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Weiter Satz in Vaterstetten: Bei der Mehrkampf-DM 2020 sprang Anna-Lena Obermaier mit 5,76 Meter eine persönliche Bestleistung.

Leichtathletik: Das Jahr der Siebenkämpferin Anna-Lena Obermaier von der LG Sempt

Leichtathletik: Bestmarken und Examen im Visier

  • vonOlaf Heid
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Sie ist eine Deutsche Mannschaftsmeisterin im Siebenkampf: Anna-Lena Obermaier aus Poing. Die 24-jährige  (LG Sempt) hat trotz aller Einflussnahme durch Corona ein erlebnisreiches Jahr hinter sich – und für heuer einiges vor.

VON OLAF HEID

Poing/Regensburg – Im Augenblick genießt Anna-Lena Obermaier noch die freien Tage im Elternhaus. Das Training läuft in und um Poing ab, desöfteren sieht man sie entlang des Bergfeldsees sprinten. Die 24-jährige Leichtathletin der LG Sempt hat trotz aller Einflussnahme durch Corona ein erlebnisreiches Jahr hinter sich – und für heuer einiges vor.

Sportlich will sich die beste Siebenkämpferin des Landkreises, Deutsche Mannschaftsmeisterin von 2020, weiter entwickeln. Obermaier studiert in Regensburg auf Lehramt Realschule (Hauptfächer Mathe und Sport) und bastelt derzeit an ihrer Zulassungsarbeit fürs Erste Staatsexamen, das ab Herbst 2021 folgen soll. Seit 2019 gehörte die 24-Jährige dem SWC Regensburg an, doch zu Jahresbeginn ist sie ihrem Trainer Stefan Wimmer zum bekanntesten Leichtathletikverein der Domstadt, der LG Telis Finanz, gefolgt. Und damit ist sie nun auch eine Teamkollegin von Semptlerin Marina Rappold – mit dem feinen Unterschied, dass die Unterschwillacherin in München studiert und dort weitestgehend auch trainiert.

Die Poingerin präsentiert sich zielorientiert, sie weiß, was sie will und wohin der Weg führen soll. „Für mich ändert sich nur die Trikotfarbe“, sagt Obermaier lachend, die weiterhin auf den Anlagen in der Domstadt für ihre Ziele und Leichtathletik-Karriere üben wird, sobald es für sie wieder möglich ist. Statt in einem roten Leiberl gibt es nun eben ein blaues. „Ich bin voll motiviert und habe dadurch, dass in der Uni alle Veranstaltungen online stattfinden, eher noch mehr Zeit fürs Training.“

Dass die Übungseinheiten seit dem Ausbruch von Corona und den damit einhergehenden Maßnahmen etwas anders ablaufen, damit hat sich die 24-Jährige längst arrangiert. Allerdings entgeht sie natürlich als Kaderathletin der Totalsperre. „Ich darf zwar zum Beispiel in Poing oder in Regensburg an der Uni nicht auf den Sportplatz, aber sonst haben wir zum Trainieren jetzt im zweiten Lockdown Sondergenehmigungen bekommen.“ Zum Teil laufe es mit angepassten Corona-Regeln und nur mit Eins-zu-eins-Betreuung ab, also nur mit ihr als Athletin und ihrem Trainer, erläutert Obermaier. „Von daher sind die Bedingungen jetzt deutlich besser als im ersten Lockdown.“

Obermaier, die schon drei Mal am Thorpe-Cup, dem renommierten Ländervergleich zwischen den Mehrkämpfern der USA und Deutschlands teilnahm, erläutert: „Wir Leichtathleten können unser Grundlagentraining ja quasi überall machen. Treppen- oder Bergläufe sind auch so immer Teil des Aufbautrainings, darum brauchen wir also nicht für alles einen Sportplatz.“ Dennoch sei sie aufgrund der niedrigen Temperaturen momentan „mehr als froh, dass wir einigermaßen normal trainieren dürfen“.

