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Auch optisch eine Granate: Mit diesem LMP3-Boliden mit 5,5 Liter-V8 Motor (Le-Mans-Prototyp) war Dominik Schwager noch im vergangen Oktober auf der Rennstrecke. „950 kg treffen auf 460 PS“, grinst der Racer, der heuer einen ambitionierten Gentleman Driver coacht.

Motorsport

„Fernöstliche Rennserien erweitern den Horizont“

  • Rolf Gercke
    vonRolf Gercke
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Als die Leser der Heimatzeitung Dominik Schwager Anfang der 1990er Jahre erstmals zum „Dachauer Sportler des Jahres“ wählten, galt der aus Eisenhofen im Landkreis Dachau stammende Kart-Junior als eines der ganz großen Motorsport-Talente in Deutschland. Es war der Beginn einer glanzvollen Karriere, die ihn bis in die hintersten Winkel des Erdballs führte. Die Heimatzeitung hat sich mit dem seit zehn Jahren in München wohnenden Dominik Schwager, der in seinen Anfangsjahren in Dachau und Umgebung ungemein populär war, unterhalten.

Kontinuierlich arbeitete sich der heute 44-jährige Rennfahrer in die Erwachsenen-Rennklassen vor, über die deutsche Formel-BMW-Meisterschaft, die deutsche Formel-3-Serie landete er 1998 in der FIA Fornel-3000-Meisterschaft, in der er elf von zwölf Rennen für das Team Oreca in einem Lola bestritt.

Es folgte der nächste große Schritt, Dominik Schwager wagte als 22-Jähriger den Sprung nach Japan; dort bestritt er zwischen 1999 und – mit Unterbrechungen – 2008 etliche Rennen in der Formel Nippon und in der japanischen GT-Meisterschaft.

Nach seiner Rückkehr nach Europa ward der mittlerweile ungemein erfahrene und vielseitig ausgebildete Rennfahrer in allen möglichen Rennserie gesehen, vorwiegend in der GT-Klasse und in Langstreckenrennen.

Als es so richtig gut lief, Dominik Schwager startete im Jahr 2018 in der ADAC-GT-Masters-Serie, dem Blancpain GT-Langstreckencup und in der internationalen GT-Open-serie der Pro/Am-Klasse, wurde er jäh ausgebremst: bei einem Unfall in einem Privatwagen zog er sich auf dem Weg zu einem Rennen in Südfrankreich schwerste Kopfverletzungen zu. Es folgten dreieinhalb Wochen in französischen und deutschen Kliniken, danach eine lange Phase der Erholung in den eigenen vier Wänden.

Mittlerweile ist Dominik Schwager als Coach/Instructor für aktive und angehende Rennfahrer tätig, ein Job, der ihm sehr viel Spaß bereitet und in dem er natürlich auch aus seinem reichen Erfahrungsschatz schöpfen kann. „Heuer teilte ich mir ein Auto nicht mit einem weiteren Pro Driver sondern mit einem ambitionierten Amateur-rennfahrer, der das Projekt finanziert und dem ich dabei helfe, seine Fahrtechnik sowie seine sogenannte ,race craft‘ zu verbessern. Denn er kann natürlich nicht, so wie ich, auf 25 Jahre Erfahrung aus dem Rennsport zurückgreifen.“

Stichwort Corona: Wie sehr hat sich die Pandemie auf dein Leben ausgewirkt – privat und beruflich?

Dominik Schwager: Ich vergleiche das mal mit anderen Berufszweigen wie der Veranstaltungsbranche. Wenn nichts passiert, dann sind wir arbeitslos. Die laufenden Kosten müssen natürlich gedeckt werden, da sind schnell ein paar tausen Euro Erspartes weg. Dass der Rennsport im Sommer nach dem ersten Lockdown unter strengen Auflagen wieder aufgenommen werden konnte war für die gesamte Branchen unheimlich wichtig, aber ein Dauerzustand ist das natürlich nicht.

Was hat Dir das frühe tolle Abschneiden bei der Sportlerwahl der Dachauer Nachrichten, bei der Du regelmäßig prominente Aktive aus weitaus populäreren Disziplinen distanziert hat, gegeben?

In erster Linie war es eine Anerkennung meiner gezeigten Leistungen. Nicht alle Motorsportserien stehen so unter Beobachtung wie die Formel 1, auch wenn diese anderen Meisterschaften genauso hochprofessionell und zielgerichtet organisiert werden wie die Königsklasse. Deshalb ist für die Aktiven, auch wegen der Sponsorensuche, ein regelmäßiger Auftritt in den lokalen Medien so wichtig.

Du hast sehr früh Europa verlassen und in Japan Dein Glück gesucht. Hast Du es dort auch gefunden?

Ich glaube, es ist grundsätzlich immer gut, mal abseits der eingefahrenen Spuren etwas zu wagen. In einem so fremden Land, einem so fernen Kontinent zu leben und zu arbeiten, das öffnet den Horizont. Man merkt, Bayern, Deutschland oder Europa ist nicht die Welt, da gibt es noch so viel mehr, das es zu entdecken gilt. Die Problematiken divergieren. Ein paar Flugstunden – und schon ist man in einer anderen Welt, einem völlig anderen Umfeld.

Deine Eltern leben nach wie vor im Dachauer Hinterland, verfolgst Du das Geschehen, auch was den Motorsport betrifft, in Deiner Heimat?

Natürlich, das ist ja mein Beruf, dass ich informiert bin und bleibe. Ich kenne die Renauer Brüder gut und freue mich, wenn sie selbst oder mit ihren Kundenprojekten Erfolg haben. Ich bin im Jahr 2006 eine Saison im Carrera Cup bei Herberth Motorsport gefahren und habe später im GT Masters nochmals einen Gaststart bei dem Team gemacht.

Erinnerst Du dich noch an Details von Deinem schweren Unfall im Jahr 2018?

Kaum, aber ich hatte wirklich Glück im Unglück. Die Kopfverletzungen waren schwer, 99 Prozent hätten diesen Unfall wohl nicht überlebt. Dass ich mich so gut erholt habe und sogar in meinen geliebten Beruf zurückkehren konnte, dafür bin ich sehr dankbar.

Das Gespräch mit Dominik Schwager führte unser Sportredaktuer Rolf Gercke.

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