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Trotz funktionierender Hygienekonzepte: Der Deutsche Tischtennis-Verband hat nach reiflicher Überlegung die Reißleine gezogen und die Saison von der 2. Bundesliga abwärts bis zur Oberliga abgebrochen. 

Tischtennis

Saisonabbruch von der 2. Bundesliga bis zur Oberliga

Die Entscheidung kommt nicht überraschend: Das Präsidium des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) hat nach einer Videokonferenz am Dienstag beschlossen, den Mannschaftsspielbetrieb in den 2. und 3. Bundesligen sowie den Regional- und Oberligen der Damen und Herren aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie abzubrechen.

Betroffen davon ist u.a. der TSV Schwabhausen, und das gleich in vierfacher Hinsicht. Die Damen II spielen in der 3. Bundesliga Süd, die Damen III in der Regionalliga Süd, die Damen IV und die Herren I in der Oberliga Bayern.

Bereits in der vergangenen Woche hatte der Bayerische Tischtennis-Verband (BTTV), wie berichtet, die exakt gleiche Entscheidung für seine Spielklassen getroffen.

„Die Vernunft hat gesiegt“, kommentierte TSV-Abteilungsleiter Helmut Pfeil die Nachricht aus dem in Frankfurt am Main ansässigen DTTB-Generalsekretariat. Die Spielzeit 2020/2021 wird damit auch für die Bundesspielklassen für ungültig erklärt und so behandelt, als hätte diese nicht stattgefunden.

Die Saison der Profiligen, der Tischtennis-Bundesliga bei den Herren (TTBL) und der 1. Damen-Bundesliga, kann nach aktuellem Stand planmäßig zu Ende geführt werden.

„Das Präsidium hat sich diesen Entschluss wahrlich nicht leicht gemacht“, verriet die für den Leistungssport zuständige DTTB-Vizepräsidentin Heike Ahlert (Schleswig). „Aus unserer Sicht ist sie jedoch unumgänglich gewesen.“ Bis zuletzt sei die Hoffnung vorhanden gewesen, „dass wir die im November beschlossene Einfachrunde auch tatsächlich zu Ende spielen könnten.“

Aufgrund der Verlängerung des Lockdowns im Rahmen der jüngsten Videoschaltkonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Regierungschefs der Länder sowie dem Austausch des DTTB-Präsidiums mit den jeweiligen Fachgremien und Mitgliedsverbänden am Montagabend „halten wir die zeitnahe Fortsetzung des Mannschaftsspielbetriebs leider für nicht möglich“.

Als Ressortleiter der 1. Damen-Bundesliga hatte auch Pfeil am Meinungsaustausch teilgenommen. So wird es in den jeweiligen Ligen weder Auf- noch Absteiger geben.

In der kommenden Saison können die Mannschaften, unabhängig von ihrer aktuellen Platzierung, wieder in derselben Spielklasse antreten. Die Wertung der absolvierten Einzel fließt in die Berechnung des Tischtennis-Ranglisten-Wertes (TTR) mit ein.

Der Blick von Heike Ahlert & Co. richtet sich nun in die Zukunft. So wird zeitnah überlegt, welche Alternativangebote in den Sommermonaten angeboten werden könnten. „Wichtig ist uns, dass es dabei nicht um Auf- und Abstieg von Vereinsmannschaften geht. Es sollen Formate für diejenigen sein, die Spaß am sportlichen Vergleich mit anderen haben“, so die Vizepräsidentin. „Viele vermissen unseren Sport und wollen so schnell wie möglich wieder an die Tische. Wir sollten den großen Vorteil unserer Sportart in dieser Pandemie nutzen – nämlich den Abstand.“

Folgende fünf wesentlichen Argumente waren für das DTTB-Präsidium bei der Entscheidungsfindung besonders wichtig:

. Gesundheit der Aktiven und Offiziellen: Trotz sinkender Fallzahlen sind in vielen Landkreisen des Bundesgebiets die Inzidenzen höher als 50. Die vollzogene Impfung weiter Teile der Bevölkerung ist bis zum Frühjahr nicht zu erwarten. Zusätzlich gibt es eine steigende Unsicherheit von Seiten der Politik und der Bevölkerung, was die Ausbreitung der Virusmutationen betrifft. Niemand soll sich gezwungen fühlen, wegen eines auf- oder abstiegsrelevanten Punktspiels der eigenen Mannschaft zum Tischtennis anzutreten.

. Unklares weiteres Vorgehen im Bundesgebiet:Bis jetzt gibt es von den Regierungen der Länder keine Stufenpläne, ab wann Lockerungen für den Hallensport möglich sind. Zudem ist noch nicht klar, welche Inzidenzen in Zukunft für Lockerungen maßgeblich sein werden. Wie von Regierungsseite angekündigt kann der nächste Öffnungsschritt bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von höchstens 35 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnerinnen und Einwohner durch die Länder erfolgen. Vom Sport ist in den bislang genannten Öffnungsszenarien noch keine Rede.

. Verfügbarkeit der Hallen:Es ist nicht absehbar, wann im Bundesgebiet flächendeckend wieder wettkampfmäßiger Hallensport betrieben werden kann. Auch wenn Hallensport nach den jeweiligen Landesverordnungen wieder erlaubt sein sollte, ist nicht sichergestellt, dass die Kommunen ihre Hallen zeitnah für Vereine öffnen.

. Chancengleichheit: Der Tischtennissport steht für Fairness. Für viele Sportlerinnen und Sportler war es nicht möglich, während des Lockdowns zu trainieren. Für einige schon, die aufgrund von Detailregelungen in Landesverordnungen Tischtennis spielen durften. Deswegen hält das Präsidium einen fairen Wettbewerb im Mannschaftsspielbetrieb der betroffenen Bundesspielklassen, der über Auf- und Abstieg entscheidet, nicht für möglich. Planungssicherheit für die neue Saison: Durch die frühzeitig getroffene Entscheidung möchte das Präsidium Planungssicherheit herstellen. Die Vereine sollten möglichst schnell wissen, welcher Spielklasse ihre Mannschaften angehören, um den Start in der kommenden Spielzeit zu organisieren. Marco Steinbrenner

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