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Kampfschrei vor dem Spiel: Bei den Dachau Tigers wird der Zusammenhalt auf und neben dem Spielfeld großgeschrieben.

Baseball

Kopf und Körper in Einklang bringen

Baseball ist komplex, hier arbeitet nicht nur der Körper, sondern auch der Kopf, doch genau das macht den Reiz der amerikanischen Sportart aus. In Dachau wird er bei den Tigers gespielt – und die haben in den nächsten Jahren viel vor.

Baseball ist komplex, hier arbeitet nicht nur der Körper, sondern auch der Kopf, doch genau das macht den Reiz der amerikanischen Sportart aus. In Dachau wird er bei den Tigers gespielt – und die haben in den nächsten Jahren viel vor.

Ganz ruhig steht er auf dem Mound, die Augen hat er kurz geschlossen: Es ist ein Moment der vollen Konzentration. Sein Fokus liegt auf dem nächsten Wurfduell mit dem gegnerischen Batter. Auf dem Mound, dem kleinen Hügel, steht Julian di Luzio, er ist einer der Pitcher der Dachau Tigers. Der Baseballverein hat sich 1998 gegründet. Damals liefen sie noch unter dem Namen Bergkirchen Bucaneers aufs Spielfeld. In 21 Jahren erlebte der Verein viele Höhen und Tiefen. Spieler gingen, Trainer wechselten und Mitglieder verließen die Abteilung.

Doch 2018 dann der Aufschwung. Mehr Spieler kamen hinzu, und mit Coach Franklin Castanos Garcia bildete sich nach und nach ein neues Team. Er baute die Tigers wieder auf, und nach guter Arbeit übernahm Carsten Mewaldt im April dieses Jahr die Trainerfunktion. Er hat schon bei sehr vielen Baseballclubs in Bayern Halt gemacht. Unter anderem war er bei den nicht mehr existierenden Vereinen in Eching und Neufahrn sowie bei den noch bestehenden Indersdorf Fireflies, Steinheim Red Phantoms und Freising Grizzlies. „Ich habe Baseball immer als soziale Plattform genutzt“, sagt er. Seine eigene Motivation sei, dass in dem Sport wertvoll und wertevoll gelebt würde. Für sein Team möchte er „die Menschen entwickeln, damit sie zu ihrem vollen Potenzial kommen“.

Das Team, bestehend aus 13 Herren und einer Dame, ist neben zwei weiteren Personen fest in der Abteilung Baseball angemeldet. Deshalb ist es den Verantwortlichen um Abteilungsleiter Dominik Göttler und Jugendtrainer Alexander Seipt besonders wichtig, dass sich vor allem die Jugend mehr für diesen Sport begeistert. „In Dachau ist es richtig schwer, da es hier viel Fußball gibt“, sagt Dominik Göttler. „Für nächstes Jahr haben wir geplant, Baseball im Ferienprogramm anzubieten.“

Doch das ist nur der erste Schritt zur Mitgliederrekrutierung. Extra zur Förderung der Jugend hat der Verein ein Jugendkonzept entwickelt, dass die Leitlinien einer sinnvollen Jugendarbeit beinhaltet. Dazu wolle Seipt auch in die Dachauer Schulen gehen, um die Jugendarbeit nachhaltig aufzubauen. Das Hauptziel des Vereins ist aber, dass sich Baseball in Dachau etabliert.

Erwachsene haben ebenfalls die Möglichkeit, die Sportart auszuprobieren. „Es kann jeder, der Lust hat, zu uns in Training kommen und sich das Ganze einmal anschauen“, sagt Trainer Carsten Mewaldt. Im September plant der Verein ein Firmenturnier, bei dem sich Dachauer Firmen anmelden können. „Momentan haben sich leider nur zwei Mannschaften eingetragen“, so Dominik Göttler. Mit dem Turnier wolle der Verein neue Mitglieder dazugewinnen.

Doch die Begeisterung ist nicht nur bei den Mitgliedern der Tigers zu spüren, es hat sich inzwischen ein Fankreis gebildet. Die Freunde Gerald Bolden, Andreas Reichhold und Jacqueline Zenger sind dabei. Sie sehen in der amerikanischen Sportart viele Vorzüge. „Es ist ein sehr vielschichtiger Sport, man braucht viele Fertigkeiten. Fußball spielt ja jeder“, meint Reichhold. Er selber habe bereits als Jugendlicher Baseball gespielt, den Sport aber irgendwann aus den Augen verloren. „Jetzt bin ich wieder richtig angefixt“, sagt er und lacht.

