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Bonjour Tristesse: Die Kühlaggregate der Kunsteisbahn in Dachau wurden heruntergefahren. 

Eishockey

Blanker Betonboden statt glatte Eisfläche

  • vonMoritz Stalter
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Der Breitensport ist aktuell auf Eis gelegt. Ausgerechnet für die Dachau Woodpeckers (ESV) trifft dies nicht im Wortsinn zu. Auf Beton gelegt müsste es heißen, denn seit Mitte Dezember war auf der Kunsteisbahn erst eine große Pfütze und dann viel Beton zu sehen. Die Stadt hatte die Kühlaggregate abgeschaltet – zur Überraschung der Woodies.

„Die Nachricht hat uns kurz vor Weihnachten zufällig erreicht“, erzählt Stefan Steurer, der erste Vorsitzende der Woodpeckers. Ob es in dieser Saison noch einmal Eishockey in Dachau gibt, wird sich im Januar entscheiden. Für die Para-Eishockeyspieler sieht es düsterer aus.

„Sollten wir wieder spielen dürfen, werden wir uns zusammensetzen. Ich denke aber nicht, dass in dieser Saison noch was möglich ist“, so Steurer. Sicher ist, dass die Deutsche Para-Eishockey Liga in diesem Winter nicht in Dachau spielen wird. Doch das war schon seit längerem klar.

„Selbst, wenn es politisch wieder gehen würde, wäre es nicht realisierbar“, sagt Steurer. Er muss es wissen. Neben seiner Tätigkeit bei den Woodies leitet Steurer seit Sommer 2019 den Fachbereich Para Eishockey im Deutschen Rollstuhl-Sportverband (DRS). „Die Behindertenverbände sind besonders vorsichtig, da viele Sportler zu Risikogruppen gehören“, erklärt Steurer. Auch wurden in dieser Saison noch keine Ligaspiele ausgetragen. Die Hygiene-Konzepte wären aufwändig und schwer realisierbar. Die Gefahr für die Spieler wäre zu groß gewesen.

Die Dachauer Hugo Rädler, Veit Mühlhans und Dustin Rivard konnten ihren Meistertitel also nicht verteidigen, den sie in der vergangenen Saison mit der Spielgemeinschaft Dresden/Dachau eingefahren hatten.

Doch nicht alle Spieler ärgern sich über die Absage der Saison. „Es gibt die Gruppe, die kein Risiko eingehen möchte“, weiß Steurer. Und weiter: „Und dann gibt es die, die spielen möchten.“

Unter ihnen sind Nationalspieler, die mit der deutschen Mannschaft bei der B-Weltmeisterschaft gut abschneiden wollten. Die Vorbereitung war bereits angelaufen. Dann wurde die WM abgesagt. Para-Eishockey wird es in dieser Saison nicht geben.

Die Eishockey-Mannschaften der Woodies standen in dieser Saison bereits auf dem Eis. Das Bezirksliga-Team spielte um Punkte. Ob es eine Fortsetzung geben kann, liegt an der Corona-Entwicklung. Der Bayerische Eissport-Verband (BEV) wird im Januar eine Entscheidung treffen. In Dachau liegt es dann an der Stadt, ob die Kühlaggregate im Stadion am Stadtwald wieder hochgefahren werden.

Sollte es kein Eis geben, hätten die Woodpeckers eine Alternative geschaffen. „Wir haben einen Inline-Boden gekauft. Das ist eine wichtige Weiterentwicklung für den Verein“, erzählt Steurer.

Nach der Eis-Saison wird die Spielfläche des Dachauer Stadions mit Kunststoffmatten ausgelegt. Auf dem Inline-Boden rutscht der Puck deutlich besser als auf der Betonfläche, auch das Laufverhalten und die Bremsmanöver sind darauf näher am Eishockey als es auf Beton der Fall wäre.

„Wir haben vor dem Kauf bei den Spielern nachgefragt. Die Resonanz war positiv“, sagt Steurer. „Das gibt uns neue Chancen. Wir wollen gerade junge Menschen an den Verein binden und das über das ganze Jahr. Und Trockentraining funktioniert auf der Fläche auch besser als auf Beton.“ Sollte es in dieser Saison also kein Eis mehr geben, könnte der neue Inline-Boden früher zum Einsatz kommen – und die Woodies ein neues Kapitel in ihrer Vereinsgeschichte zeitiger aufschlagen.

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