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Am Boden zerstört: Ausgerechnet im Viertelfinale leistete sich die im Grunddurchgang überragende Sabine Winter einige Aussetzer – mit fatalen Folgen für das Schwabhausener Bundesligateam.

Tischtennis

TSV Schwabhausen verpasst das Halbfinale

Die Uhr in der Heinrich-Loder-Sporthalle zeigte am Ostersonntag exakt 16.51 Uhr an, als sich die Tischtennis-Damen des ESV Weil jubelnd in die Armen fielen. Was war passiert?Das Team aus dem Drei-Länder-Eck hatte soeben trotz der 2:6-Hinspielniederlage im Play-off-Viertelfinale gegen den TSV Schwabhausen das Halbfinale erreicht. Der Aufsteiger erzwang zunächst am Karsamstag durch einen 5:3-Sieg in Schwabhausen das dritte und entscheidende Spiel – und auch in dieser Partie, nur 24 Stunden später am gleichen Ort, behielt der Außenseiter mit 5:3 die Oberhand.

Die Enttäuschung beim TSV Schwabhausen war naturgemäß riesengroß, denn der ESV hatte in den vergangenen Jahren, sowohl in der 1. als auch 2. Bundesliga, kein einziges Mal gegen Winter & Co. gewonnen.

Schwabhausen fehltdie letzte Konsequenz

„Der ESV Weil ist verdient in das Halbfinale eingezogen. Bei uns hat die letzte Konsequenz gefehlt“, analysierte TSV-Abteilungsleiter Helmut Pfeil, er verschwieg allerdings auch nicht, „dass wir jetzt, so unmittelbar nach dem Match, natürlich sehr enttäuscht sind. Schließlich haben im zweiten und dritten Spiel nur ein paar Bälle gefehlt.“

Der ESV Weil trifft in der Vorschlussrunde am 9. und 11. April auf den Titelverteidiger TTC Berlin eastside, während für Sabine Winter, Mateja Jeger, Mercedesz Nagyvaradi, Alina Nikitchanka und Orsolya Feher die Saison 2020/2021 beendet ist.

Obwohl das Team aus dem Landkreis Dachau in der Hauptrunde mit 5:3 und 7:1 die Vergleiche mit dem ESV Weil gewonnen hatte, warnte Schwabhausens Trainer Alexander Yahmed seine Mannschaft auch nach dem ersten gewonnenen Play-off-Spiel. „Dieser Gegner ist und bleibt gefährlich für uns. Das wird kein Selbstläufer.“

Die mahnenden Worte fanden anscheinend bei den Spielerinnen nicht ausreichend Gehör. „Bei uns hat das notwendige Quäntchen Glück gefehlt“, versuchte TSV-Spitzenspielerin Sabine Winter nach einem Grund für das Ausscheiden zu suchen. „Es waren Spiele auf Augenhöhe. Vielleicht war Weil am Ende nervlich einfach stärker. Die Mannschaft hatte weniger zu verlieren, weil wir doch ein bisschen die Favoritenrolle besaßen.“ So habe das ESV-Team nach Ansicht von Winter „durchwegs gut gespielt und die Chancen eiskalt genutzt“. Keinesfalls an einer Spielerin wollte Yahmed das Ausscheiden fest machen. Doch eines ist auch klar: Gegen das schwächste obere Paarkreuz der 1. Bundesliga hätten Sabine Winter und Mateja Jeger im zweiten und dritten Spiel mehr als nur drei der acht Einzel gewinnen müssen.

„Doofe Verletzung“beeinträchtigt Winter

Mit einer 16:0-Bilanz ging Savine Winter in die Play-off-Runde. Dass die 28-Jährige nicht zuletzt aufgrund ihrer souveränen 3:0-Siege in der Vor- und Rückrunde gleich dreimal gegen Polina Trifonova im fünften Durchgang verlieren würde, das kam dann doch sehr überraschend für alle; so etwas war aufseiten der Gastgeberinnen nun überhaupt nicht eingeplant. Im Rückspiel fehlten Winter sowohl im vierten als auch fünften Durchgang jeweils nur zwei Punkte zum Matchgewinn. In der Entscheidungspartie lag die deutsche Nationalspielerin im letzten Abschnitt sogar mit 7:1 gegen Trifonova vorne – und hatte am Ende noch das Nachsehen.