Jacqueline Zenger findet es gut, dass in dem Team auch Frauen mitspielen dürfen. „Bei den Tigers ist es toll, dass sie geschlechtsneutral sind.“

Denn: Selina Stocker ist die einzige Frau im Kader der Tigers. Sie hat schon früher Baseball in der Jugend gespielt. „Mir gefällt einfach, dass Baseball ein Teamsport und besonders abwechslungsreich ist“, erklärt Stocker. Ab einem gewissen Alter wechseln Frauen meist zu Softball, also der Damen-Version von Baseball. Dort ist der Unterschied, dass der Ball größer ist, das Spielfeld kleiner und die Pitcherin den Ball von unten dem Batter zuwirft, und nicht von oben, so wie es beim Baseball üblich ist. Stocker habe aber darauf keine Lust gehabt.

Als Unterabteilung des TSV 1865 Dachau haben die Tigers ihr Spielfeld vom Freistaat gepachtet. Vom Verein selber erhalten sie volle Unterstützung, wie Pitcher Julian di Luzio betont. „Sogar Wolfgang Moll war schon einmal da und hat sich ein Spiel angeschaut.“ Ihre Abteilung finanzieren sie mit Beiträgen, Events wie der „Langen Tafel“ in Dachau und dem Essensverkauf am Spieltag. Für die Zukunft wünscht sich Vorstand Dominik Göttler, dass die Abteilung wie eine Familie wird, Heimspiele sollen zu Familienevents werden.

Die sportlichen Erfolge stehen momentan noch nicht im Vordergrund. „Die werden definitiv irgendwann kommen, weil wir langsam zusammenwachsen“, meint er. Mit Carsten Mewaldt würde sich das Team den Feinheiten widmen. „Jeder Einzelne muss zwar individuell an sich selber arbeiten, aber die Arbeit im Team ist das, was Baseball letztendlich ausmacht“, sagt Göttler.

Dass die Tigers schon eine kleine Familie sind, beweisen auch die Verwandtschaftsverhältnisse im Team. Julian di Luzio ist der Sohn von Frank di Luzio. Beide haben früher bei den Indersdorf Fireflies gespielt. „Es ist schön, dass ich Zeit mit meinem Vater verbringen kann, indem wir zusammenspielen“, so Julian di Luzio. Auch Dominik und Stefan Göttler sind verwandt. Die beiden Brüder hätten den Verein maßgeblich geprägt, meint Julian di Luzio. Zusammen mit ihrem Vater haben sie viel Zeit ins Team gesteckt. „Ohne die drei Göttlers wäre das alles nicht gegangen“, lobt er. Das gilt aber auch für den Rest der Mitglieder. „Ohne den Einsatz von jedem Einzelnen und die Kraft, die jeder in den Verein gesteckt hat, wäre er nicht das, was er heute ist“, betont di Luzio.

Wer Baseball ausprobieren möchte, kann dienstags und donnerstags ab 18 Uhr im Ballpark am Rumburger Ring vorbeischauen. Zudem können sich noch Firmen zum Firmenturnier am 21. September anmelden. Alle Infos dazu gibt es auf der Internetseite des Vereins www.tsvdachau1865.de/abteilungen/baseball und auf der Facebookseite dachautigers. Leyla Yildiz

Stenogramm

Die wichtigsten Baseball-Begriffe

Mound:Werferhügel, auf dem der Pitcher steht.
Batter: der Schlagmann.
Strikezone: Sie reicht von der Brust bis zu den Knien, und der Ball muss die Homeplate passieren.
Strike: Optimal geworfener Ball in die Strikezone.
Base:Sicherheitsinsel.
Homeplate: Wenn alle Bases abgelaufen sind und die Homeplate überquert wird, erhält man einen Punkt. An der Homeplate steht der Schlagmann und schlägt den Ball.
Umpire: Schiedsrichter.
Scorer: Schreibt die Punkte und Spielzüge des Spiels auf.

Batting Order:Schlagreihenfolge der Offensive.
Flyout:Geschlagener Ball wird aus der Luft gefangen.

Groundout: Der Ball wird vom Boden aufgenommen, zur Base geworfen, und falls dieser zuerst dort ist, ist der Läufer aus.
Strikeout:Der Batter wird nach drei Strikes aus gegeben.

Taggen: Das Berühren des Läufers mit dem Handschuh und dem Ball, der daraufhin aus gegeben wird.
Handschuh: Wird zum Fangen des Balls benötigt.

Feldspieler-Positionen

Pitcher: Werfer, der dem Schlagmann der Ball zuwirft.

Catcher:Fänger, der den Ball des Pitchers fängt, sofern der Schlagmann den Ball nicht trifft.
1. Base-Man: Spieler steht an der ersten Base.
2. Base-Man: Spieler steht an der zweiten Base.
Shortstop:Als Spieler steht er zwischen der zweiten und dritten Base.
3. Base-Man:Steht an der dritten Base.
Alle Spieler, die an einer Base stehen, sowie der Shortstophaben die Aufgabe, ihre Base zu verteidigen.
Outfielder (Rightfield, Centerfield, Leftfield): Stehen weit draußen auf dem Spielfeld und sind hauptsächlich dafür zuständig, den Ball aus der Luft zu fangen bzw. wieder ins Spiel zu bringen.

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