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Nicht gespielt werden konnte in Schwabhausen, die Halle war zu kalt.

Tischtennis

Halle zu kalt, Punkte futsch

Der TSV Schwabhausen geht völlig ungewollt in die Tischtennis-Geschichtsbücher der Damen-Bundesliga ein. Was ist passiert?

Das für den zurückliegenden Sonntag in der Heinrich-Loder-Sporthalle geplante Heimspiel des Eliteteams aus dem Dachauer Hinterland gegen den amtierenden deutschen Meister TTC Berlin eastside fiel kurzfristig aus, da in der Sporthalle nicht die erforderliche Mindesttemperatur von 15 Grad gemessen werden konnte.

Knapp fünf Stunden vor dem eigentlichen Spielbeginn hatte sich TSV-Abteilungsleiter Helmut Pfeil in der Halle eingefunden. „Ich war erschrocken über die Kälte“, berichtete Pfeil ausgerechnet auch noch an seinem 63. Geburtstag, er nahm umgehend Kontakt mit dem zuständigen Hausmeister auf. Dieser erhöhte sofort die Leistung der Anlage.

„Unsere Halle ist bekanntermaßen relativ kühl. Wir haben eine Warmluftheizung, die die warme Luft aus den Deckenöffnungen in die Halle bläst.“ In Corona-Zeiten sei dies, so Pfeil weiter, durchaus ein Vorteil. „So ist schließlich eine Dauerlüftung vorhanden.“

Aufgrund der niedrigen Außentemperatur benötigt die Anlage derzeit jedoch Zeit, „bis es einigermaßen warm ist. Dazu muss sie praktisch am Maximum arbeiten.“

95 Minuten vor Spielbeginn trafen die Spielerinnen aus dem Landkreis Dachau in der Austragungsstätte ein. Obwohl es deutlich wärmer als noch gut drei Stunden zuvor war, ergab die Messung des Oberschiedsrichters Dr. Torsten Küneth lediglich eine Temperatur von 13,6 Grad.

Helmut Pfeil zeigte sich sprachlos. „Ich kann nicht nachvollziehen, warum bei diesen Temperaturen und dem Wissen um unser Meisterschaftsspiel die Heizung nicht auf vollen Touren eingestellt war.“

Obwohl die Anlage aufgrund des Anrufes von Helmut Pfeil beim Hausmeister höhergestellt wurde, ergaben auch zwei weitere Messergebnisse des Unparteiischen um 12.51 Uhr (14,0 Grad) und 13.03 Uhr (13,8 Grad) nicht den notwendigen Wert.

Aufgrund einer möglichen Verletzungsgefahr weigerten sich die Gäste, die einen Tag zuvor noch mit 5:3 die Neuauflage des Pokal-Endspiels beim SV DJK Kolbermoor gewonnen hatten, in Schwabhausen anzutreten, sie reisten um 13.10 Uhr und damit 50 Minuten vor dem eigentlichen Beginn ab.

Tief enttäuscht und frustriert musste Schwabhausens Abteilungsboss feststellen: „Die frostigen Temperaturen waren bekannt. Unser Spiel war bekannt. Ebenso die Kälteempfindlichkeit der Halle. Warum sich dann die Heizungsanlage nicht im Vollbetrieb befand, ist mir leider noch nicht klar.“

Für die Zukunft hat sich Helmut Pfeil fest vorgenommen, in den Wintermonaten nun jeweils am Morgen vor dem Spiel in die Sporthalle zu fahren, um die Temperatur zu messen.

Doch damit nicht genug: Die Begegnung wird mit 0:8 Spielen und 0:2 Punkten gegen den TSV Schwabhausen gewertet. Außerdem droht dem Verein eine Ordnungsstrafe. Eine Entscheidung trifft Spielleiter Kolja Rottmann (Frankfurt am Main) zeitnah.

„Sportlich gesehen ist das ein Desaster“, stellt Pfeil klar. Der TSV Schwabhausen befindet sich, wie alle sieben Mannschaften, mitten im Kampf um die begehrten sechs Play-off-Plätze. Nach dem 4:4-Unentschieden in Berlin sorgte die am Grünen Tisch kassierte höchste Saisonniederlage für das Team von Trainer Alexander Yahmed zunächst einmal für einen herben Dämpfer. Schließlich gilt am Ende bei Punktgleichheit das Spielverhältnis, das durch die 0:8-Pleite erstmals in der Saison negativ (35:37) ist.

„Mit dem 0:8 sind wir um Meilen in unserem Bemühen, das Saisonziel Play-off-Runde zu erreichen, zurückgeworfen worden. Diese Tatsache und die gesamten Umstände sorgen bei mir für Verzweiflung.“ Nach der Abreise des TTC Berlin eastside griff Pfeil gleich zu seinem Handy und wählte die Rufnummer von Bürgermeister Wolfgang Hörl. „Ich werde ihm kurzfristig die genauen Abläufe schildern und mit ihm zusammen die Gründe für das absolut traumatische und einzigartige Erlebnis erforschen. Einen so außergewöhnlichen Rückschritt in einer bislang eigentlich sehr guten Saison darf es nicht ein zweites Mal geben.“

Sehr schnell muss nun gehandelt werden, denn bereits am kommenden Sonntag, 21. Februar, ist die Heinrich-Loder-Sporthalle erneut Schauplatz eines Heimspiels im deutschen Oberhaus. Dann gastiert der SV DJK Kolbermoor beim TSV, in einer hoffentlich warmen Sporthalle. Marco Steinbrenner

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