Winter analysiert: „Am Samstag war meine Leistung nicht gut. Da war ich enttäuscht von mir. Einen Tag später hätte ich aufgrund einer deutlichen Steigerung den Sieg verdient gehabt.“ In den entscheidenden Phasen des letzten Satzes sei „einfach auch Pech dazu gekommen. Ich habe nicht taktisch dumm oder schlecht gespielt. Es war ein gutes Spiel, von meiner Gegnerin allerdings auch.“

Dass Sabine Winter seit ihrer Rückkehr aus Asien mit einer gebrochenen Rippe spielt, möchte die mehrfache Doppel-Europameisterin nicht erwähnt wissen. Doch für Alexander Yahmed steht fest: „Diese doofe Verletzung hat Sabine schon behindert. Das war deutlich zu sehen. Sie wirkte im Aufschlag-Rückschlag-Spiel unruhiger. Insgesamt konnte sie leider nicht an ihre vor der Asien-Reise gezeigten starken Leistungen anknüpfen.“

Nerven zeigte in den entscheidenden Begegnungen auch Mateja Jeger. Die kroatische Nationalspielerin wirkte nach Beobachtungen ihres Coaches „ein wenig unruhig. Immer wenn es knapp wurde, hat sie an sich gezweifelt und bestimmte Bälle nicht gespielt.“

Dabei hätte die Nummer zwei des TSV eigentlich vor Selbstvertrauen strotzen müssen. Nach einer überragenden Rückrunde mit einer 8:2-Bilanz und zwei Siegen am Gründonnerstag in Weil gewann Jeger zwar im zweiten Vergleich gegen Ievgeniia Sozoniuk zum dritten Mal in dieser Saison mit 3:2, doch gegen Polina Trifonova reichte es gleich zweimal nicht zu einem Erfolg. Hinzu kam auch noch eine Niederlage gegen Sozoniuk in der dritten Play-off-Partie.

Keinesfalls enttäuschend seien die Auftritte von Mercedesz Nagyvaradi, Orsolya Feher und Alina Nikitchanka im unteren Paarkreuz gewesen. Wie Alexander Yahmed allerdings schon nach der Hauptrunde feststellte, „ist Weil an den Positionen drei sowie vier sehr stark besetzt. In den Partien sehe ich leichte Vorteile beim Gegner.“

Die 17-jährige Sophia Klee wuchs am Karsamstag über sich hinaus, sie blieb sowohl gegen Nagyvaradi als auch gegen Feher ohne Satzverlust. Der Sieg von Mercedesz Nagyvaradi gegen Izabela Lupulesku war nur noch ein Erfolg für die Statistik, da die Gäste zu diesem Zeitpunkt bereits mit 5:2 in Führung gelegen waren.

Dagegen blieb Feher im Rückspiel ohne Sieg und wurde 24 Stunden später durch Nikitchanka ersetzt. Die Abwehrspielerin aus Weißrussland hatte auch gegen Lupulesku das Nachsehen, die nach Beobachtungen des ESV-Coaches „abartig gut gespielt hat“.

Langstadt spaziert indie Vorschlussrunde

Keinerlei Spannung kam dagegen im zweiten Play-off-Viertelfinale auf. Der TSV 1909 Langstadt wurde seiner Favoritenrolle eindrucksvoll gerecht. Das Team aus Hessen hatte bereits am Gründonnerstag das Heimspiel gegen den SV Böblingen mit 7:1 gewonnen und ließ keine 48 Stunden später einen 8:0-Sieg folgen.

