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Volksfest auf 3000 Metern: Kletzenbauer
fasziniert von Patrouille des Glaciers

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Von: Wolfgang Stauner

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Volksfeststimmung auf der Rosa Planche: Mit Kuhglocken und Applaus feuern die Fans die müden Bergsteiger auf dem letzten Buckel an – in der Mitte das Bundeswehr-Duo Thomas Kletzenbauer und Johannes Sossau.
Volksfeststimmung auf der Rosa Planche: Mit Kuhglocken und Applaus feuern die Fans die müden Bergsteiger auf dem letzten Buckel an – in der Mitte das Bundeswehr-Duo Thomas Kletzenbauer und Johannes Sossau. © Bundeswehr

Beim Re-Start der Patrouille des Glaciers feiert der Lenggrieser Thomas Kletzenbauer ein starkes Saison-Finish: Seine Bundeswehrstaffel wird siebte von 192 gezeiteten Teams.

Zermatt/Lenggries – Die Weltcup-Saison haben die Skibergsteiger längst abgeschlossen. Nun beendete ein absoluter Klassiker die gesamte Wettkampf-Saison: die Patrouille des Glaciers (PdG) in der Schweiz. Diese Patrouille militärischen Ursprungs für Dreier-Seilschaften ist neben dem Trofeo Mezzalama – beide werden im Jahreswechsel ausgetragen – eine der härtesten Herausforderungen auf Tourenskiern. 57,5 Kilometer durch die Walliser Alpen von Zermatt über Arolla nach Verbier, insgesamt 4386 Höhenmeter im Aufstieg. „Die Patrouille ist die Tour de France der Skibergsteiger“, hat der ehemalige Weltklasse-Athlet aus Benediktbeuern, Toni Lautenbacher, das Rennen einst geadelt.

Das Einteilen der Kräfte ist das A und O

Nach einer durchwachsenen Wettkampfsaison mit einer erstaunlichen Leistungssteigerung beim letzten Weltcup in Flaine war auch Thomas Kletzenbauer beim Re-Start in Zermatt dabei; 2020 musste die PdG wegen Corona pausieren. Die Reichenhaller „Gebirgsjaga“ von Bataillon 231 waren mit insgesamt drei Staffeln in Zermatt angerückt. „Ich war als einziger kein Heeresbergführer. Es hat mich brutal gefreut, dass ich aufgestellt worden bin“, berichtet der 22-jährige Lenggrieser stolz.

Dafür brachte er die Erfahrung von gut zwei Dutzend Weltcups mit. Doch die alleine nützt nicht viel; die Einteilung der Kräfte ist das A und O. Schon der erste Anstieg von Zermatt auf die Tête Blanche überwindet rund 2000 Höhenmeter. „Mehr als jedes Individual-Rennen im Weltcup. Da kann man nicht vom Start weg am Anschlag sein“, erklärt Kletzenbauer.

Ausgekugelte Schulter dezimiert Bundeswehr-Trio

So ging es also um 1 Uhr nachts mit gebremstem Schaum im Schein der Stirnlampen auf die Strecke; im Laufschritt und mit geschulterter Ausrüstung. Pech hatte das Bundeswehr-Team jedoch schon nach wenigen Kilometern, als einer aus dem Trio auf der ersten Laufpassage stürzte und sich die Schulter auskugelte. Oberfeldwebel Johannes Sossau und Kletzenbauer beschlossen, als Duo weiterzumachen. „Damit waren wir aus der offiziellen PdG-Wertung draußen und haben uns keinen großen Stress mehr gemacht“, berichtet der Isarwinkler.

Hurtig geht es dennoch weiter. Kletzenbauer nimmt seinen Kompagnon ans kurze Seil und legt ein höllisches Tempo hinauf aufs Dach der Tour vor: die Tête Blanche auf 3650 Metern. Bei minus 20 Grad mit Windchill halten sich die beiden nicht länger als nötig auf, hastig reißen sie die Felle von den Skiern und stürzen sich in die Abfahrt – 400 Höhenmeter angeseilt bis zum Col de Bertol, danach 1300 Höhenmeter frei bis zur fünften Station: Arolla. Streckenmäßig ist hier die Hälfte geschafft, aber die Strapazen machen sie allmählich bemerkbar. Obendrein hat sich Kletzenbauer am ersten Aufstieg die Finger angefroren.

Doch Zeit zum Jammern bleibt nicht. Denn mit dem Col de Riedmatten und dem berüchtigten Aufstieg zur Rosa Blanche hält die Strecke zwei weitere Scharfrichter parat. Unten stehen die Patrouillen, 200 Höhenmeter weiter oben warten die Fans mit Kuhglocken, Obst und Schokolade. Kletzenbauer ist fasziniert von dem Auftrieb auf fast 3200 Metern. „Unglaublich, was die Schweizer Fans auf der Rosa Blanche für eine Volksfest abziehen.“

Schokolade und Applaus für müde Teams

Auf dem Col de la Chaux, dem letzten Buckel vor der Abfahrt ins Ziel, herrscht wiederum beste Stimmung. Das halbe Wallis steht hier oben, verteilt Früchte und Schokolade und feuert jedes der müden Teams an, als ob es um den Sieg ginge. Das Sieger-Trio hat derweil in Verbier längst den Zielstrich passiert. Es ist das Military Sport Center Austria (7:39 h), bestehend aus drei Weltcup-Athleten – allesamt Kletzenbauer bestens bekannt. Er und Sossau beenden den Wettbewerb unter den 192 gezeiteten Patrouillen auf Platz sieben (10:09 h). „Unter den erschwerten Umständen mit der Verletzung, war’s ein starkes Saisonfinish“, findet der Lenggrieser. „Die PdG ist ein brutal guter Wettkampf.“ Eine künftige Ausgabe würde er indessen gerne mit Kollegen aus dem Weltcup in Angriff nehmen, und „richtig was reißen“. Aus der Bundeswehr scheidet der gelernte Industriemechaniker Ende Mai ohnehin aus – der Skizug wird dann aufgelöst.

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Nach zehn Stunden Schinderei im Ziel: Thomas Kletzenbauer (li.) und Oberfeldwebel Johannes Sossau.
Nach zehn Stunden Schinderei im Ziel: Thomas Kletzenbauer (li.) und Oberfeldwebel Johannes Sossau. © Bundeswehr

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