Ludwig Auer vom TSV Poing (r.) zweifelt daran, ob Funino für die Meisterschaften geeignet ist. Kurt Neugebauer vom SC Baldham-Vaterstetten ist von Funino überzeugt.
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Ludwig Auer vom TSV Poing (l.) zweifelt daran, ob Funino für die Meisterschaften geeignet ist. Kurt Neugebauer vom SC Baldham-Vaterstetten ist von der Fußballvariante überzeugt.

Umfrage zu den Funino-Plänen des BFV

Kreis Ebersberg: Funino-Pläne des BFV werden kontrovers diskutiert

  • Wolfgang Herfort
    vonWolfgang Herfort
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Der Bayerische Fußball-Verband will in Zukunft Funino im Kleinfeld durchsetzen. Unter den Verantwortlichen wird dieser Vorschlag durchaus positiv aufgenommen.

Ist Funino das Mittel der Wahl, um Fußball in den unteren Jahrgängen attraktiver zu machen? Ein kleineres Feld soll das Spiel schneller werden lassen, mehr Ballkontakte und mehr Tore bringen und somit die Zahl der Erfolgserlebnisse im Spiel Drei-gegen-Drei steigern. Prinzipiell sind die heimischen Jugendleiter nicht gegen eine Variation im Trainingsalltag. Wenngleich sich einige mit der Vorstellung, mit dieser Spielform Meisterschaften auszutragen, nicht wirklich anfreunden können. Alle wissen aber um die Qualität dieser Fußballvariante, wie eine kleine Umfrage der Ebersberger Zeitung ergab. Es überwiegt jedoch eine gewisse Skepsis. Das klassische Problem der G- und F-Mini-Kicker, alle auf einen Ball mit entsprechender Spielertraube, wäre zumindest gelöst.

Cesar Pereda (Jugendleiter/Coach U6 - U11 TSV Ebersberg):

„Funino? Das gibt es aber schon ein paar Jahre. Ist eine gute Sache. Weil die Kinder mehr Freiheiten haben, um sich auf kleinem Raum mehr zu bewegen. Das sollte man durchaus wieder ausprobieren. In Ebersberg war der Verband schon einmal damit da, wenn ich mit richtig erinnere, und hat diese Spielform vorgestellt. Alles hängt natürlich davon ab, ob die Kinder mitmachen und Spaß daran haben. Das kann man nur anbieten und dann schauen, wie sie darauf reagieren. Kinder entwickeln sich so schneller, reagieren schneller. Und sie entscheiden schnell, ob ihnen das gefällt oder nicht. Wie gesagt, eine gute Sache.“

Johannes Piller (Jugendleiter Kleinfeld Markt Schwabener Au):

Funino ist eine der wenigen guten Sachen, die der BFV jüngst eingeführt hat. Die Kinder bekommen mehr Ballkontakte, es fallen mehr Tore, jeder kommt wirklich zum Spielen. Sonst setzen die Trainer ja häufig vemehrt die stärkeren Spieler ein. Dabei werden nur die Starken stärker, die Schwachen bleiben schwach. Wir haben noch nicht für Funino gemeldet, weil wir erst sehen wollten, wie es organisatorisch anläuft. Nächstes Jahr sind wir dann bei Funino dabei. Gerade in den ersten Fußballjahren ist das eine gute Sache. Ich nutze diese Spielform, wie auch andere Trainer bei uns, auch bei meinem Training.“

Ludwig Auer (Abteilungs- und Jugendleiter TSV Poing):

„Grundsätzlich ist Funino eine gute Sache. Als Trainingseinheit sehr, sehr gut. Ob es sich für große Meisterschaften eignet, steht auf einem anderen Blatt. Schließlich ist es sehr aufwändig zum Aufbauen, es sind viele Mannschaften, die beteiligt sind. Stellt sich die Frage, ob wir in dem Alter einen derartigen Einsatz stemmen können. Bin dem gegenüber nicht abgeneigt, denn die Vorteile liegen auf der Hand. Viele Ballkontakte, jeder soll zum Einsatz kommen und nicht rumstehen. Man darf aber auch nicht vergessen, dass es in einem Verein auch entschiedene Gegner gibt und die Gefahr von Gruppenbildung besteht.“

Michael Kurzmeier (Jugendleiter TSV Aßling):

„Von dieser Art des Fußballspielens halte ich an sich sehr viel. Ich habe es als Trainer bei den Kleinen ebenfalls eingeführt. Die waren begeistert. Gerade die kleinen Tore, weniger Spieler. Das Problem ist, dass viele Eltern nicht davon überzeugt sind und eher den klassischen Wettbewerb mit Sechs-gegen-Sechs bevorzugen. Aber wenn man mal ehrlich ist, meist machen nur zwei, drei das Spiel, die anderen sind nur auf dem Feld, um die nötige Anzahl zu erfüllen. Sicher ist die konventionelle Spielform näher am echten Fußball, aber ich sehe bei Funino nur positive Aspekte, die es entsprechend zu vermitteln gilt.“

Kurt Neugebauer (Abteilungsleiter/G- bis D-Jgd. SC Baldham-Vaterstetten):

„Aus unserer Sicht ist Funino hauptsächlich eine Trainingsform. Altersgerecht umgesetzt ist sie sehr sinnvoll. Darum nutzen wir das System schon lange. Allerdings nicht in einer strengen Form, sondern eher variabel, nicht immer ausschließlich Drei-gegen-Drei. Wir versuchen eher, eine gute Mischung im Sinn der Kinder zu finden. Dass der BFV Funino propagiert, ist völlig richtig. Es bietet eine hohe Ballkontaktquote, viele Tore und damit Erfolgserlebnisse. Eltern wollen aber auch, dass die herkömmliche Form gespielt wird. Da gilt es, einen Mittelweg zu finden. Die Kleinen wollen aber einfach nur kicken.“

Werner Weber (Abteilungs- und Jugendleiter ATSV Kirchseeon):

„Ich war schon vor drei Jahren in entsprechenden Arbeitskreisen. Und ich bin weder strikt dafür noch dagegen. Es gibt gute Gründe für und gegen Funino. Ganz überzeugt bin ich nicht. In einer Diskussion mit unseren Trainern konnte man die Schwierigkeiten sehen, wenn sich ehrenamtlich Trainer mit ganz neuen Dingen beschäftigen sollen. Wenn damit Straßenfußballer herangezogen werden sollen, liegt man aber falsch. Ein Merkmal dessen wäre, dass im Hinterhof ein Sieben- gegen bzw. mit einem 14-Jährigen spielt. Dabei lernen beide. Der Große Rücksichtnahme, der Kleine, sich durchzusetzen.“

(Wolfgang Herfort)

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