platt und dem mehrfachen Weltmeister Christoph Sauser. Nachdem die erste Abfahrt heil überstanden war, lancierte Seewald die erste Attacke und machte von da an an jedem Anstieg Druck. So wurde die Spitzengruppe Fahrer um Fahrer dezimiert. Den entscheidenden Nadelstich setzte der Lenggrieser nach rund 60 Kilometer. „In einem kurzen Anstieg hat auch Porro abreißen lassen, nach nicht einmal der Hälfte der Renndistanz“, wunderte sich der Isarwinkler und hütete sich, den Italienischen Meister und Vize-Europameister in der darauffolgenden Flachpassage herankommen zu lassen.

Zu diesem frühen Zeitpunkt wegzufahren, barg zwar ein gewisses Risiko, aber Seewalds Gefühl sagte ihm, dass an diesem Tag alles klappen würde. „Zumal ich bei diesen extrem langen Rennen in der zweiten Hälfte meine Stärken ausspielen kann“, so Seewald. Das Gefühl trog nicht: Die Beine blieben stark, die Reifen hielten dicht, und das Gefühl, diesen epischen Marathon gewinnen zu können, beflügelten Seewald zusätzlich.

Da war selbst die Schiebepassage zum Pas de Lona (2787 m) – eine Rampe so steil, dass man meint, ins Himmelreich aufzusteigen – ein Klacks. Jetzt galt es nur noch, die Nerven zu behalten und nicht unnötig viel in der Abfahrt zu riskieren. „Das gelang mir mit der viertschnellsten Abschnittszeit“, strahlte Seewald im Ziel, wo er nach sechs Stunden rund zehn Minuten Vorsprung auf den Vorjahressieger Samuele Porro herausgefahren hatte. „Den Grand Raid zu gewinnen, gleicht einem Ritterschlag in der Marathon-Szene. Auf jeden Fall ist es mein bisher größter sportlicher Erfolg.“

Einen möglicherweise noch prestigeträchtigeren könnte Andreas Seewald Mitte September bei der Marathon-WM in Auronzo (Venetien) einfahren. „Ein Top- Ten-Platz ist auf jeden Fall drin“, glaubt der Lenggrieser. „Wenn alles so zusammenpasst wie beim Grand Raid, kann ich vielleicht sogar unter die Top-Fünf fahren.“

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