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Koch: "Sitzen alle gemeinsam in einem Boot"

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Ein Mann mit Visionen: BFV-Präsident Dr. Rainer Koch.
Ein Mann mit Visionen: BFV-Präsident Dr. Rainer Koch. © sampics

München - BFV-Präsident Dr. Rainer Koch spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über den Amateurfußball. Er sieht gute Zufkuntsaussichten für die Freizeitkicker.

Am Samstag startet der Bayerische Fußball-Verband (BFV) mit dem Kreistag Coburg/ Kronach in sein Wahljahr 2014. Bei 24 Kreistagen (Kreis München am Montag, 10. März, im Bürgersall Haar), sieben Bezirkstagen und dem Verbandstag stellt sich der BFV für die nächsten vier Jahre personell und inhaltlich neu auf. Vor dem Auftakt sprach BFV-Präsident Dr. Rainer Koch mit der Heimatzeitung über seine Erwartungen, die Schwerpunkte auf den Kreistagen und die Herausforderungen für den Amateurfußball. Koch fordert die Vereine auf, zum Kreistag zu kommen und sich einzubringen.

Das Motto im BFVWahljahr lautet „Verband und Vereine – Pro Amateurfußball“. Was steckt dahinter?

Wir wollen sagen: „Der Amateurfußball lebt und hat durchaus gute Zukunftsaussichten!“ Schließlich setzen sich in über 4500 bayerischen Fußballvereinen viele Tausend Mitarbeiter für ihren Klub und damit für den Amateurfußball ein. Hinzu kommen rund 800 ehrenamtliche und rund 70 hauptamtliche Mitarbeiter im BFV. Der Verband ist der Zusammenschluss aller Vereine. Wir sitzen alle gemeinsam in einem Boot, wir haben alle das gleiche Ziel: Wir wollen, dass unsere Vereine erhalten bleiben und optimistisch nach vorne schauen können. Das schaffen wir nur, wenn wir zusammen „Pro Amateurfußball“ sind. Das Motto ruft deshalb zu Geschlossenheit und einem gemeinsamen leidenschaftlichen Engagement für den Amateurfußball auf.

Ende Januar beginnen die Kreistage. Was sind die Schwerpunkte bei den Veranstaltungen?

Wir werden Bilanz ziehen und Rechenschaft ablegen über die Arbeit der letzten vier Jahre. Nie zuvor in seiner Geschichte hat der BFV mehr in Service- und Dienstleistungen für die Vereine an der Fußballbasis investiert. Die seit dem letzten Verbandstag mit jährlich einer Million Euro ausgestattete Kampagne „Pro Amateurfußball“ hat sich zum wichtigsten Zukunftsprojekt für den Amateurfußball entwickelt. Darüber werden wir berichten und unsere nächsten Vorhaben aufzeigen. Herausforderung Nummer eins ist für mich die demografische Entwicklung und der daraus resultierende unvermeidbare Mannschafts- und Spielerrückgang. Wir brauchen Lösungen für den Umgang des Fußballs mit der Ganztagsschule und den Schwierigkeiten bei der Gewinnung neuer ehrenamtlicher Mitarbeiter für die Vereins- und Verbandsarbeit. Daneben stellen wir uns natürlich auch personell neu auf. Die Vereine wählen auf den Kreistagen die gesamte BFV-Kreisspitze neu. Wir brauchen Geschlossenheit und Miteinander! Wie schon vor vier Jahren werden deshalb auch dieses Mal die Vereine auf den Kreistagen wieder aktiv in Meinungsbildungsprozesse des Verbandes eingebunden

Das heißt konkret?

Dass wir unsere Vereine bei allen Kreistagen zum Beispiel nach ihrer Meinung zu möglichen Veränderungen im Spielbetrieb fragen. Ganz konkret zu vier Diskussionspunkten: Einem erweiterten Zusatzspielrecht im Senioren-/ Hallen- und Freizeitfußball, flexiblen Mannschaftsgrößen in den unteren beiden Spielklassen, einem freiwilligen Spielklassenwechsel in eine niedrigere Liga sowie einer bayernweiten Einführung der Fair-Play-Liga im U9-Bereich. 

Die Fair-Play-Liga wurde in einer Pilotphase getestet. Ohne Schiedsrichter, die Trainer in einer Coaching-Zone und die Eltern zurückversetzt in einen Zuschauerbereich – wie ist Ihre Meinung dazu?

Ich bin ein klarer Befürworter. Wir haben die Fair-Play- Liga nicht erfunden. Anderswo in Deutschland gibt es das schon seit einigen Jahren. Meine Kollegen dort berichten mir, dass es ohne Probleme funktioniert. Die Kinder können ohne Druck von außen spielen, haben so mehr Spaß am Fußball. Und um noch ein Missverständnis aus der Welt zu räumen: Wir wollen die Fußballplätze nicht zu einer Eltern- oder Zuschauerfreien Zone erklären. Natürlich sollen die Mütter und Väter bei den Spielen ihrer Kinder weiter mitfiebern. Möglicherweise haben sie ja sogar mehr Spaß, wenn sie während des Spiels gemeinsam mit den anderen Eltern zuschauen und dabei vielleicht sogar einen Kaffee zusammen trinken. Eine Gegenfrage: Haben Sie schon einmal Eltern am Spielplatz erlebt, die dauernd neben der Schaukel oder Rutsche stehen und den Kindern brüllend zurufen, wo, wie und mit wem sie als nächstes zu spielen haben? Ich nicht! Die Debatte um die Fair-Play-Liga erinnert mich ein wenig an einige emotionale Diskussionen zum Thema Rückwechseln vor vier Jahren. Wir hatten uns damals zu einer Sachdiskussion mit den Vereinen entschlossen und am Ende hat die Mehrheit der Vereine zugestimmt. Heute gehört das Rückwechseln ganz selbstverständlich zum Spiel dazu. 

Wieso sollten die Vereine Ihrer Meinung nach zum Kreistag kommen?

Der Amateurfußball wird immer dann besonders wahrgenommen, wenn er sich geschlossen und in großer Zahl äußert. Wir beklagen zu geringe Zuschauerzahlen im Amateurfußball, obwohl sich an jedem Wochenende über eine Million Menschen auf bayerischen Amateurfußballplätzen aufhalten. Wir sollten aber nicht klagen, sondern auf den Kreistagen aufzeigen, welch große gesellschaftliche Bewegung der Amateurfußball ist. Wir können den BFV als Repräsentanten seiner Mitgliedsvereine stärken, indem wir gemeinsam die Weichen für eine gute Zukunft des Amateurfußballs stellen. Die Vereine können und sollen die Verbandsarbeit und den Amateurfußball mitgestalten.

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