Im Vorjahr hatte die Poinger Leichtathletin ihren sportlichen Höhepunkt im Sportzentrum Vaterstetten bestritten. Bei den hermetisch abgeriegelten und ohne Zuschauer ausgetragenen Deutschen Mehrkampfmeisterschaften musste sie vor allem mit dem Drumherum klar kommen. „Wir hatten schwer mit Wind und Wetter zu kämpfen“, erinnert sich Anna-Lena Obermaier an den fürchterlich verregneten Samstag. „Nach dem Hochsprung sind wir alle auf die Toilette und haben versucht, uns mit den Handföns zu trocknen.“ Die Kabinen waren ja aufgrund des Hygienekonzepts der DM geschlossen gewesen.

Doch es reichte am trockenen zweiten Tag trotz Schmerzen im Arm beim Speerwurf letztlich zum Coup. Im Einzel verpasste sie als Fünfte die Medaillenränge, jedoch mit dem Team des SWC Regensburg landete die 24-Jährige auf Platz eins. 5701 Zähler steuerte sie zum DM-Titel bei. Sie verpasste zwar eine neue persönliche Punkte-Bestleistung, doch wertete Obermaier die Ausbeute „total positiv, weil ich weiß, was bei optimalen Bedingungen drin gewesen wäre“. Und im Weitsprung hatte sie ja zudem mit 5,76 Meter einen neuen Bestwert gelandet.

Ihr Fazit für 2020 fällt dementsprechend zufrieden aus. „Ich bin dankbar dafür, dass die Wettkämpfe überhaupt stattfinden konnten“, sagt sie als allererstes. An zwei nationalen Meisterschaften nahm die 24-Jährige teil. Neben den Titelkämpfen mit Heimvorteil in Vaterstetten war es auch die Einzel-DM zwei Wochen zuvor in Braunschweig, bei der sie als Achte im Hochsprungklassement der Spezialistinnen abschloss. „Da habe ich viel Erfahrung sammeln können.“

Nach dem „schönen Abschluss“ der Freiluftsaison mit den nationalen Titelkämpfen folgten vier Wochen Pause, bevor die Studentin früh das Training, ausgerichtet auf 2021, wieder aufnahm. Die spät angesetzte Bayerische der Mehrkämpfer ließ sie beispielsweise deshalb sausen.

Am virtuellen Marathon der LG Sempt, einem OnlineAngebot, bei dem 42 km in beliebig vielen Etappen zu laufen sind, wird Obermaier eher nicht teilnehmen. „Ich muss schauen, ob es vom Trainingsplan her passt.“ Sie werde sich mit ihrem Coach beraten. Als Mehrkämpferin benötige sie aber auch nicht diese extreme Langzeit-Ausdauer, schließlich ist der 800-Meter-Lauf der längste der drei Laufdisziplinen im Siebenkampf.

Ihren nächsten Termin hat Anna-Lena Obermaier aber fest im Blick. Ihr erster Fokus im neuen Jahr geht auf die Deutschen Hallen-Mehrkampfmeisterschaften, die am 30./31. Januar in Halle an der Saale (Thüringen) ausgetragen werden sollen. Angst vor einer Absage des Fünfkampfs (ihre Bestmarke 4005 Punkte), angesichts der bevorstehenden Verlängerung des Lockdowns, hat sie nicht: „Die Europameisterschaft wird sicher stattfinden, und darum denke ich, wird die DM auch durchgeführt. Einen Wettkampf kann man halt nicht aus der kalten Hose laufen“, meint sie lachend.

Was danach im Sommer folgt, darüber hat sich Anna-Lena Obermaier „noch nicht so viele Gedanken gemacht“. Sie hofft, dass möglichst viele Termine ihren Kalender füllen, angedacht sind die Teilnahmen bei den deutschen Freiluft-Titelkämpfen in Braunschweig (Mehrkampf, Einzel, 5./6. Juni) und Wesel (20. bis 22. August). Ihre Ziele sind aber klar: „Ich würde gerne im Mehrkampf meine persönliche Bestmarke knacken (5715 P.) und bei der DM im Einzel eine Podestplatzierung holen.“

Auch das noch nicht terminierte Mehrkampf-Mekka Ratingen hat die angehende Lehrerin aus Poing im Blick. „Das ist immer eine coole Veranstaltung mit toller Stimmung.“ Es wäre ein weiterer Genusspunkt in diesem für sie sicherlich erneut spannenden Jahr.

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