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Feierliche Übergabe: Im Garten des Steinhöringer Betreuungszentrums überreichten Klaus (links) und Sarah Kronseder das Zajonc-Trikot an Franz Kießlinger.

Eishockey-Trikot ersteigert und gespendet

Bescherung für  den „weltbesten“ Tor-Bohrer

Besondere Bescherung vor dem Weihnachtsfest für Franz, einen Edelfan des Eishockey-Bayernligisten EHC Klostersee: ein Zajonc-Trikot.

Grafing – In den höheren Eishockey-Ligen herrscht um die Weihnachtstage und zwischen den Jahren normalerweise immer „Hochsaison“. Der in der schnellsten Mannschaftssportart gebotene Spielbetrieb ist zumeist eine willkommene Alternative zu den familiären Treffen.

Vor zwei Jahren etwa füllten beim Bayernliga-Treffen zwischen dem EV Füssen und dem EHC Klostersee am zweiten Weihnachtsfeiertag 3500 Zuschauer das Bundesleistungszentrum in der Stadt im Allgäu. Daneben war man bei den Grafinger Rot-Weißen immer bereit, sich für die „gute Sache“ zu engagieren, sei es für Spenden an Bedürftige gewesen oder etwa die Teilnahme an der Typisierungsaktion der Kreisklinik Ebersberg bei der Suche nach einem Stammzellenspender.

Die Corona-Pandemie hat in diesem Jahr vieles verändert. Das Grafinger Eisstadion ist aufgrund des Lockdowns seit gut sieben Wochen gesperrt, der EHC aber zumindest „indirekt“ in eine rührende Weihnachtsgeschichte mit toller Bescherung eingebunden.

Ausgangspunkt war die von EZ-Sportredakteur Wolfgang Herfort initiierte Versteigerung von Trikots verdienter Klosterseer Spieler zugunsten des Tierschutzvereins Ebersberg. Eines davon, ein echtes Original, also ein vom unvergessenen Petr „Rabbit“ Zajonc mit der Nummer 11 tatsächlich getragenes, ersteigerten Klaus Kronseder und Tochter Sarah, ehemalige aktive Eiskunstläuferin beim EHC und inzwischen beruflich eingebunden in die elterliche Versicherungsagentur.

Das Trikot des pfeilschnellen Tschechen, der neun Jahre für die Rot-Weißen stürmte und dabei in 460 Pflichtspielen unglaubliche 741 Skorerpunkte (423 Tore und 318 Assists) sammelte und damit die Ewigenbestenliste beim EHC vor Jimmy Quinlan anführt, solle noch einen ganz speziellen Zweck erfüllen, sagte er bei der Übergabe. Recht viel mehr wollte Klaus Kronseder nicht verraten, der den EHC seit Jahrzehnten unterstützt und mit seiner Frau Petra sowie den drei Töchtern Sarah, Sophia und Luisa kaum ein Spiel versäumt. Nur soviel noch: „Hat etwas mit Weihnachten und noch einer anderen guten Sache zu tun.“

Vor ein paar Tagen war nun „Bescherung“, damit das begehrte Teil auch noch rechtzeitig unter den Christbaum gelegt werden kann. Übergeben haben Klaus und Sarah Kronseder das Zajonc-Trikot persönlich an Franz Kießlinger im Betreuungszentrum Steinhöring. Der Klosterseer Edelfan und ehemals „weltbeste“ Tor-Bohrer, den kaum einer nicht kennt, der in den letzten Dekaden in Grafing beim Eishockey war, freute sich beim Überreichen im Außengelände des Einrichtungsverbundes Steinhöring unbändig.

„Es ist doch toll, jemanden eine Riesenfreude machen zu können, mit dem es die Lebensumstände nicht so gut gemeint haben. Ich war mir sicher, dass das das Richtige für unseren Franzi ist“, sagte Klaus Kronseder. Entstanden sei die Idee des Steigerns und Schenkens aufgrund der regelmäßigen Besuche der EHC-Heimspiele durch größere Gruppen aus dem Betreuungszentrum. „Die sind auch fast immer da und mit einer Freude und Enthusiasmus dabei.“

Allen voran Franz Kießlinger, der durch die Steinhöringer Werkstätten als junger Erwachsener vor über 30 Jahren zum EHC stieß und, wenn immer möglich, die Klosterseer in jedem Heimspiel anfeuerte, abklatschte, zwischendurch nicht mit (berechtigter) Kritik sparte und eben nach der jeder Eisbereitung die Löcher für die Torpfosten-Befestigungen nachbohrte.

Von Geburt an wegen einer Sauerstoff-Unterversorgung mit einer kleinen geistigen Einschränkung gehandicapt, musste er in den letzten Jahren unter anderem zwei Schlaganfälle meistern. Beim EHC Klostersee verzichtete man an Weihnachten vor drei Jahren auf Geschenke und -karten, sammelte und spendete stattdessen für den treuen Weggefährten, Anhänger und Freund.

Franz Kießlinger erholte sich zumindest soweit, dass er bis zum Verbot von Zuschauern wegen Corona bei Bayernliga-Heimpartien „seines EHC“ wieder im Grafinger Eisstadion war. Bis zum nächstmöglichen Besuch bei den Rot-Weißen kann er ab sofort beim Anschauen der zahlreichen Klosterseer Eishockey-Videos auf den einschlägigen Online-Kanälen die „Zajonc-11“ tragen.  ele

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