Petrissa Solja nahm durch einen Vier-Satz-Erfolg gegen die erst 14-jährige Annett Kaufmann Revanche für die einzige Hinspiel-Niederlage. Neben Solja waren auch Dina Meshref, Tanja Krämer sowie Franziska Schreiner erfolgreich. Langstadt gab in den acht Einzeln lediglich drei Sätze ab. Der sportliche Leiter, Manfred Kämmerer, sah eine „klasse Vorstellung“ seines Teams. „Die Mannschaft ist die Aufgabe von Beginn an voll konzentriert angegangen.“ Selbst nach der 4:0-Führung, als der Einzug in die Vorschlussrunde bereits perfekt war, „sind die Spielerinnen fokussiert geblieben. Jede wollte unbedingt noch den zweiten Einzelsieg“, ergänzte TSV-Trainer Thomas Hauke.

Im Halbfinale am 9. und 11. April wartet mit dem SV DJK Kolbermoor der Zweitplatzierte nach der Hauptrunde auf den TSV 1909 Langstadt. „Wir freuen uns auf das Duell und wollen den Favoriten ein bisschen ärgern“, blickt Krämer voraus. Marco Steinbrenner

Stenogramm

Play-off-Runde, Viertelfinale

Entscheidungsspiel

TSV Schwabhausen - ESV Weil 3:5

Sabine Winter - Polina Trifonova 2:3 (14:16, 11:3, 11:8, 8:11, 10:12), Mateja Jeger - Ievgeniia Sozoniuk 1:3 (11:13, 13:11, 9:11, 7:11), Mercedesz Nagyvaradi - Sophia Klee 3:0 (11:5, 11:6, 11:5), Alina Nikitchanka - Izabela Lupulesku 1:3 (11:8, 6:11, 8:11, 10:12), Sabine Winter - Ievgeniia Sozoniuk 3:1 (5:11, 11:8, 11:8, 11:6), Mateja Jeger - Polina Trifonova 2:3 (11:9, 5:11, 12:14, 11:7, 4:11), Mercedesz Nagyvaradi - Izabela Lupulesku 1:3 (6:11, 4:11, 11:5, 13:15), Alina Nikitchanka - Sophia Klee 3:2 (7:11, 9:11, 11:5, 13:11, 11:6)

Viertelfinal-Rückspiele

TSV Schwabhausen - ESV Weil 3:5

Sabine Winter - Polina Trifonova 2:3 (6:11, 11:8, 11:7, 10:12, 9:11), Mateja Jeger - Ievgeniia Sozoniuk 3:2 (11:9, 9:11, 11:6, 3:11, 11:9), Mercedesz Nagyvaradi - Sophia Klee 0:3 (9:11, 7:11, 6:11), Orsolya Feher - Izabela Lupulesku 2:3 (6:11, 6:11, 12:10, 14:12, 3:11), Sabine Winter - Ievgeniia Sozoniuk 3:0 (11:4, 11:5, 11:5), Mateja Jeger - Polina Trifonova 0:3 (8:11, 8:11, 3:11), Mercedesz Nagyvaradi - Izabela Lupulesku 3:1 (12:10, 11:9, 9:11, 11:6), Orsolya Feher - Sophia Klee 0:3 (9:11, 8:11, 4:11)

SV Böblingen - TSV 1909 Langstadt 0:8

Annett Kaufmann - Dina Meshref 1:3 (6:11, 11:9, 8:11, 9:11), Mitsuki Yoshida - Petrissa Solja 0:3 (5:11, 12:14, 6:11), Rosalia Behringer - Franziska Schreiner 0:3 (7:11, 11:13, 9:11), Alexandra Kaufmann - Tanja Krämer 1:3 (4:11, 11:5, 8:11, 1:11), Annett Kaufmann - Petrissa Solja 1:3 (11:7, 9:11, 8:11, 8:11), Mitsuki Yoshida - Dina Meshref 0:3 (13:15, 5:11, 11:13), Rosalia Behringer - Tanja Krämer 0:3 (5:11, 1:11, 11:9, 9:11), Alexandra Kaufmann - Franziska Schreiner 0:3 (7:11, 7:11, 9:11)

Halbfinale (9./11. April)

TSV Langstadt - SV DJK Kolbermoor
ESV Weil - TTC Berlin eastside

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